Liebe unterm Tannenbaum Liebe Leser/innen, Viele Menschen freuen sich ungeschmälert auf die jährlich wiederkehrenden Feiertage, und bevorzugt an Weihnachten, dem erklärten Fest der Liebe und Frohbotschaft, möchten sie mit ihrer Familie, lieben Freunden oder Bekannten gemeinsam ein paar Stunden verbringen ... Stunden, die in unserer rastlosen Zeit selten geworden sind, und wo der eine oder andere auch einen lange nicht getätigten Kirchgang vornimmt, weil die Kirchen schön geschmückt sind und im Lichterglanz erstrahlen. Stunden, die romantisch, besinnlich, friedlich sein sollen, wo man im Wechsel zwischen leiblichem Genuss und Muße die Seele in Eintracht mit seinen Lieben baumeln lassen möchte. Wie schön könnte Weihnachten sein, würde nicht etwas ganz anderes baumeln, damit wir uns so friedlich und glücklich fühlen können. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie sich wirklich friedlich und damit weihnachtsglücklich fühlen - ich meine so aus tiefstem Herzen heraus? Mit einem Gefühl, das keiner lauten Kundgabe und der Zutat einer dröhnenden Weihnachtsmusik bedarf, um echt zu wirken? Wo Weihnachten nicht zum Rummel der Marktschreier verkommt, die noch schnell ihre Zuckergussartikel loswerden wollen? Baumeln - damit ist nicht etwa ein schlecht verankerter Christbaum gemeint! Die Sorge darum, er könne mit all den schönen Kugeln und womöglich echten brennenden Kerzen umfallen, scheint mir doch in nicht wenigen Haushalten größer zu sein als die Sorge um die Lebewesen, deren "Baumeln am Fleischerhaken" ihnen nun, nachdem sie fein zubereitet und zerteilt auf dem Teller liegen, nicht mehr anzusehen ist. Nichts kann nunmehr den vermeintlichen Frieden an der Tafel stören. Weder das Schreien noch die Qual der schnell hoch gemästeten Tiere, die nach einem zumeist fried- und freudlosen Dasein gewaltsam ihr Leben lassen mussten, um an der Tafel der Friedensbotschaft den Bauch mit Frieden zu füllen. Ein trügerischer Frieden, nachdem die Schlachtermesser- und Beile im Akkord geschwungen worden waren, um den Fleischhunger an Weihnachten vorübergehend zu stillen. Stille Nacht - Totenstille! Das kleine, liebe Jesuskind in der Krippe, umsäumt von Ochs´ und Eselein - eine Idylle, die scharf mit der Wirklichkeit der Festtafel kontrastiert. Und doch: Kaum einem Christen oder traditionellem Weihnachts-Feierer wird die Tragik (voll) bewusst, dass zwischen der Friedensbotschaft und dem Brauchtum der Tafelfreuden ein blutiges Band der Gewalt geknüpft ist. Friede den Menschen überall?! Wie soll das gehen, wenn schon die allgegenwärtige Gewalt gegenüber den Tieren Zeugnis davon ablegt, wie wenig friedlich und frohbotschaftlich der Mensch ist. Oder glauben Sie - bei all Ihrer Intelligenz - tatsächlich, dass Ihr Braten mit all dem nichts zu tun hat? Dann möchte ich Sie auf eine weitere kleine vorweihnachtliche Entdeckungsreise mitnehmen und Ihnen - solange Sie noch nicht in die Nähe der vertrauten Bratendünste gelangt sind, denn als Mensch weiß ich um die menschlichen Schwächen, die alle guten Vorsätze ins Wanken bringen können - ein wenig darüber erzählen, welche niederschmetternde Wirkung Ihr anstehender "frohbotschaftlicher Braten" auf andere Menschen hat. Natürlich kann bei Ihnen vorausgesetzt werden, dass Sie um den Welthunger wissen. Viele Experten glauben, dieser wäre durch eine bessere Bildung der Armen zu beheben, was kurzfristig gesehen vielleicht keine schlechte Idee ist. Denn mehr Bildung bedeutet bessere Arbeitschancen, damit in der Welt des Kapitals mehr Geld, und damit wiederum die Möglichkeit, die Einkaufskörbe zu füllen. Vorausgesetzt natürlich, die Anzahl der sättigenden Arbeitsplätze nimmt ebenfalls zu, was die Wachstumsoptimisten wohl befürworten werden. Wohin wir dann allerdings wachsen ... nun, das wäre eine andere Frage. Zunächst sollten Sie sich aber darüber klar werden, dass die Welt auch heute alle Menschen ernähren könnte und es keinen Welthunger geben müsste. Derzeit sind rund 852 Millionen Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen, während es 1990 "nur" 822 Millionen Menschen waren (Quelle FAO). Das bedeutet, dass etwa jeder achte Mensch auf der Erde vom Hunger betroffen ist. Jeden Tag sterben bis zu 100.000 Menschen an Unternährung. Wenn Sie schon einmal kurzfristig echten Hunger verspürt haben, können sie sich eine entfernte Vorstellung von diesem dauerhaften Elend machen. Vielleicht haben Sie auch schon einmal davon gehört, dass das Fleischessen der reichen Nationen diesen Welthunger mit verursacht, haben das aber nicht glauben können, weil es vom Schnitzel auf Ihrem Teller bis nach Afrika und in andere Hungerzonen ja weit ist. Sie haben Ihre Fleischportion auch keinem Hungernden vom Teller gestohlen, was Sie als guter Mensch auch nie tun würden, sondern es im Fachgeschäft oder der Fleischabteilung Ihres Supermarktes erworben. Was Sie aber vielleicht noch nicht gehört haben ist, dass Ihr Stück Fleisch zu seinen Lebzeiten vorwiegend mit dem Getreide der Armen gemästet wurde. Die Masttiere verzehren fast 50 % der jährlichen Getreideernte der Welt. Fast die gesamte Sojabohnenernte, etwa 90 %, wird ebenfalls Tierfutter. Um ein Kilo Rind- oder Schweinefleisch zu erzeugen, benötigt der Viehzüchter 16 Kilo Sojabohnen. Ähnlich verhält es sich bei der Mast von Geflügel oder der Eiererzeugung. Die Welt könnte alle Menschen ernähren, wenn Bodenflächen anders als bisher genutzt werden würden. Bisher werden etwa 2/3 der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Tierhaltung und für die Erzeugung von Tierfutter gebraucht (bekanntlich verbunden mit einer enormen Verschwendung von Trinkwasser, einer Grundwasserverseuchung durch Gülle, der Abholzung von Regenwäldern etc.). Hingegen werden nur etwa 2% der weltweiten Nutzfläche zum Anbau von Obst und Gemüse verwendet. Hunger wäre ein Fremdwort, wenn die Menschen friedlich und damit auch vernünftig wären. Ich hoffe, dass das kleine, liebe Jesuskind nicht Jahr für Jahr vergeblich seine frohe Botschaft verkünden muss, und es doch einmal erhört wird ... von Menschen mit Herz für Tiere UND ihre Mitmenschen. A.K.T.E.- Redaktion / Barbara Hohensee Im Übrigen meine ich, dass Fleischessen und wahre Menschlichkeit sich nicht vertragen. |
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