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Schweineschlachtung

Schweinsbild

Das Schwein lag auf der Karre, hingeschlachtet.
Wog, hörte man, dreimal so viel wie ein erwachsner Mensch.
Die Augen zugekniffen, rosaweiße Augenwimpern.
Die Haxen steif und weggestreckt.

So eine schwergewichtige Leibesfülle
schien auch in Todesstarre nicht bloß abgelebt.
Das Schwein war weiter weg als ausgelöschtes Leben,
glich eher einem Sack voll Weizenmehl.

Ich boxte drauf ohne Gewissensbisse.
Es stört die Totenruhe, spürt man,
schon, wer unbedacht auf Gräber tritt.
Doch dieses Schwein schien außerstande, Klage zu erheben.

Es war zu tot. Nur noch
ein Batzen Schmalz und Fleischerware.
Von letzter Würde keine Spur.
Es reichte nicht einmal zum Komischsein.

Zu tot für jedes Mitgefühl.
An diesem Dasein mit Getöse, Bollwerk
der Lebenslüste, das es war, Erinnerung zu wahren
schien falsche Liebesmüh und barer Unverstand.

Das tote Faktum sprach dagegen. Es lastete
auf mir - wie sollte ich es von der Stelle bringen?
Und all die Arbeit beim Zerlegen!
Wie seine Kehle klaffte - scheußlich. Doch mir tat's nicht weh.

Früher war ich einmal im Jahrmarksttrubel
hinter so einem Ferkel hergehetzt,
das - eigefettet - behender noch als alle Katzen war.
Sein Quieken klang wie berstendes Metall.

Die Schweine haben heißes Blut, sie fühlen sich wie Öfen an.
Ihr Biß ist schlimmer, als ein Pferd zupackt;
sie stanzen einfach einen Halbmond aus.
Sie putzen Asche, tote Katzen weg.

Bewundernswerte Fähigkeiten, die dieses Tier
längst hinter sich gelassen hat.
Ich starrte lange auf das Schwein. Sie würden heißes Wasser drübergießen,
und es dann scheuern, wie man es mit Stufen macht.

Ted Hughes



Wir danken dem Mattes Verlag für die freundliche Erlaubnis das Gedicht "Schweinsbild" auf unseren Seiten onlinestellen zu dürfen.

Dieses und andere Gedichte von Ted Hughes finden Sie: "Ted Hughes, Gedichte". Zweisprachig. Übersetzt mit einer Einleitung und Anmerkungen von Ulrich Horstmann, ISBN: 3-930978-23-7, Mattes Verlag GmbH, Heidelberg 1995

Ted Hughes, eigentlich Edward James Hughes, geboren 1930 in Mytholmroyd, Yorkshire, ist einer der bedeutendsten Gegenwartslyriker Englands. Hughes wurde 1984 zum "Poet laureate" ernannt. Literarische Anerkennung fand er durch seine emotionalen Gedichte, vor allem Natur- und Tiergedichte, wie sie die Gedichtsequenz "Crow" enthält. Zu seinen Werken gehören "The Hawk in the Rain", "Lupercal", "Wodwo", "Selected Poems: 1957-1967", "Season Songs" und "Moortown". Hughes schrieb auch Theaterstücke und Geschichten für Kinder, zu denen "Under the North Star" und "What is the Truth?" gehören. Von 1956 bis zu ihrem Selbstmord im Jahr 1963 war Hughes mit der amerikanischen Dichterin Sylvia Plath verheiratet, die als eine Ikone der Frauenbewegung gilt.

A.K.T.E. - Redaktion / Franziska Ute Gerhardt


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