Über Schweine, die niemals "Schwein haben"
Schweine bilden die Familie Suidae der Ordnung Artiodactyla (Paarhufer). Sie gehören zu den intelligentesten Säugetieren. Schweine sind neugierig und erstaunlich lernfähig. Unter natürlichen Bedingungen verbringen sie viel Zeit damit, ihre Umgebung zu erkunden. Sie sind von Natur aus sehr reinlich und würden niemals den unmittelbaren Lebensbereich durch Exkremente verunreinigen. Schweine können ein Lebensalter bis zu 30 Jahren erreichen. Als gesellige Rudeltiere leben sie in größeren Gruppen. Nur kurz vor der Geburt sondert die Sau sich ab und baut ihr Nest. Schweinemütter sind fürsorglich und stillen ihre Jungen unter natürlichen Bedingungen rund 15 Wochen. Wildschweine Das Wildschwein, Urahn unserer "Hausschweine", heißt zoologisch Sus scrofa. Es war früher über den gesamten europäischen Kontinent, über Nordafrika und Westasien verbreitet. Das erwachsene männliche Tier nennt man Keiler und das weibliche Tier Bache. Ausgewachsen sind Wildschweine grauschwarz, ca. 1,1 bis 1,8 Meter lang und können bis zu 350 Kilogramm wiegen. Ihr Fell besteht aus einem kurzen, flaumigen Haarkleid, das von Borsten durchsetzt ist. Ihre Jungen heißen Frischlinge; sie sind heller gefärbt und haben seitlich helle Längsstreifen. Beim Keiler entwickeln sich die Eckzähne des Unterkiefers zu imposanten Hauern, die sich nach oben biegen und bis zu 30 Zentimeter lang werden können. Sie dienen der Verteidigung und zum Graben bei der Nahrungssuche. Wildschweine leben bevorzugt in feuchten, morastigen Wäldern und ernähren sich als omnivore Tiere von Wurzeln, Früchten, Pilzen, Würmern, Insekten, Schnecken und Aas. In Großbritannien und Südskandinavien war das Wildschwein ausgestorben, wurde aber in manchen Gebieten als "Jagdbeute" wieder angesiedelt. Wildschweine streifen in kleinen Rotten umher, die aus verwandten Bachen und ihren Nachkommen bestehen. "Hausschweine" So genannte "Hausschweine" werden heute fast weltweit als "Nutztiere", vor allem als Fleischlieferanten gehalten. Sie wurden im Mittelmeerraum und in Osteuropa sowie in Südostasien domestiziert. Möglicherweise wurden sie bereits vor 9000 Jahren zuerst in China und später im vorderen Orient und in Europa gehalten. Im alten Ägypten wurden Schweine auch als Zugtiere verwendet, da ihre Hufeindrücke genau die richtige Tiefe zum Säen von Weizen hatte. Außerdem richtete man Schweine als Viehhirten ab, die andere Herdentiere zusammentreiben mussten und trainierte sie auf die Suche nach Wild und Trüffeln. Auf dem amerikanischen Kontinent wurden Schweine erst heimisch, nachdem sie von spanischen Eroberern dort eingeführt wurden. Ausgewachsene "Hausschweine" haben einen schweren, rundlichen Körper, einen länglichen, weichen Rüssel, kurze Beine mit paarigen Zehen und einen kurzen, oft geringelten Schwanz. Die dicke, aber empfindliche Haut ist teilweise mit kurzen Borsten besetzt und kann sehr unterschiedliche Farben haben. Als Fleischlieferanten sind Schweine deshalb "ideal", weil sie schnell wachsen, eine relativ kurze Schwangerschaftszeit von 16 Wochen haben und bis zu 14 Junge gebären können. Die genügsamen Schweine kann man mit dem unterschiedlichsten Futter mästen. Wohl auch deshalb hat man sie schon sehr früh domestiziert und gezüchtet. Schweine essen u. a. Getreide und Hülsenfrüchte. Sie dienen außer zur Produktion von Fleisch und Fett auch zur Gewinnung von Leder und Borsten (für Bürsten) und sind seit der BSE-Krise wichtige Gelatine-Lieferanten. Rassen Etwa 90 Rassen und mehr als 200 Varianten kennt man heute. In den westlichen Ländern gibt es u. a. folgende Rassen:
Die auch in Deutschland verbreitete Landrasse bzw. Deutsche Landrasse, die ursprünglich aus Dänemark stammt. Dies sind weißborstige, lange und breite Tiere mit Schlappohren. Das ebenfalls in Deutschland gehaltene weißborstige Edelschwein lässt sich anhand seiner Stehohren von der Landrasse unterscheiden. Aus England stammen Berkshire (schwarz mit weißen Punkten) und Yorkshire (Vorfahre des Edelschweines). Aus den USA kommen Rassen wie das auch in Europa gehaltene rotbraune Duroc sowie Chester White, Hampshire (schwarz mit weißem Bauch), Poland China (schwarz mit weißen Flecken) und Spotted (schwarz mit weißen Flecken). Die einzelnen Rassen unterscheiden sich auch in ihrer Wachstumsrate, in der Größe ihrer Nachkommenschaft und in der Körpergröße. Die meisten "Hausschweine" stammen aus Rassen-Kreuzungen mit dem Ziel, größere Vitalität bzw. größere Produktionserträge zu erzielen. Dafür werden zwei oder drei Rassen abwechselnd gekreuzt. Dabei wird eine Sau von einem Eber einer anderen Rasse gedeckt. Weibliche Tiere aus dieser Kreuzung werden von einem Eber der mütterlichen Rasse gedeckt; diese Kreuzung wird wiederum mit einem Eber der ersten Rasse gekreuzt. Außer durch Zucht hat man versucht, durch Gentechnik die Fleischproduktivität bei Schweinen zu steigern. Bereits in den achtziger Jahren fügte man die Gene für die Produktion von menschlichen Wachstumshormonen in das Erbgut von Schweinen ein, weil man sich davon eine erhöhte Fleischproduktion versprach. Viele Tiere überlebten die Genmanipulation nicht. Die Schweine, die den gentechnischen Eingriff überlebten, waren zwar größer als ihre "normalen" Artgenossen, litten aber als Folge dieser Manipulation an Erkrankungen wie Magengeschwüren, Arthritis, Herzvergrößerungen sowie Haut- und Nierenerkrankungen. Die Wachstumshormone hatten massive Störungen im gesamten Stoffwechsel zur Folge gehabt. Die australische Firma BresaGen zum Beispiel hatte Schweinen ein zusätzliches Schweine-Wachstumshormon-Gen eingefügt, damit die Tiere schneller wachsen, größer werden und einen höheren Anteil an magerem Fleisch haben sollten. Aber auch hier traten "unerwünschte" Effekte auf. Es wurden Ferkel geboren, die - wie bei den Schweinen mit menschlichen Wachstumshormon-Genen - unter Gelenkentzündungen litten, extrem mager und unfruchtbar waren. Während der Versuchsphase starb ein Teil der Tiere, andere mussten getötet werden. (Quelle: Bundesverband der Tierversuchsgegner, Produkt und Realität, "Schweineproduktion") Haltung Schweine werden intensiver gehalten als Rinder oder Schafe. Es gibt folgende drei Betriebsformen: Reinzuchtbetriebe, die reinrassige Muttertiere züchten. Betriebe, die nur Jungtiere für die Mast züchten, und Mastbetriebe, die sich auf die eigentliche Schweinemast spezialisiert haben. Manche Betriebe lassen sich allen drei Bereichen zuordnen.
Die Futterkosten machen rund 70 Prozent des Verkaufspreises eines Tieres aus. Bei der Intensiv-Haltung muss beachtet werden, dass Ferkel sehr kälteempfindlich sind. Da Schweine auch keine Schweißdrüsen haben, brauchen größere Tiere Möglichkeiten, um sich abzukühlen. Außerdem müsste eine geeignete Belüftungsanlage die entstehenden giftigen Emissionen wie Wasserstoff und Ammoniak ableiten. Intensive Schweinemast ist wie jede Art der "Nutztierhaltung" legalisierte Tierquälerei, weil die Tiere vor allem viel zu wenig Bewegungsraum haben. Man forscht seit langem an "artgerechten" und Heizenergie sparenden Massenställen, die den Tieren nicht nur ausreichend Auslauf ermöglichen, sondern auch Einrichtungen wie Ruhekisten, Scheuerpfähle und Wühlboxen bieten. Unsere Landwirtschaft ist aber noch sehr weit davon entfernt, aus entsprechenden Forschungsergebnissen nachhaltige Konsequenzen zu ziehen. Die Tiere werden gegen verschiedene Krankheiten geimpft. Zudem werden Antibiotika eingesetzt, um Infektionen zu verhindern und um ein schnelleres Wachstum zu erzielen. Diese ohnehin fragwürdige Praxis ist zwar gesetzlich geregelt, weil beim Verzehr des Fleisches Rückstände vorhanden sein können, doch immer wieder werden Medikamente auch illegal eingesetzt. Als Folge der "krankmachenden" Intensiv-Zucht tritt mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Europa die hoch infektiöse Schweinepest auf und führt zu Massentötungen auch gesunder Schweinebestände. Obwohl es eine sehr effektive Impfung gibt, darf diese nicht eingesetzt werden, denn für den Export bestimmte und geimpfte Schweine können dann bei einem Schnelltest nicht von erkrankten Tieren unterschieden werden. Schweinebestände Ende der achtziger Jahre lag der Bestand an "Hausschweinen" weltweit bei über 847 Millionen: China nahezu 349 Millionen, die ehemalige Sowjetunion 78 Millionen, die USA 56 Millionen, Brasilien 32 Millionen und die Bundesrepublik Deutschland 23 Millionen. 