Deutschland einmal live
Im Rahmen des weltweiten Zusammenwachsens der vielen Menschen, die sich für ein friedvolles Zusammenleben aller Bewohner dieses Planeten einsetzen, hatte ich nach langer Zeit wieder einmal die Möglichkeit, Anfang September 2005 Deutschland zu besuchen. Die enge Kooperation von A.K.T.E. und SASA Japan seit Beginn dieses Jahres sollte durch ein persönliches Treffen weiter ausgebaut und intensiviert werden, weil naturgemäß ein hautnahes "Sich-Beschnuppern" einerseits bessere Eindrücke über die Personen vermittelt, mit denen man zusammenarbeitet, andererseits dadurch aber auch menschliche und freundschaftliche Bindungen geknüpft bzw. verstärkt werden. Gespräche von Angesicht zu Angesicht sind einfach effektiver als tausend Worte am Telefon oder in E-Mails, und deshalb hatten wir uns zu einem einwöchigen Workshop mit genügend Freiraum zum Kräfteschöpfen in einem vegetarisch/veganen Hotel in Bischofswiesen nahe Berchtesgaden getroffen. Bei dem "konspirativen Treffen" von A.K.T.E. und SASA Japan hatte alles gepasst: Eine herrliche Berglandschaft, intakte Natur, strahlender Sonnenschein, hervorragendes Essen und Menschen, die sich auf Anhieb fantastisch verstanden. Wooow, "Balance pur" nach Monaten Kräfte zehrender Arbeit, die der Aufbau der "doubuts ken" - unserer japanischen TIER-BEWEGUNG - im stressigen Tokyo so mit sich bringt. Neben den langen, aber sehr harmonisch verlaufenden Arbeitsgesprächen hatte ich trotzdem auch die Gelegenheit, Deutschland einmal nicht nur via Internet, sondern live und hautnah zu erleben. Nun wurde mir klar, mit welch vielfältigen Problemen meine Freunde/innen von A.K.T.E. zu kämpfen haben. Aber ich erkannte auch, warum Deutschland inzwischen weltweit für viele Menschen, die sich für den Frieden mit ihren Mitlebewesen und der Natur einsetzen, zum Vorbild geworden ist. Hier sind einige Impressionen mit Augenzwinkern aus fernöstlicher Perspektive. Bereits am Frankfurter Flughafen war es mir möglich gewesen, Speisen ohne Leichenteile zu erhalten, und auch im ICE-Speisewagen während der gemeinsamen Bahnanreise gab es keinerlei Probleme, richtig satt zu werden. Unser großer Kinderteller Spaghetti Pomodoro schmeckte ausgesprochen gut. Obwohl Eisenbahn-Bistros bekanntlich keine Nobel-Restaurants sind, waren die Nudeln nicht verkocht und die Tomatensauce fruchtig und mit einem Hauch Basilikum verfeinert. Die obligatorische "Bestreuung" aus fermentiertem Kuhmilchprodukt fehlte erfreulicherweise. Vielleicht hatte es an unserer positiven, lebensbejahenden Ausstrahlung gelegen, dass uns die italienische Pseudo-Delikatesse Parmesan gar nicht erst angeboten wurde oder daran, dass wir gleich bei der Bestellung zu verstehen gegeben hatten, dass wir uns normal ernähren. Wie dem auch sei, die Botschaft war verstanden worden, und wir wurden dementsprechend von einem verständnisvollen und wohlwollenden Zugpersonal bekocht. In Reformhäusern sah ich das riesige Angebot an normalen Nahrungsmitteln (Produkte ohne Leichenteile). In vielen Supermärkten wurde sogar pflanzliche Milch (Soja-Produkte) verkauft, und in jedem Restaurant konnte ich ohne lange Erklärungen Essbares bestellen. Die Verkäufer/innen und Kellner/innen verstanden auf Anhieb, was ich nicht auf meinem Teller vorfinden wollte: Leichenteile und Tierqual-Produkte. Die Pisa-Studie über Deutschland scheint also doch nicht ganz zu stimmen - zumindest was das Allgemeinwissen über normale Ernährung betrifft. Wooow, welch ein Fortschritt! Auf den Straßen der Städte und Dörfer litten oder starben keine hilflosen Lebewesen; jedenfalls habe ich in dieser Woche davon nichts