Hubertusmesse!
Schöpfungsgemeinschaft? Christliche Nächstenliebe? Sehr geehrter Herr Bischof, die christliche Idee der Schöpfungsgemeinschaft - das dürfte doch wohl aus der Genesis und dem Pentateuch hervorgehen und gerade Ihnen nicht entgangen sein - weist unmissverständlich darauf hin, dass sich der Mensch nicht in lebens- und schöpfungsfeindlicher Weise über das Tier und die unbelebte Schöpfung erheben, sondern sich als Teil derselben verstehen sollte. Er soll der "gute Hirte" der ihm anvertrauten Schöpfung sein. Auch wenn das Tier nach christlich-abendländischem Rechtsverständnis keine Rechtsfähigkeit besitzt und ihm die Würde in menschlichem Maße sowie die ewige, vernunftbegabte Seele durch die christliche Scholastik (Augustinus und Thomas von Aquin) abgesprochen worden ist, so sollte die Idee der Schöpfungsgemeinschaft es dem Menschen verbieten, das Tier als Ressource, als bloßes Nutzungsobjekt zum Gebrauch und Verbrauch wahrzunehmen. Wenn es die Kirche mit dem Gedanken der Schöpfungsgemeinschaft ernst meint und es nicht nur ein hohles Lippenbekenntnis ist, dass die Schöpfung außerhalb des Menschen einen von Gott zugeeigneten Sinn und Wert besitzt, der außerhalb der Beliebigkeit des Menschen liegt, dann muss sich dieses Verständnis auch im Verhalten der Kirche äußern. Wenn in Ihrer Diözese Hubertusmessen zelebriert werden, so wie am 4. November diesen Jahres im Hochwalddom zu Nonnweiler, dann wird damit die christliche Idee der Schöpfungsgemeinschaft wieder einmal mit Füßen getreten. So, wie die christliche Kirche in der Vergangenheit die Sklaverei geduldet, wenn nicht sogar gefördert hatte, und sich auf die Seite der Sklavenhalter stellte, so steht sie heute noch immer auf der Seite der Tierausbeutungsgesellschaft. So, wie heute über die Verfehlungen der Kirche in der Vergangenheit, über ihre blutbesudelte Geschichte von vielen Menschen geurteilt wird, über ihre Kreuzzüge, ihre Missionierung mit Feuer und Schwert - omnia ad maiorem dei gloriam, über Inquisition und Konkordat, so werden dereinst zukünftige Generationen über die Verfehlungen der Kirche urteilen, welche das Tier betreffen, denn auch hier begeht die Kirche wieder Verrat an ihren vornehmsten Idealen: der Nächstenliebe, denn auch das Tier ist unser Nächster, dem Gebot "Du sollst nicht töten!" und der Ehrfurcht Gottes, denn wahre Ehrfurcht muss sich auch darin äußern, das Werk Gottes zu achten und zu lieben. Sie werden wahrscheinlich entgegen, dass die Hubertuslegende und damit
die Hubertusmesse den Menschen zum pfleglichen und fürsorglichen Umgang
und zur Maßhaltung im Umgang mit der Kreatur auffordert. Das ist eine
reine Interpretationsfrage; wir können den Heiligen Hubertus nicht mehr
selbst befragen. Bei allem Ernst, Herr Bischof, kennen Sie vielleicht einen Waidmann, der nach dem Besuch einer Hubertusmesse Hirschfänger, Saufeder und Büchse nicht mehr anrührte und seiner blutigen Leidenschaft Lebewohl sagte? Ich jedenfalls leider nicht. Und deshalb wäre es besser, wir würden uns von dieser unzeitgemäßen Tradition verabschieden, denn sie könnte durch diese Art der Verherrlichung eher das Gegenteil bewirken. Seien Sie trotz meiner kritischen Worte als Zeichen des Verzeihens und
einer allumfassenden Nächstenliebe gegrüßt und umarmt. Stefan Bernhard Eck |
||||||||