1998 gab es in der EU 125 Millionen Scheine. Mit rund 41 Millionen, das entspricht etwa 25 Prozent, ist Deutschland der größte "Schweine-Erzeuger" in der Europäischen Union. Vor allem in Bayern, Niedersachsen und Nordrheinwestfalen werden Schweine zu 98 Prozent in Massentierhaltungsbetrieben "produziert". Insgesamt 140.000 Schweinehalter gibt es in Deutschland, darunter knapp 20.000 Großbetriebe mit mehr als 400 Tieren. In diesen Anlagen leben mehr als 70 Prozent aller Schweine. Zuchtsauen - lebenslang eingesperrte Gebärmaschinen Als reine Gebärmaschinen müssen Zuchtsauen möglichst schnell möglichst viele Jungen gebären. Dies führt zu gravierenden Gesundheitsschäden. Rund 50 Prozent der Muttertiere werden wegen mangelnder Fruchtbarkeit oder gesundheitlichen Störungen vorzeitig geschlachtet. Nach der viel zu frühen Entwöhnung der Jungtiere (nach 21 Tagen) werden die Muttertiere sofort erneut besamt. Eine "gute Zuchtsau" hat durchschnittlich 2,2 "Würfe" mit jeweils 10 Jungen pro Jahr.
Mit sieben Monaten werden die Sauen gewaltsam mit dem Sperma eines "Spitzenvererbers" aus der Besamungsstation besamt. Nach 16 Wochen Schwangerschaft erfolgt das "Abferkeln" in der so genannten "Abferkelbox". Die Fläche, auf der ein Muttertier gehalten wird, entspricht mit 1,3 Quadratmeter gerade einmal ihrem eigenen Körperumfang. Der Boxenboden ist eine mit Spalten versehene Betonfläche, durch die die Exkremente in einen darunter liegenden Kanal ablaufen. Der Gestank aus diesem Kanal belästigt die an sich reinlichen und geruchsempfindlichen Tiere ständig. Die scharfkantigen Betonspalten verursachen häufig schmerzhafte Verletzungen an den Klauen. Zudem sind die Tiere durch Eisenrohre fixiert und können sich kaum bewegen, so dass das permanente Liegen auf dem mit Kot verschmutzten Betonboden zu beträchtlichen Schmerzen führt. Diese tierquälerische "Einzelhaft" der geselligen und neugierigen Tiere führt neben körperlichen Schäden zu einer gravierenden psychischen Belastung. Auf Grund der permanenten Schmerzzustände und der monotonen Umgebung entwickeln die Schweine in der Regel gravierende Verhaltensstörungen wie Stangen-Beißen und grundlose Kaubewegungen, die im Fachjargon als "Leerkauen" bezeichnet werden. Neben der Boxenhaltung ist zur Zeit die Anbinde-Haltung für Zuchtsauen noch üblich, die aber seit 1996 mit einer Übergangsfrist bis zum Jahre 2005/6 verboten wurde. In der BRD fristen rund 60 Prozent aller Mutterschweine in einer der beschriebenen Formen ihr Dasein in lebenslanger Einzelhaft. Ferkelaufzucht Schon der Start ins Leben ist in unseren Agrarfabriken pure Tierquälerei. Zunächst wird den Neugeborenen der Schwanz abgeschnitten, um Kannibalismus als Folge der Haltungsbedingungen und des Getrenntseins von der Mutter zu verhindern. Außerdem werden ihre Eckzähne abgekniffen, damit sie beim Säugen die Mutter nicht verletzen. Beides geschieht ohne jegliche Betäubung. In der dritten Lebenswoche werden - wiederum ohne Betäubung - die männlichen Jungtiere kastriert, um den sonst entstehende "Ebergeschmack" zu vermeiden, der bei den Konsumenten nicht erwünscht ist. Unter natürlichen bzw. naturnahen Bedingungen werden Ferkel von ihrer Mutter zwischen 6 bis 15 Wochen gestillt. In der Intensivhaltung werden sie nach 21 Tagen von ihrer Mutter getrennt und kommen in spezielle Käfige (Flatdecks) mit Spaltenböden. Dort entstehen schnell hospitalismusähnliche Verhaltensstörungen wie monotones Kopfschaukeln und Beißen an den Käfigstangen.