gesehen. Menschen gingen mit gesunden, wohlgenährten Hunden spazieren. Ich sah keinen Hund mit Hunderäude und ohne Fell, wie dies in Japan leider noch häufig zu sehen ist. Niemand zerrte mit sadistischer Boshaftigkeit an Leinen, niemand prügelte auf Hunde ein, die zuweilen auch ohne Begleitung oder in weitem Abstand von ihren menschlichen Freunden vergnügt durch die Fußgänger-Zonen trabten. Ich sah auch viele Katzen. Aber wo waren die berufsmäßigen Tierfänger, die Jagd auf unsere schnurrenden Freunde machen, um sie später dubiosen Zwecken zuzuführen? Auf den Almen grasten Kühe mit Eutern natürlicher Größe. Auch die Tiere in dem von uns besichtigten Tierheim waren gesund, gut gepflegt und hatten einen sauberen Schlafplatz und genügend Auslauf. Selbst in Tierhandlungen waren ausschließlich gesunde Tiere zu sehen, deren Besitzer die geltenden Tierschutz-Gesetze kannten, und die unsere Fragen freundlich und aufgeschlossen beantworteten. Ich sah auch keine fehlgeleiteten Mode-Püppchen und in Pelz gehüllte "Status-Tanten", aber das dürfte an den hochsommerlichen Temperaturen gelegen haben. Dem Wettergott sei Dank; es hätte einfach nicht zu dem harmonischen Gesamteindruck gepasst. Auch wenn die ganze Welt noch ein Schlachthof ist - allein die Informationen über den Irak-Krieg oder über die Massentierhaltung genügen, um sich dessen gewahr zu werden - die Menschen in Deutschland haben es zumindest geschafft, das offensichtliche Leid von den Straßen zu verbannen und es darüber hinaus möglich gemacht, sich normal, d.h. ohne Leichenteile und Tierqual-Produkte - also friedlich - zu ernähren. Wooow, ein Schritt in die richtige Richtung, oder nur "the german way of life - was du nicht siehst, macht dich nicht heiß!" Trotz des umfangreichen Arbeitspensums empfand ich die kurze Zeit in Deutschland als große Erholung, denn wo sonst ist es heutzutage so einfach, sich derart gesund und normal zu ernähren und die Tage ohne den Anblick von Leid und Tod zu genießen. Sicherlich, eine Idylle auf den ersten Blick. Es ist mir natürlich nicht entgangen, dass das Gros der bundesrepublikanischen Gesellschaft noch dem Kannibalismus frönt und auch noch ganz offen dieses geduldete, anachronistische Ritual - eben Mord per Speisekarte oder per Nachfrage an der Theke des Metzgerladens - praktiziert. Seltsam mutete auch die Tatsache an, dass mir im Café zum bestellten Kaffee anstatt pflanzlicher Milch stets cholesterinhaltige & also krankmachende Kuhmilch mitgeliefert wurde, obwohl ich davon ausgegangen bin, dass man mir ansehen kann, dass ich dem Säuglingsalter längst entwachsen bin. Dass aber auch in Deutschland - genauso wie in allen anderen Ländern dieser Erde - gewisse Skurrilitäten zum Alltag gehören, ist mir bei diesem Besuch wieder ganz deutlich geworden. So schleppen beispielsweise Menschen jeden Alters und Geschlechts - geradezu zwanghaft - zwei Stöcke mit sich herum. Es scheint heutzutage "in" zu sein, sich dieselben bei längeren Fußmärschen unter den Arm zu klemmen oder einen mitgeführten Rucksack damit zu beschweren. Ich ließ mich darüber aufklären, dass es sich um "Walking-Sticks" handele, eine Gehhilfe bzw. ein neues Sportgerät; zumindest sei es eine Weiterentwicklung des aus der Mode gekommenen Spazierstocks und sehr trendy. Mir ist aber trotzdem nicht ganz klar geworden, ob es sich bei diesem Usus um ein Gewichtstraining oder um eine Kompensation der unbewussten Sehnsucht handelt, sich unseren vierbeinigen Freunden anzunähern, in dem man die fehlenden zwei Beine durch jene bunten Plastik-Stöcke ersetzt. Wooow, der Mensch entwickelt sich zum Vierbeiner, Evolution einmal rückwärts!
