Über Attitüden, "Plattitüden" und Selbstverständlichkeiten Liebe Leser/innen, dass sich Tierrechtler/innen gegenseitig das Leben zuweilen schwer machen, ist hinreichend bekannt. Diese szenespezifische Attitüde wird jedoch leider mehr und mehr zu einer unerträglichen "Plattitüde". Selbstverständlichkeiten bedürfen immer längerer Erklärungen, und bei der Suche nach einem Angriffspunkt zwecks kritischer Stellungnahme - man/frau will eben zeigen, dass man/frau auch etwas zu sagen hat - wird jedes Wort mittlerweile auf die bekannte Goldwaage gelegt. Man/frau wägt ab, nicht selten mit dem Resultat eines Abgesanges auf die Vernunft. Wenn diese Art der Diskussion und Kommunikation seitens der ignoranten Fraßgesellschaft erfolgt, lässt sich zumindest das Motiv noch erkennen. Es steckt sogar noch Logik dahinter: Diskreditierung unserer Ziele oder Diskreditierung von Personen, die sich für diese Ziele einsetzen. Damit muss man leben können; das ist "politisches Tagesgeschäft". Wird dies aber zur Praxis innerhalb der Szene, ist es doch schon sehr bedenklich. Für die erstgenannten "Artikulierer" ist jede Erwiderung vergeudete Zeit, weshalb mich das cerebrale Desaster und die publizierten Plattitüden in anti-veganen Foren auch kalt lassen. So etwas ist höchstens geeignet zur therapeutischen Gemütsaufhellung. Man sollte sich von Zeit zu Zeit auch einmal einen Spaß gönnen. Die Welt wäre sonst zu trostlos. Wenn jedoch die "Artikulierer" aus den eigenen Reihen kommen, sind einige Gedanken dann doch angebracht. Über den Artikel "Kampf gegen Windmühlen und Endsieg" wurde erwartungsgemäß kontrovers diskutiert. Genau dies war auch beabsichtigt durch einige provokative Formulierungen und Gedankengänge. Allein die Reizworte "Endsieg" und "schlitz- und mandeläugige Massen" haben das Blut von einigen Tierrechtlern/innen und anderen Zeitgenossen/innen in Wallung gebracht. Wenn die Aufwallungen auch noch zu einem vertiefenden Nachdenken über den gesamten Artikel geführt haben, dann war das gestellte Ziel erreicht, denn mit diesem Anstoß wollte ich bezwecken, dass man/frau sich über 1. die Aussichtslosigkeit unserer Bemühungen in der globalen Perspektive, 2. über die strategische Einbeziehung der apokalyptischen ökologischen Auswirkungen einer Ernährung mit Tierprodukten und eines Missbrauches von natürlichen Ressourcen, und 3. über die Frage der Anwendung von Gewalt für unsere Ziele Gedanken macht, weil es sich dabei um ausgesprochene "Tabu-Themen" handelt, die in TR-Diskussionen mit diplomatischer Akribie vermieden werden, als handele es sich um die Büchse der Pandora, die man besser nicht öffnet. Problematische Fragestellungen werden aber durch eine Tabuisierung nicht gelöst. Kommen wir aber auf die "Plattitüden" zu sprechen: Es handelt sich keineswegs um unbegründete Thesen, wenn ich das Menetekel der wachsenden asiatischen Nachfrage nach Fleisch beschreibe und auf die globalen Auswirkungen einer Erdölverknappung durch die zunehmende Mobilisierung im asiatischen Raum hinweise. Beide Entwicklungen sind eng miteinander verknüpft. Chinas Durst nach Öl hat bereits zu einem deutlichen Nachfrageüberhang geführt. Krieg für Öl - ein Horror-Szenario? Es dürfte doch einleuchtend sein, dass Mister Bush nicht zum Colt gegriffen hatte wegen einer Bedrohung der USA durch die bescheidenen Restbestände von Saddam’s Massenvernichtungswaffen, die zuvor von den USA geliefert wurden zwecks Einsatz gegen den eigenen Erzfeind Iran. (Khomeni hatte die Ölwirtschaft verstaatlicht und die US-amerikanischen Ölgesellschaften kurzerhand vor die Tür gesetzt.) Bush wollte auch nicht die Wüstengebiete des Irak in blühende Landschaften verwandeln, weil ihm das Wohl des irakischen Volkes am Herzen liegt, oder weil ihn die schier unbegrenzte Parkmöglichkeit für US-amerikanische Straßenkreuzer dermaßen fasziniert hatte, dass er sein Land in einen äußerst kostspieligen Krieg führte. Der wahre Grund: Öl! Und warum wird eine karge Provinz im Sudan systematisch entvölkert? Einfach: Unter der Steppe von Dafour schlummert Öl. Der Kampf um das "schwarze Gold" ist längst keine Fiktion mehr; er hat leider bereits begonnen. Auch die übrigen "Damokles-Schwerter", sind real: Turbulenzen an den Finanzmärkten (oder schon die Asien-Krise und den Argentinien-Kollaps vergessen?), immense Staatsverschuldung und Probleme der Gesundheitssysteme (Eichel Null / Harz Vier lassen grüßen), Seuchen wie SARS, Hühnergrippe, HIV und die rasante Zunahme von Tuberkulose. Und dass der Mensch sich zu einem friedfertigen Tier verwandelt hat ... daran glaube ich schon lange nicht mehr. Nationale Staaten sind wie Raubtiere. Wie schrieb doch Friedrich Nietzsche so wahr im "Zarathustra": "Die Staaten sind die kältesten aller Ungeheuer." Soviel zu den