Nur ein Staubkorn in der Unendlichkeit der Zeit Liebe Leser/innen, wer denkt schon über Zeiträume nach, die viel, viel weiter in die Vergangenheit reichen oder viel, viel weiter in der Zukunft liegen? Natürlich von Berufs wegen Paläontologen und Kosmologen und vielleicht ein paar Philosophen, aber doch nicht wir. Wozu auch? Leben wir nicht im Hier und Jetzt? Wen interessiert die ferne Zukunft oder die graue Vorzeit denn schon? Bringt dieses Wissen etwa einen Vorteil für unser Leben? So oder ähnlich werden manche Menschen wohl sagen. Lassen Sie diese Menschen nur reden. Begleiten Sie mich doch auf einer Reise durch die Zeit. Vielleicht wird diese Zeitreise zu einem veränderten Selbstverständnis führen, vielleicht zu einem veränderten Weltbild, vielleicht werden Sie bescheidener, vielleicht etwas gelassener. Wir komprimieren die Zeit, die seit dem Urknall vor rund 15 Milliarden Jahren bis zum heutigen Tage vergangen ist auf ein Jahr, also vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Eine Sekunde entspräche dann ungefähr 500 Jahren. Es ist jetzt - in diesem Augenblick - genau Mitternacht des ausklingenden 31. Dezembers.
Der Urknall findet am 1. Januar um 0.00 Uhr und ein paar Nanosekunden vor genau 12 Monaten statt. Volle Deckung! Bumm! Nein, natürlich war kein "Bumm" zu hören, denn es gab ja kein Medium, das Schallwellen übertragen hätte. Aber trotzdem, auch ohne ohrenbetäubenden Knall ist es ein grandioses Schauspiel! Riesige Energiemassen breiten sich schlagartig mit unvorstellbarer Geschwindigkeit aus und mit ihnen der Raum, der - so verrückt das auch klingen mag - wahrscheinlich vorher nicht existierte. Nach etwa 11 Minuten klumpen sich ersten Materieteilchen zusammen. Die Energie gefriert jetzt zu Materie. Am 19. Januar ist die kosmische Ursuppe soweit abgekühlt, dass nach und nach Galaxien und Gravitationsschwerpunkte - man nennt sie auch schwarze Löcher - in ihren Zentren entstehen. Das auseinanderdriftende Universum hat zu diesem Zeitpunkt schon Ausmaße erreicht, die unser Vorstellungsvermögen weit überschreiten. Am 28. Januar schickt die älteste, heute bekannte Galaxie ihr Licht auf den langen Weg zur Erde, die zu diesem Zeitpunkt jedoch noch gar nicht existiert. Gegen Ende des Monats März läuft die Sternenentstehung richtig auf Hochtouren. Von nun an donnert und blitzt es da draußen gewaltig, wenn sich Galaxien in die Quere kommen und gegenseitig durchdringen oder kurzerhand auffressen. Aber mit den Wochen und Monaten wird es ruhiger im Universum, zumal es sich noch immer nach allen Seiten ausdehnt. Der 9. September ist ein großer Tag für uns. Es ist endlich soweit, denn an diesem Tag entstehen unsere Sonne und kurz darauf unsere junge Erde. Natürlich bilden sich auch die übrigen Planeten in unserem Sonnensystem an diesem Tag. Sonne und Planeten bilden sich aus dem Staub und der Asche einer uns unbekannten Sonne, die zuvor ihr Leben in einer Explosion ausgehaucht hatte. Phönix aus der Asche. Schon am 28. September tummeln sich wunderschöne Blaualgen als erste Lebensformen in den irdischen Ozeanen. Ihr friedliches Algendasein wird erst in der zweiten Dezemberwoche gestört, denn zwischen dem 16. und 19. Tag dieses letzten Monats in unserem kosmischen Jahr betreten die ersten winzigen Ur-Tierchen und Ur-Pflänzchen die Bühne des Lebens. Aber bis Weihnachten haben sich auch Wälder, Fische und Reptilien schon entwickelt. Nach und nach nehmen nun riesige Kaltblüter das Land in Besitz. Am 25. Dezember kommen endlich die ersten Säugetiere zum Vorschein, unsere rattenähnliche Ur-Ur-Ur-Urvorfahren, die unter der Vorherrschaft der Riesenechsen nichts zu Lachen haben. Aber am 28. Dezember beschert uns ein großer Komet endlich das Ende der Dinosaurier-Diktatur. Nachdem sich der Rauch verzogen hat, können endlich wir Säugetiere unseren Siegeszug antreten. Geradezu paradiesische Zustände, ein