Die Mast beginnt mit speziellem Futter aus Getreide und oft gentechnisch veränderten Sojaprodukten. Es ist bekannt, dass immer wieder Antibiotika und andere Zusatzstoffe prophylaktisch verabreicht werden, obwohl diese verboten sind, um die Gewichtszunahme zu fördern und Krankheiten zu vermeiden, die als Folge der schlechten Haltungsbedingen auftreten können. Mit 10 Wochen wiegen die jungen Schweine bereits rund 25 Kilo. Sie werden dann, oft über lange Strecken, in die eigentlichen Mastbetriebe transportiert. Es folgen 6 Wochen "Vormast" mit 2 Kilogramm Futterzuführung und 600 Gramm Gewichtszunahme pro Tag. In den folgenden Wochen beträgt die Gewichtszunahme rund 800 Gramm pro Tag. In der "Endmast" sitzen die bereits übergewichtigen Schweine apathisch mit hängendem Kopf auf dem Hinterteil, da ihre Füße sie nicht mehr tragen. Im Fachjargon nennt man diese Haltung "trauern". Nach 24 Wochen haben die Schweine mit über 100 Kilogramm ihr Schlachtgewicht erreicht und werden zum Schlachthof gekarrt. Dieser liegt oft hunderte Kilometer weit entfernt, oft im Ausland, wo das Schlachten billiger ist. Die Transporte dauern meist mehrere Tage. Die Schweine stehen im Transporter eng zusammengepfercht und erhalten unterwegs weder Futter noch Wasser. Die "Ausfallrate" durch Stress (Herzinfarkt) ist einkalkuliert. Mastschweine - Monotonie bis zum Schlachttag Mastschweine werden in Gruppenbuchten gehalten, meist auf Vollspaltenböden ohne Stroh. Typisch sind dabei die hohen Belegdichten. Nach der bis jetzt gültigen Schweinehaltungsverordnung hat ein bis 110 Kilogramm schweres Schwein gerade einmal 0,65 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Die Tiere haben in diesen Buchten keinerlei Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten, können weder wühlen noch die Umgebung erkunden. Unter natürlichen Bedingungen verbringen Schweine einen großen Teil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche. Bei den Mastschweinen erfolgt eine jeweils wenige Minuten dauernde Abfütterung mit hochkonzentriertem Spezialmastfutter. Durch die chronische Langeweile, die monotone Mastfütterung und durch viel zu kurze Säugezeiten kommt es zu den bereits erwähnten Hospitalismusschäden: Stereotype Bewegungsabläufe und das gegenseitige "Befressen" der Schwänze und Ohren der benachbarten Leidensgenossen sind die Regel. Man versucht zwar die Tiere auf die tierfeindlichen Lebensumstände und -räume zurecht zu stutzen, aber Maßnahmen wie Schwänze und Zähne abkneifen, Verdunkeln der Ställe oder der Einsatz von Psychopharmaka kaschieren das massenhafte Leiden der sensiblen Tiere nur oberflächlich.
Nach etwa 160 bis 180 Lebenstagen ist ein Mastschwein mit 110 Kilogramm schlachtreif und wird auf seine letzte Reise geschickt. Die meisten Schweine sehen anlässlich ihres Todestransportes zum Schlachtort zum ersten und zum letzten Mal das Tageslicht. Laut Bundesverband der Tierversuchsgegner sterben pro Jahr über eine Million Schweine schon während der Mast, etwa 500.000 weitere fallen dem Stress und der Todesangst während des Transportes zum Opfer. Innerhalb der EU werden Schweine über lange Strecken hin- und hertransportiert, um die Kosten für ihre "Produktion" zu minimieren. Ferkel karrt man z. B. von Holland nach Spanien, wo die Schweinemast billiger ist und weniger strengen Umweltauflagen unterliegt als in einigen anderen Ländern, die mittlerweile die enormen ökologischen Schäden durch die in