Halali
Das Tal liegt im Nebel.
Der Morgen ist grau.
Igel und Marder
verschwinden im Bau.
Treiber und Jäger
beginnen die Jagd.
Heute sind Mufflon
und Wildschwein gefragt.
Entschlossene Reiter
beschwören den Sieg,
erklären den Tieren
den grausamen Krieg.
Lärmende Hunde
verfolgen das Wild,
sterbende Hirsche
vollenden das Bild.
Donnernde Flinten
beschallen den Wald,
und keiner gebietet
den Tobenden Halt.
Bevor es im Tale
zum letzten Mal kracht
sind Fuchs und Konsorten
zur Strecke gebracht.
Tiere sind wertlos,
es sei denn als Leich,
einzig die Menschen
sind hinterher reich.
Gerhard Steil
Der König der Tiere
Ich bin ein Löwe
und lebe im Zoo.
Mal bin ich traurig
und mal bin ich froh.
Ich träume von Freiheit
und weiter Prärie.
Nur, meine Heimat,
die sah ich noch nie.
Manchmal - da renn’ ich
genervt an die Wand.
Dann sehe ich Sterne
und träume vom Strand.
Man füttert mich reichlich
mit Fleisch und mit Drogen.
Ich frag’ mich, wie schmecken
wohl Tierpsychologen?
Ich kann es ertragen
und fühl mich geborgen.
In Afrika hätt’ ich
ganz andere Sorgen.
Statt in der Steppe
ein Gnu zu verschlingen,
lass’ ich den Wärter
ein Warzenschwein bringen.
Man darf mich besuchen
und glotzt durch die Stäbe,
als wenn es nichts and’res
zum Langweilen gäbe.
Der Zeitpunkt wird kommen,
ich warte darauf,
dann steht meine Türe
ein klein wenig auf.
Dann wird so ein Gaffer
- ihr könnt ihn vergessen -
mit Haut und mit Haaren
zum Nachtisch gefressen.
Ach, es ist lustig,
im friedlichen Zoo
als König der Tiere
im nasskalten Stroh.
Gerhard Steil
Menschen und Schweine
Schweine
sind reinlich
und werfen
nichts weg
Menschen
sind peinlich
und schmeißen
mit Dreck
*
Und sieht man
den Schmutz
und den Müll
auf den Wegen
dann weiß man
das Schwein
ist dem
Mensch
überlegen
Gerhard Steil
Zwei Kinder am Meer
Es waren zwei Kinder,
die spielten am Meer.
Sie lachten gemeinsam
und freuten sich sehr.
Sie formten sich Berge
und Burgen aus Sand
und kämpften mit Schwertern
wie Helden am Strand.
Man hörte sie singen
und jauchzen zu zweit.
Die Welt war in Ordnung
und Unheil so weit.
Und dann, eines Tages,
ein riesiges Schiff
nahte bedrohlich
dem mächtigen Riff.
Dröhnend und berstend,
mit stählernem Schrei,
brachen die Tanks
in der Mitte entzwei.
Das Meer wurde düster,
ein seltsames Licht
verhüllte die Sonne
und trübte die Sicht.
Und als ihre Festung
aus schneeweißem Sand
im tiefschwarzen Schlamm
bis zur Zinne verschwand,
Da weinten die Kinder
am sterbenden Meer
und begruben die Tiere -
aber sie lachten nicht mehr.
Gerhard Steil
Wir danken Gerhard Steil für die Erlaubnis, seine Gedichte
auf unseren Web-Seiten publizieren zu dürfen.
A.K.T.E. - Redaktion / Stefan
Bernhard Eck
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