Lippenbekenntnisse Liebe Leser/innen, vor einigen Tagen sah ich im Fernsehen wieder einmal eine erschütternde Reportage über die tierquälerischen Haltungsbedingungen von so genannten Mastkaninchen. Das unbeschreibliche Elend verfolgte mich tage- und nächtelang, vielleicht deshalb, weil ich mein Zuhause seit Jahren mit Langohren teile, und ihr Anblick jedes Mal meine Erinnerung an diese grauenvollen Bilder erneut wachgerufen hatte. Kaninchen mit eiternden Wunden, verstümmelte Ohren durch Kannibalismus, Kaninchen mit verkrümmten Wirbelsäulen, aufgelegene, wunde Läufe, unbeschreibliche Enge, tote Kaninchenbabys, die durch den Gitterrost gefallen waren, verzweifelte Kaninchenmütter, die an den Gitterstäben nagten, große, traurige Augen ... In der Reportage wurde auch erwähnt, dass man Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast gebeten hatte, zu diesem Thema Stellung zu beziehen, dass aber seitens der Ministerin eine Aussage zur Mastkaninchenhaltung abgelehnt wurde. Lieber wolle sie etwas zur Hennenhaltungs- oder Schweinehaltungsverordnung sagen. Die "Schublade Mastkaninchen" in meinem Hirn war jedenfalls wieder weit offen, und nagender Zorn und tiefe Resignation stiegen in mir brennend hoch. Ich dachte an die vielen vergeblichen Aktionen und Petitionen, die Tierschützer und Tierrechtler in der Vergangenheit unternommen hatten, um diese Tierquälerei anzuprangern, um eine längst überfällige gesetzliche Neuregelung zur Mastkaninchenhaltung zu bewirken. Ich dachte an die Kommentare von Amts-Veterinäre, die klipp und klar die Lebensbedingungen der Mastkaninchen als nicht artgerecht und tierquälerisch bezeichnen, ich dachte an die Farce unseres Tierschutzgesetzes, ein Gesetz, das anscheinend nur auf dem Papier steht, um dieser Republik ein ruhiges Gewissen zu verschaffen, ich dachte an das bloße Lippenbekenntnis "Tierschutz im Grundgesetz" im Wahljahr.
Und ich dachte an ein Gespräch, das ich mit Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast bei einer Wahlkampfveranstaltung in Saarbrücken geführt hatte, in welchem ich auf die zwingende und logische Konsequenz aufmerksam gemacht hatte, die sich aus der angestrebten Hennenhaltungsverordnung im Hinblick auf die Notwendigkeit einer nach Tierschutzaspekten ausgerichteten Kaninchenhaltungsverordnung ergibt. Damals - vor der Wahl - versprach mir die Verbraucherschutz-Ministerin Künast, definitiv dieses Thema auf ihre Prioritätsliste zu setzen, zu einem ihrer nächsten Ziele für die kommende Legislaturperiode zu erklären. Aber vor der Wahl ist nicht nach der Wahl! Warum unternimmt Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast nichts, warum unternehmen die Damen und Herren Parlamentarier nichts, warum unternehmen die Länderregierungen mittels einer Bundesratsinitiative nichts, warum unternehmen die Amts-Veterinäre nichts? Aus Vergesslichkeit, aus schierer Ignoranz, oder vielleicht, weil sie der Agrar-Lobby hörig sind? Mit Verlaub: Die Lippenbekenntnisse der "ehrenwerten" Minister/innen, Parlamentarier/innen und Veterinäre/innen kotzen mich an! Seien Sie gegrüßt A.K.T.E.- Redaktion / Stefan Bernhard Eck Im Übrigen meine ich, dass Fleischessen und wahre Menschlichkeit sich nicht vertragen. |
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