großer Menge anfallende Gülle fürchten. Vom Mastort wiederum geht es zum Schlachtort, der z. B. in Italien liegt, denn dann kann der Schinken als teuerer Parma-Schinken vermarktet werden. Ein hoher Prozentsatz der Schweine überlebt den Stress dieser Transporte trotz medikamentöser "Vorbehandlung" mit Tranquillizern und Betablockern nicht und stirbt im Transportwagen an Herzinfarkt. In der vorherrschenden Intensivhaltung wird Schweinefleisch durch die Verfütterung von Medikamenten, "Leistungsförderern" sowie von Tiermehl oder gentechnisch veränderten Futtermitteln endgültig zum Gesundheitsrisiko für den Verbraucher. Die Tiere sind jedoch auf Grund der Haltungsbedingungen gesundheitlich weniger robust, was wiederum zum erhöhten Medikamenteneinsatz führt. Vor allem die vielen antibiotischen Leistungsförderer sind inzwischen mit Rücksicht auf die Gesundheit der Verbraucher verboten worden, da diese die Entwicklung resistenter Krankheitserreger fördern und andere massive Gesundheitsschäden oder gar Erbgutveränderungen auslösen können. Derzeit werden noch drei antibiotische Leistungsförderer in der Mast und Ferkelaufzucht legal eingesetzt. In Schweden sind Leistungsförderer bereits seit 1986 ganz verboten. Nach dem jüngsten Tierschutz-Bericht der Bundesregierung sind in über 10 Prozent der Schweinehaltungsbetrieben in Deutschland Verstöße gegen das Tierschutz-Gesetz festgestellt worden. Diese Verstöße sind ein sicheres Zeichen, dass in der vorherrschenden industriellen Schweinehaltung eine "tiergerechte Haltung und Betreuung" prinzipiell nicht möglich ist. Auch der vorgelegte Entwurf für eine neue Schweinehaltungsverordnung reicht nicht aus, um diese Mängel zu beseitigen, denn ausschließlicher Zweck dieser Anlagen ist es, möglichst viel Fleisch in kürzester Zeit und so billig wie möglich auf den Markt zu werfen. Nicht das Wohlsein des Tieres zählt, sondern der schnelle Profit. Vorgeschlagene Verbesserungen in der EU: Innerhalb der EU existieren beträchtliche Unterschiede in der Schweinehaltung. Daher plant die Europäische Kommission bis zum Jahr 2012 eine einheitliche Schweinehaltungsverordnung mit " tierschutzgerechten Verbesserungen". Schweine sollen sich frei bewegen und "verschiedene Stellungen" einnehmen können. Sie sollen verschiedene Bereiche für die Nahrungsaufnahme, Liegen, Kot- und Harnabsetzen zur Verfügung haben. Darüber hinaus sollen sie in Gruppen gehalten werden. Die Spaltböden, die in der Regel zu schweren Verletzungen an den Klauen führen, sollen durch wärmegedämmte Einstreuböden ersetzt werden. Außerdem soll "Beschäftigungsmaterial" wie Holz oder dicke Seile zur Verfügung gestellt werden; das Abkneifen der Schwänze und Zähne soll vermieden werden. Die Kastration soll nur noch mit geeigneten Instrumenten und unter Anästhesie erfolgen. Ein Entwurf der Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast geht über die diskutierten EU-Richtlinienen deutlich hinaus. Er fordert eine Mindestfläche pro ausgewachsenem Tier von 1,10 Quadratmeter, Gruppenhaltung der schwangeren Muttertiere (70 bis 80 Tage) mit einer Grundfläche von 1,5 bis 2,05 Quadratmeter pro Tier, eine bessere Beleuchtung für 8 Stunden pro Tag sowie eine Vorrichtung zum Abkühlen (Schweine-Dusche) bei hohen Stalltemperaturen. Aber selbst dieser Entwurf weist eine Vielzahl von gravierender Mängel auf und kommt mehr den Wünschen der Agrarlobby als den Bedürfnissen der betroffenen Tieren entgegen.