Während ich das demonstrative Stocktragen noch als liebenswerte Marotte meiner Landsleute akzeptieren konnte - denn warum sollte ich einem Menschen das Recht verweigern, harmlos seinen Stock oder seine Stöcke stolz vor sich herzutragen - muss ich den in Deutschland leider noch verbreiteten Kannibalismus eindeutig als schwere psychische Störung interpretieren. Anders ist es kaum zu erklären, weshalb es Menschen gibt, die in Biergärten bei strahlend blauem Himmel und unter Schatten spendenden Bäumen bei einem Angebot von kühlem Bier, duftendem Brot, saftigem Radi und diversen Salaten das seltsame Bedürfnis entwickeln, zum fröhlichen Tschilpen der Spatzen und dem friedlichen Gurren der Tauben, sich mit Körperteilen von ermordeten Mitlebewesen zu sättigen. Alle Biergärten scheinen über diese stinkenden "Grill-Krematorien" zu verfügen, in denen meist wohlbeleibte Menschen ihr Suchtverhalten durch riesige Portionen befriedigen. Prinzipiell halte ich es für durchaus begrüßenswert, wenn man zu körperlichen oder psychischen Störungen stehen darf und diese nicht vor der Welt verstecken muss. Aber genauso wie Triebtäter ihre Störungen nicht in der Öffentlichkeit ausleben dürfen, sondern sich einer psychiatrischen Behandlung unterziehen müssen, so sollten auch Kannibalen dringend therapiert werden, weil sie eine große Gefahr für den Frieden auf dieser Welt darstellen. Diesen armen Menschen sollte die Chance gegeben werden zu gesunden, um friedlich und im Einklang mit sich selbst und mit ihrer Umwelt leben zu können. Trotz des bestehenden Krankheitsbildes weiter Gesellschaftskreise bewundere ich jedoch alle diejenigen, die es durch ihr Engagement geschafft haben, zumindest das Leid und den Tod von den Straßen zu vertreiben. Ich bewundere sie, weil sie es schon erreicht haben, dass normale Nahrung für normale Menschen fast überall käuflich zu erwerben ist. Sie haben mit ihrer Aufklärungsarbeit dazu beigetragen, dass ein Hinterfragen des Kannibalismus in der Öffentlichkeit eingesetzt hat. Wooow, das Land der Dichter und Denker gewinnt verlorenes Terrain zurück. Wenn es in Deutschland in absehbarer Zeit gelingen würde, die leider noch vorhandene Sucht jener armen sich kannibalisch ernährenden Menschen zu kurieren oder zumindest weiter zurückzudrängen, den Unwissenden den Unterschied zwischen pflanzlicher Milch und krankmachender Kuhmilch beizubringen, den Supermarktketten zu verdeutlichen, dass Hühnermütter ihre Eier eben nicht für Supermärkte legen, dann wäre Deutschland auf dem richtigen Weg, ein wirklich friedfertiges Land zu werden. Hierzu ist es natürlich notwendig und eine Sache der Glaubwürdigkeit, einen friedfertigen Umgang mit Gleichgesinnten, aber auch mit Andersgesinnten, vorzuleben. Wir nutzten auch die Gelegenheit, Dr. Helmut Kaplan im nahen Salzburg zu besuchen, um Fragen im Zusammenhang mit seinem in Japan erschienenen Buch "Shitai non bansan" zu erörtern.
Mit Stefan Bernhard Eck und Barbara Hohensee von A.K.T.E., die mit ihrer Herzlichkeit, Offenheit und Unkonventionalität genauso wie ich neue Wege beschreiten wollen, wurden auf diesem Workshop unter dem Motto "east meets west for a better world" neue Strategien und Pläne für eine gemeinsame, Kontinente übergreifende Kooperation erarbeitet. Unsere gemeinsame Devise, die wir mit nach Hause nahmen, lautet: "be peaceful, be veggie, be happy!" Jeder friedliebende Mensch, der Interesse hat, sich auch international für ein friedvolles Zusammenleben aller Bewohner dieses Planeten einzusetzen, ist herzlich willkommen, sich der Allianz von A.K.T.E. und SASA Japan anzuschließen. Ein Hoffnungsschimmer für alle Kannibalen zum Schluss: Wir lassen Euch nicht alleine mit Eurem Leiden! A.K.T.E. - SASA Japan - Redaktion / Lydia Tanabe / 30.09.2005 |
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