unbegründeten Thesen! Kommen wir zu den "schlitz- und mandeläugigen Massen" und dem Vorwurf Rassismus. Hier wurde mit der oben erwähnte Goldwaage zwecks kritischer Stellungnahme gearbeitet. Ich finde dies geradezu erheiternd, fast schon so erheiternd wie die cerebralen Katastrophen in den ebenfalls oben erwähnten anti-veganen Foren. Für mich hat die Formulierung "schlitz- und mandeläugigen Massen" absolut keine rassistische Bedeutung. Chinesen haben nun einmal "Schlitzaugen", und andere asiatische Volksgruppen "Mandelaugen". Und weder Chinesen noch Laoten oder Thais oder Inder fühlen sich gekränkt durch diese Wortwahl. Glauben sie mir, ich kenne mich aus! Aber wenn Sie meinen, ich wäre ein Rassist und hätte für die "schlitz- und mandeläugige Masse" nichts übrig … meinetwegen! (Für diese Herrschaften, die das tatsächlich glauben wollen … einmal nebenbei bemerkt: Ich bin seit über 25 Jahren mit einer Asiatin verheiratet, ich habe eine Vielzahl asiatischer Länder bereist, ich lebte einen nicht unbeträchtlichen Teil meines bisherigen Lebens in Asien, das zu meiner zweiten Heimat wurde, ich besitze dort ein eigenes Haus, ich habe viele asiatische Freunde (meist ehemalige Geschäftspartner und Sportkameraden), ich spreche eine asiatische Sprache fließend, unterstütze seit fast 20 Jahren kleinere karitative Projekte vor Ort und liebe asiatische Kultur und Philosophie. Übrigens: Meine asiatischen "schlitz- und mandeläugigen" Freunde nennen mich liebevoll "Püak". Das bedeutet sinngemäß Kartoffelknolle. Es sind natürlich alles furchtbare Rassisten!! Mit der gleichen Nonchalance wird ein Tierrechtler auch flugs zum Anti-Semiten abgestempelt - wenn er nur die Peta-Kampagne "Holocaust auf Ihrem Teller" befürwortet. (Mein Gott ... welcher ? ... wenn ich an meine Texte auf der CD "Fraßkultur" denke! Hoffentlich kommt "Fraßkultur" nicht als anti-semitisches Machwerk auf den Index!) Oder er wird als Speziesist verschrien, wenn er sich gar erlaubt, bestimmte vegane Positionen öffentlich zu überdenken. Selbstverständlich wird auch jedes Interesse an Religion - und sei es auch rein philosophischer Natur - zum ewigen Makel erklärt. Dass dies nicht nur mir so ergeht, sondern auch anderen Tierrechtlern/innen (z.B. den Mitarbeitern/innen von Vegan-Foren. org) ist immerhin tröstlich, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Letztendlich zur Gewaltfrage und zu den Selbstverständlichkeiten: Es sollte doch selbstredend sein, dass Tierrechtler/innen immer nur das absolute Minimum an "Gewalt" einsetzen werden, um Leidverursachung auch beim Menschen zu minimieren. Einfach deshalb, weil ein Tierrechtler/in auch gleichzeitig ein Menschenrechtler/in ist. Es sei denn, dass für ihn/sie ein essentieller Unterschied zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren existieren würde. Dann aber würde er/sie Unterschiede machen, die in einer Sackgasse enden! Es gibt Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Personen und andere Spielarten von Gewalt. In der Praxis wird heute schon Gewalt gegen Sachen angewendet: illegale Tierbefreiungen zum Beispiel, das illegale Eindringen zwecks Dokumentation in Tierversuchseinrichtungen, illegale Sitzblockaden, illegale Jagdstörungen und vieles mehr. Aber für viele Tierrechtler/innen ist heute auch der gezielte Einsatz von Gewalt gegen Personen zur Selbstverständlichkeit geworden. Wenn geltendes Recht zum Beispiel in einem Fall von massiver Tierquälerei missachtet wird, und ein "übergesetzlicher Notstand" vorliegt; wenn es also um die Frage geht, dem Tierquäler noch vor Eintreffen der Polizei in die Arme zu fallen, um Schaden an Leib und Leben eines wehrlosen Tieres zu verhindern. Aber auch hier wird ein Tierrechtler/in immer nur das Minimum an "Gewalt" einsetzen, um sein Ziel zu erreichen. Und letztendlich gibt es "geistige Gewalt". Dabei handelt es sich nicht um Sprengsätze, mit denen etwas in die Luft gesprengt werden könnte. Es handelt sich dabei um geistige Sprengsätze, die einen evolutionären Wandel herbeiführen können. Verbale Gewalt! Wir wissen, dass in Krisenzeiten, in Zeiten der Eskalation die Gewaltbereitschaft zunimmt. Wir steuern auf etliche Krisen zu. Und viele dieser Krisen sind das Resultat des anthropozentrischen Dogmatismus. Die Frage nach der Legitimation der Anwendung von Gewalt ... auch der ethischen Legitimation ... wird anders bewertet werden, wenn es einmal um das eigene Wohlsein, das eigene Überleben gehen wird. Hoffen wir, dass wir es trotz aller negativer Vorzeichen noch verhindern können! Seien Sie gegrüßt und umarmt A.K.T.E.- Redaktion / Stefan Bernhard Eck / 18.08.2004 Im Übrigen meine ich, dass Fleischessen und wahre Menschlichkeit sich nicht vertragen. |
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