Trotzdem ist dieser Entwurf auf massiven Widerstand des Deutschen Bauernverbandes, der CDU-regierten Bundesländer sowie auch einzelner Koalitionsmitglieder gestoßen, die alle mit der angeblichen Kostenbelastung der Erzeuger und der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauern innerhalb der EU argumentieren. Das traurige Fazit zur geplanten Schweinehaltungsverordnung: Wie immer – das Tier wird auf der Strecke bleiben. Auch in dem "Künast-Entwurf" werden die Tiere der Haltungsform angepasst anstatt umgekehrt. Dies bedeutet, dass entgegen der von Künast angekündigten "Agrarwende" auch weiterhin die lebensverachtenden Tierfabriken das Sagen haben. Es wird auch in Zukunft keine "glücklichen Schweine" geben. Solange in unserer "Kannibalen-Gesellschaft" die Nachfrage nach dem hellen, dem Menschenfleisch so ähnlichen Schweinefleisch den Markt und seine Mechanismen diktiert, bleibt "Schweinchen Babe" rechtloses Nutztier und manipulierbarer Wirtschaftsfaktor. Dass mit Schweinebäuchen auch so nebenbei das großes Geld gemacht wird - im Warentermingeschäft - dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Das Schwein - ein multifunktionales Versuchstier Von Mäusen, Ratten, Kaninchen weiß man, dass sie, leider in Medizin und Wissenschaft beliebte Versuchsobjekte sind und vieles von unserem fragwürdigen Fortschritt ihnen zu verdanken ist. Dass auch das Schwein bzw. kleine Ferkel als Versuchstiere zunehmend beliebter werden, ist kaum bekannt. Liest man nach, in welchen Bereichen und mit welchen Methoden mit Schweinen "wissenschaftliche" und medizinische Versuche gemacht werden, bietet sich ein Panorama kaum fassbaren Grauens. Zunächst führen Schweinezucht und -mast zu so vielen Problemen, dass für deren Eliminierung immer mehr Versuche an tierärztlichen und landwirtschaftlichen Institutionen unternommen werden. In der Reproduktionsmedizin zur "Optimierung der Schweinezucht" werden Versuche unternommen, bei den Sauen Hormone und andere Substanzen durch schmerzhafte Verweilkatheder zugeführt werden, anschließend diese wiederum durch schmerzhafte Blutentnahmen untersucht, durch Bauchoperationen am Fortpflanzungsapparat die Effekte dieser Substanzen untersucht oder auch nur die Leistungsfähigkeit der Messgeräte zu deren Optimierung überprüft werden. Zahlreich sind die Versuche, die Futtermittel, Medikamentenzusätze, die Verträglichkeit von Ammoniak und anderen durch die Intensivhaltung entstehenden Schadstoffe in der Atemluft testen. Die Ähnlichkeit des Stoffwechsels mit dem menschlichen Stoffwechsel lässt das Schwein bei vielen Experimenten, die die Humanmedizin optimieren soll, zum "Tiermodell" für den menschlichen Patienten, zum Stellvertreter des Menschen beim Quälen im Dienste des Fortschrittes werden. Auf den Gebieten Infektions- und Impfforschung, Immunologie, Intensivmedizin, Transplantationsmedizin, Chirurgie, Anästhesie und Pharmakologie sind Schweine die beliebten Testkandidaten. Daneben sind Schweine auch die wesentlichen Lieferanten von Insulin. Wegen der Unzahl dieser Experimente kann nur ein ganz knapper Einblick geliefert werden. Genaueres bzw. Beschreibungen und Daten von Experimenten findet man unter datenbank-tierversuche.de, der auch diese Informationen entnommen sind. Schweine, oft Ferkel, werden mit Krankheitserregern infiziert, die z. B. tödliche Lungenentzündungen hervorrufen, die bis zu mehreren Wochen dauern und mit einem tagelangen Todeskampf enden. Oder es werden ihnen durch schmerzhafte Prozeduren (Verweilkatheder oder Schläuche) Bakteriengifte in die Blutbahn geleitet, die eine schwere Sepsis (Blutvergiftung) hervorrufen. Chirurgie: Innovative Operationsmethoden, neue Narkosemittel, alle möglichen Operationen am Herzen und anderen inneren Organen werden im Hinblick auf Komplikationen an Schweinen getestet. Gesunden Schweinen werden z. B. Nieren transplantiert, um die Abstoßungsreaktionen und die Wirkung von Immunsuppressiva zu untersuchen. Bei folgendem Versuch wurde anscheinend nur der den Menschen so sehr zugesprochene Erkenntnisdrang junger Zoologen befriedigt: Für die Untersuchung werden 6 Frischlinge im Alter von 7 Wochen und 2 tragende Bachen vom staatlichen Forstamt "Saupark Springe" zur Verfügung gestellt. Die Bachen wurden mit der Videokamera überwacht, um Anzeichen der Geburt sofort zu erkennen. Die neugeborenen Frischlinge können sofort von der Mutter entfernt werden, ohne vorher Kolostrum (die antikörperhaltige Muttermilch der ersten Tage) aufgenommen zu haben. 