Garten Eden. Aber um die Mittagszeit am 31. Dezember geschieht wieder eine große Katastrophe. Die Evolution erschafft unseren direkten Vorfahren, ein affenähnliches Tier. Vermutlich hat es nach einigen Stunden genug von seinem Leben in den Wipfeln der Bäume und klettert herab, um fortan aufrecht durch die Welt zu schreiten. Gegen 21.30 Uhr betritt Australopithecus als Urahn des modernen Menschen die Weltenbühne. Eine Seitenlinie des "Homo-Tieres", der Neanderthaler erscheint nicht einmal 5 Minuten vor Mitternacht und verschwindet vor einer Minute für immer. Der Homo sapiens sapiens kommt erst vor rund 3 Minuten zum Zuge. Buddha erleuchtet sich vor 5 Sekunden und Jesus Christus wandert vor 4 Sekunden durch Galiläa. Vor rund einer halben Sekunde beginnt das Zeitalter der Aufklärung. Mit dem zwölften Glockenschlag am 31. Dezember um 0.00 Uhr beenden wir unsere Reise in die Vergangenheit und richten unseren Blick in die andere Richtung, in die Zukunft. Nichts spricht dafür, dass wir die ersten paar Sekunden des 1. Januar dieses neuen Jahres überleben werden. Entweder wir atomisieren oder chemikalisieren uns zu Tode, oder wir zeugen uns zu Tode, und die Welt kann die Milliarden nicht mehr ernähren. Sollten wir uns aber tatsächlich ändern und unsere destruktiven Triebe doch unter Kontrolle bringen, dürfen wir friedlich bis zum 12. oder 13. Januar dieses neuen kosmischen Jahres das Leben genießen. Ab dem 14. Januar dürfte es dann aber auf der Erde so heiß sein, dass die Ozeane verdampfen, weil unsere Sonne sich zu einer gigantischen Riesin aufbläst. Dass wir aber den Beginn des ":planetarischen Barbecue's": als Rasse noch erleben dürfen, ist eigentlich eine Illusion, denn ein vorzeitiger Suizid der Menschheit ist viel wahrscheinlicher. Eigentlich ist der Rest der Geschichte für uns nicht mehr relevant; es gibt uns nicht mehr. Aber interessant ist die Geschichte auf jeden Fall. Ende März kollidiert unsere Milchstraße mit dem Andromeda-Nebel und im April - das genaue Datum spielt ohnehin keine Rolle mehr - verleibt sich unsere sterbende Sonne das glühende Klümpchen Erde ein. Es wird also nichts bleiben von dieser Welt, nicht unsere Träume und Hoffnungen, nicht die Früchte unserer Arbeit und Anstrengungen, nicht unsere Kultur und technischen Wunderwerke, nicht einmal mehr die bloße Erinnerung an uns. Denn da ist niemand mehr, der sich unserer erinnern könnte. Es wird so sein, als hätte es uns und unsere Erde niemals gegeben. Kosmisch gesehen, wird unser Verschwinden nur eine unbedeutende Bagatelle sein; eine Nebensächlichkeit im Weltganzen mit einem Stellenwert unendlich weit hinter dem Komma. Wenn sich unser Denken von den Scheuklappen der herkömmlichen Welt- und Selbstsicht befreien kann, und wir realistisch sind, müssen wir zugeben, dass die Erde und ihre Bewohner leider nur "Nebensächlichkeiten" im Weltganzen sind. Wir sind nicht mehr als ein Staubkorn in der Unendlichkeit der Zeit und müssen uns mit dem unausweichlichen Ende wohl oder übel abfinden. Die Welt wird also untergehen und das Leben auf ihr erlöschen. Aber wir können auch etwas Positives darin erkennen, denn jeglicher Schmerz, jegliches Leid wird dann auch definitiv einmal ein Ende haben. Bis dahin aber, bis zu dem Augenblick an dem der letzte Vorhang fällt, sollten wir unsere Rolle so spielen, dass wir zumindest mit Selbstachtung und Stolz - und ohne einen schalen Geschmack im Mund - diese Bühne verlassen können. Dafür ist es meiner Meinung nach erforderlich, dass wir die elementaren Bedürfnisse unserer Mitlebewesen - menschliche und nicht-menschliche Tiere - respektieren, und die Natur als Heimstatt aller Lebewesen schützen und bewahren. Seien Sie gegrüßt A.K.T.E.- Redaktion / Stefan Bernhard Eck Im Übrigen meine ich, dass Fleischessen und wahre Menschlichkeit sich nicht vertragen. |
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