SASAN Japan

Die Bilanz des Jahres 2005


Rückblick auf das Jahr 2005

Im Jahr 2005 ist so viel passiert. Ich müsste ein Buch schreiben, um alles detailliert darstellen zu können.

Einer der Höhepunkte unserer Aktivitäten war sicherlich die Publikation von "Shitai no bansan" von Dr. Helmut F. Kaplan Ende März. Dank dieses Buches wurde die Behandlung unserer Mittiere erstmals ein gesellschaftliches Thema, über das diskutiert wurde. SASA gewann durch "Shitai no bansan" eine große Zahl neuer Mitglieder, wodurch viele Aktionen erst möglich wurden. Außerdem verdanken wir diesem Buch die Kooperation mit vielen anderen asiatischen Tiergruppe und mit dem Arbeitskreis Tierrechte & Ethik - A.K.T.E., der als unser engster Verbündeter mit Kontakten zu nationalen und internationalen Tiergruppen SASA und seine Anliegen seither in Europa vertritt. So gesehen ist es Herrn Dr. Kaplan und "Shitai no bansan" zu verdanken, dass die Tierbewegungen weltweit wieder ein Stück näher zusammengerückt sind.

Von "Shitai no bansan" wurden bisher rund 4000 Exemplare verkauft. Das Buch ist weiterhin überall in den Buchhandlungen und in den Internet-Shops zu finden.

Neben vielen anderen Tierrettungen war ein besonderer Höhepunkt unserer Arbeit die Stürmung eines Pet-Shops im Sommer dieses Jahres. Die Besonderheit dabei war, dass an der Stürmung viele Anwohner aus der näheren Umgebung teilnahmen, die die gequälten, kranken und sterbenden Tiere nicht länger mitansehen wollten. Der Shop wurde insgesamt dreimal gestürmt, und dabei konnten wir viele schwerkranke Tiere retten. Unsere Aktion wurde von Asahi-TV (Terebi Asahi) und Fuji-TV (Fuji Terebi) gefilmt, so dass die Pet-Shop-Problematik erstmals in großem Umfang in die Medien kam. Aufgrund des Arbeitsumfanges hatten wir für die Aktionen im Zusammenhang mit diesem Pet-Shop, die immer noch weiter gehen, eine eigene Abteilung gegründet, deren Sonderseite unter http://sic.or.tp einzusehen ist. Die Frage, ob die Misshandlung von Tieren oder die Rettung und anschließende Pflege misshandelter Tiere ein Gesetzesbruch darstellen, wird die japanischen Juristen wohl noch einige Zeit beschäftigen.

Unter dem Motto "east meets west for a better world" fand im Spätsommer ein Treffen mit Barbara Hohensee, Dr. Helmut Kaplan und Stefan Bernhard Eck von A.K.T.E. in Deutschland und in Österreich statt, bei dem neue Strategien und Pläne für eine gemeinsame, Kontinente übergreifende Kooperation erarbeitet wurden. Unter anderem wurde dabei die Veröffentlichung einer englischsprachigen Musik-CD unter dem Arbeits-Titel "Be peaceful, be veggie, be happy!" im kommenden Jahr beschlossen, die auch in Japan vertrieben werden soll und dann dazu beitragen wird, unsere gemeinsamen Zielsetzungen hierzulande auch mit dem Medium der Musik zu verdeutlichen.

Es wurde auch viel Hilfe in letzter Sekunde geleistet: Insgesamt haben wir in diesem Jahr 223 Kaninchen, 217 Katzen, 201 Tauben, 148 Hamstern, 62 Kleinvögeln, 53 Hunden, 18 Meerschweinchen, 10 Menschen, 10 Schildkröten, 9 Eichhörnchen, 7 Frettchen, 6 Mäusen, 6 Waschbären, 5 Affen, 4 Präriehunden, 3 Igeln, 2 Krähen, einem Spatzen und einem Känguru das Leben retten können.

Alle Tiere (auch die Menschen) waren bei ihrer Rettung schwer krank, bedurften medizinischer Behandlung und längerer Pflege. Die meisten Tiere konnten genesen und an verantwortungsvolle Personen vermittelt werden; für einige Tiere kam jedoch jede Hilfe zu spät. Einige verstarben noch während des Transportes zu den Tierkliniken in unseren Armen.

In Japan sehen wir uns großen Problemen gegenüber. Hier gibt es keinen Tierschutz, geschweige denn Tierrechte. Das extrem kurze "Tierschutzgesetz" ist eine Farce. Die Polizei und Behörden interessieren sich nicht für die Not anderer.

"Wer Hilfe braucht, dem helfen wir!" - das ist unsere Devise, so dass wir nicht selten auch obdachlosen Menschen helfen müssen. Menschen- und Tierrechte, Menschen- und Tierschutz gehören sowohl in Form konkreter Hilfestellung als auch auf politischer Ebene zu unserer Arbeit.

Unsere Aufgabe ist enorm groß, dagegen die Zahl der wirklich aktiven Mitglieder sehr gering. SASA verfügt über kein Büro, kein Auto, kein eigenes Tierheim. Alle Tiere retten wir in Transportboxen oder ähnlichen Behältnissen mit dem Zug, der U-Bahn oder mit dem Taxi. Pflegebedürftige Tiere, bzw. Tiere, die noch nicht vermittelt werden konnten, leben mit uns in unseren Wohnungen, und japanische Wohnungen sind nicht gerade die größten. Viele Tiere haben hoch ansteckende Krankheiten, die sich nicht selten auch auf uns Mitglieder übertragen haben. Wir sind alle voll berufstätig, bzw. müssen voll berufstätig sein, um die Kosten unserer Arbeit, die nicht durch Spenden gedeckt werden, tragen zu können. Die Fluktuation unserer Mitglieder ist durch die ständige Konfrontation mit Leben und Tod, durch Konfrontationen mit Tierquälern, Stadtbeamten oder der Polizei sehr hoch. Das führt zu einer enormen physischen und psychischen Belastung, der auf Dauer standzuhalten, nicht immer einfach ist.

Unsere Arbeit wird im neuen Jahr weitergehen. Sie muss trotz aller Schwierigkeiten weitergehen, damit es auf dieser Welt nicht nur Menschen gibt, die Leid verursachen, sondern auch solche, die Leid vermindern. Als wir zum Beispiel  den kleinen Amaenbo aus dem Pet-Shop befreiten, war er mehr tot als lebendig; sein Fell war schmutzig und grau, und sein kleiner, ausgemergelter Körper von Hunde-Räude gezeichnet. Heute geht es Amabeno wieder gut, wie zu sehen ist. Das ist die schönste Anerkennung für unsere Arbeit. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Freunden von SASA bedanken, die uns durch Rat und Tat oder auch im Stillen unterstützt haben.

Lydia Tanabe / Sprecherin SASA Japan

www.sasajapan.org
tanabe@sasajapan.org

 

A.K.T.E. - SASA Japan - Redaktion / Lydia Tanabe / 31.12.2005


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