12 der neugeborenen Wild- und Hausschweine werden unmittelbar nach der Geburt, die anderen im Alter von 7 Wochen bzw. 5 Monaten durch Entbluten nach Elektrobetäubung getötet. Der Magen-Darm-Trakt wird auf Unterschiede der verschiedenen Schweinegruppen hin untersucht. Schweine als Ersatzteillager - die Xenotransplantation "Transgene" Schweine werden im Auftrag des Pharma-Riesen NOVARTIS u. a. in England gezüchtet. Das "Hausschwein" ist seit einigen Jahren das Tier der ersten Wahl, um gentechnisch verändert - d.h. mit einem Human-Gen versehen - in Zukunft als Ersatzteillager für Spenderorgane (Nieren, Herzen, Herzklappen, Lebern….) gezüchtet zu werden. Genügsamkeit in der Aufzucht, gute Reproduktionsfähigkeit, Ähnlichkeit des Stoffwechsels mit dem menschlichen Stoffwechsel sind die Argumente hierfür. Dies ist nicht nur gefährlich (sog. "schlafende Viren"), sondern auch medizintechnisch überholt, da die Stammzellenforschung oder die Entwicklung künstlicher Organe ganz andere Perspektiven eröffnen. Doch die Experimentierfreudigkeit der Wissenschaftler lässt sich hier wohl nicht gern bremsen. Und ein Konzern wie NOVARTIS möchte seine Schweinefarmen sicher nicht als Investitionsruinen sehen. Tierquälerisch ist nicht so sehr der Umstand, dass die Schweine "transgen" sind, d. h. ein artfremdes, in diesem Fall menschliches Gen besitzen, das die bessere Verträglichkeit seiner Spenderorgane für die Organempfänger gewährleisten soll. Es ist vielmehr die "Herstellung" der transgenen Schweine, bei der die eispendenden und tragenden Sauen gequält werden und eine Unzahl von ihnen "verbraucht" werden. Zudem werden als "Grundlagenforschung" für die anvisierte Xenotransplantation auf den Menschen Schweineorgane in neugeborene Ziegen und Affen transplantiert, um die Abstoßungsreaktionen zu studieren. Kaum geboren, sterben diese Tiere unter unvorstellbaren Qualen. Zynischerweise werden bei ethischen Bedenken vor allem menschliche Berührungsängste gegenüber dem "schmutzigen", "unreinen" Tier Schwein diskutiert. Doch siehe - selbst islamische Geistliche, bei denen das Schwein als Nahrungsspender hochgradig tabuisiert ist, haben gegen das Schwein als Organspender keine Bedenken. (vgl. C. Hammer, Tierorgane als Transplantate für den Menschen: C. Hammer, J. Meyer [Hrsg.], Tierversuche im Dienste der Medizin. Pabst Science Publishers Lengerich, Berlin, Riga, Scottsdale AZ [USA], Wien, Zagreb 1995; S. 158) Wildschweinjagd Früher wurde das Wildschwein in ganz Europa stark bejagt. Heute wird die Wildschweinjagd vornehmlich in Mittel- und Osteuropa ausgeübt, wo vergleichsweise große Bestände vorhanden sind - teils als Jagdvergnügen, teils weil Wildschweine als Schädlinge bzw. Bedrohung gelten, wenn sie in landwirtschaftliche Flächen oder Wohngebiete "einbrechen". Aus den gleichen Gründen gilt auch bei uns die Bejagung als "notwendig" und das fröhliche "Halali" als eine gelungene Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen. Es heißt, ihr Bestand müsse kontrolliert werden, da sie sonst die Landwirtschaft schädigen oder sogar Menschen anfallen; also werden sie großzügig bejagt. Zudem gehören diese imposanten Tiere nicht wie Rehe zu den "Niedlich-Tieren"; folglich ist auch der Rechtfertigungsdruck seitens der Jägerlobby gering. Im Jagdjargon sind Wildschweine "Schwarzwild" und als solche auch beliebte Lieferanten von Wildfleisch. Im Jagdjahr 2000/2001 wurden in Deutschland 350.976 Wildschweine geschossen, im folgenden Jagdjahr 531.887 Tiere, also über ein Drittel mehr. Da Wildschweine sehr große und robuste Tiere sind, werden sie durch einen Schuss oft nicht sofort getötet, sondern laufen schwer verletzt noch sehr lange, oft tagelang herum und sterben schließlich qualvoll. Bei der Nachsuche der Jäger werden abgerichtete Hunde eingesetzt, die - wenn das verwundete Tier "gestellt" ist - auch noch die letzten Augenblicke seines Lebens zur Hölle machen. Schweine als Schädlinge Als Schädlinge werden Wildschweine und verwilderte "Hausschweine" bejagt und bekämpft. Beispiel Uruguay, wo 1930 Wildschweine von einem Hobby-Jäger eingeführt wurden. Sie haben sich dann zum Teil mit "Hausschweinen" gepaart. Die nachgeborenen Halbwildschweine bedrohen nun angeblich die Rinder und Schafe der Viehzüchter, töten und essen sie, und wurden deshalb 1982 zum "nationalen Schädling" erklärt. (aus: Südwest Fernsehen, 20.05.03, "Tierische Invasoren - Von Feuerameisen und Wildschweinen"). Weltweit (d. h. überall, wo es Wildschweine gibt, die mit menschlichen Interessen in Konflikt geraten) wird die Wildschweinjagd als Mittel zur "Bestandsregulierung" für notwendig erklärt. Die Medien betreiben dafür eifrig Sympathiewerbung. In einigen ökologisch besonders sensiblen Regionen der Welt - wie den Galapagos-Inseln, Hawaii und Madagaskar - sind die von den Menschen eingeführten und inzwischen verwilderten "Hausschweine" tatsächlich zu einer Bedrohung für die einheimische Fauna und Flora geworden. Öko-Schäden Nicht nur in den Regionen, in denen Schweine gemästet werden, stellt die Schweinezucht eine massive ökologische Belastung und Bedrohung dar, sondern weltweit. In Thailand wurde ein Großteil des Regenwaldes zugunsten von Tapioka-Monokulturen gerodet, die Mastfutter liefern. In Brasilien wird zunehmend Soja angebaut; auch hierfür wurden und werden Regenwälder gerodet. Jetzt ist sogar das Pantanal, das als größtes zusammenhängendes Feuchtgebiet der Erde größer ist als Griechenland, von den Begehrlichkeiten der "Soja-Industrie" bedroht. Man muss befürchten, dass die brasilianische Regierung der "Agrar-Mafia" entgegenkommt. Weitere Informationen hierzu: http://www.regenwald.org Kultur und Schweine Das Schwein ist Nutztier, Wirtschaftsfaktor, Versuchstier, Organbank, Maskottchen, originelles Haustier und muss zugleich als übelstes Schimpfwort für das am meisten geächtete menschliche Fehlverhalten dienen: Kinderschänder, Mörder und Vergewaltiger, Nazi- und andere -Verbrecher und Diktatoren sind "Schweine", verhalten sich "säuisch". Selbst in sonst recht guten, sozialkritischen Kriminalfilmen stellen die guten Ermittler immer wieder fest, dass der Täter "ein Schwein" gewesen sein muss. Diese "faschistoide Semantik" (vgl. George Tabori, Protest einer ewig jungen Sau, abgedruckt in "Tierrechte" Nr. 14, Dezember 2000, übersetzt von Ursula Grützmacher-Tabori) liegt tief in der christlich-abendländischen Kultur begründet. Das Schwein wird in unserer Kultur zu einer Metapher für die sinnliche, triebhafte Seite des Menschen, die im Prozess der Zivilisation zunehmend verpönt ist: In Homers Odyssee werden die Gefährten des Odysseus von der Liebesgöttin Kirke in Schweine verwandelt. (vgl. Homer, Odysse)
Horkheimer/Adorno kommentieren dies: Die Gefährten des Odysseus werden nicht
wie frühere Gäste zu heiligen Geschöpfen der Wildnis, sondern zu unreinen Haustieren,
den Schweinen. Vielleicht spielt in der Geschichte der Kirke das Gedächtnis an den Kult
der Demeter hinein, dem das Schwein heilig war.
Das Schwein wird zum unreinen Tier schlechthin und zum strengsten Nahrungstabu im Islam und Judentum; es ist "das sexuelle Tier" in einer Kultur, die triebhafte Sexualität verpönt. So reitet z. B. in Goethes "Faust" die Oberhexe Baubo in der Walpurgisnacht auf einem Schwein. In einer bekannten Operette singt der Protagonist, der offenbar auf diesen Sachverhalt in schmieriger Frivolität anspielt: "Denn schon von Kindesbeinen - beschäftigt' ich mich mit Schweinen. Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck." In George Orwells Klassiker "Animal Farm" stehen die Schweine für eine korrupte Herrscherklasse. Bei George Grosz wird ein dekadenter Bourgeois mit Schweinekopf dargestellt. Und Martin Luther, als Begründer der deutschen Schimpfkultur betitulierte seinen Intimfeind als "die Papstsau". Fazit
Das Schwein, unser naher Verwandter, hat niemals "Schwein gehabt" seit seiner Domestizierung durch den Menschen. Sein kurzes Dasein bestand und besteht seither aus Dreck, Gestank, Stress, Monotonie, Schmerz und endet schließlich mit einem gewaltsamen, verfrühten Tod. Der Rückgriff auf das Schimpfwort "Schwein" sei gestattet - und nur deshalb, weil dieser von uns Menschen "besudelte Begriff" sich geradezu aufdrängt und an dieser Stelle einmal zu Gunsten der Schweine verwendet werden soll - und damit abschließend die Frage gestellt wird, wer wohl die "wahren Schweine" dieser Welt sind: die Schweine oder die Menschen. Die Antwort mag sich jeder selbst geben! Damit ist eigentlich alles gesagt! A.K.T.E. - Redaktion / Franziska Ute Gerhardt Zwecks Komplettierung und Aktualisierung dieses Artikels sind wir für Mitteilungen neuer Fakten dankbar. |
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