Skandale

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Fleischskandale auf dem Vormarsch

Zu den öffentlich stattfindenden Diskussionen über die Rinderseuche BSE und Vogelgrippe gesellen sich fast tagtäglich Meldungen über Gammelfleischskandale, Funde über verdorbenes oder laut Verfalldatum lang abgelaufenes Ekelfleisch und tierische Leichenteile dazu.

Bekannt wurde jetzt, daß Schweine in Deutschland vollkommen unkontrolliert mit Antibiotika und Hormonen gemästet werden. Allein schon der vom Gesetz genehmigte, krankheitsvorbeugende Einsatz der Antibiose erreicht in Deutschland ein Volumen von 1500 Tonnen jährlich.

Medikamente über die erlaubten Regelungen hinaus eingesetzt habeEin Nebeneffekt dieser Medikamente, die eigentlich Erkrankungen der in Massen gehaltenen Tiere vorbeugen sollen, führte zu deren illegalem Einsatz als Mastmittel. Denn Antibiotika fördern das Fleischwachstum der Tiere, sparen so dem Bauern teures Futtermittel und sorgen für schnelleren Umsatz. Dazu kommt der florierende Absatz der "Autobahn-Tierärzte", die auf Autobahnraststätten Medikamente an Mast- und Zuchtbauern verkaufen. Ein jetzt aufgedeckter Ring von Medikamentenhändlern, der in Süddeutschland und Österreich aktiv war, soll allein in dieser Region schätzungsweise 1500 Landwirte versorgt haben. Gegen diese wurde jetzt Anzeige erstattet. Insgesamt sollen zwei Drittel der Schweinemastbetriebe und rund 30 Prozent der Zuchtbetrieben.

Neben den Antibiotika wurden auch generell verbotene Hormonpräparate verfüttert, die einen anabolen Effekt haben, also das Muskelwachstum fördern. Bereits normal gemästete Schweine erreichen in 180 Tagen ihr Mastendgewicht von 100 Kilogramm und jede Verkürzung dieser Frist durch den Einsatz der verbotenen Medikamente erhöht den Gewinn beim Verkauf.

Die Gefahren der Antibiotika gehen dabei weniger vom Fleisch selber aus, denn die Schweine scheiden den Wirkstoff praktisch vollständig wieder aus. Doch durch die Ausscheidungen, als Gülle auf die Felder gebracht, wandern die Antibiotika ins Grundwasser und bilden ein enormes Gefahrenpotential. Die größte Gefahr liegt in der Herausbildung neuer gegen Antibiotika resistenter Bakterienstämme. Infektionen, deren Bekämpfung noch vor kurzem kein Problem war, können dann tödlich verlaufen.

 

 

Alle bakteriellen Erreger, die in permanenten Kontakt mit den Medikamenten kommen, können eine Resistenz gegen die gesamte Wirkstoffgruppe ausbilden. Demnach können Erreger, die auch den Menschen infizieren, gegen die gesamte Antibiotikagruppe resistent werden, die ähnliche Wirkstoffzusammensetzungen hat wie das in der Mast verwendete Medikament. Laut Süddeutsche Zeitung vom 22. Januar besteht beim Tod einer Frau in Dänemark möglicherweise ein solcher Zusammenhang. Die Frau war an einer eigentlich harmlosen Salmonellen-Erkrankung gestorben. Der Salmonellentyp, der bei ihr zum Tode führte, war gegen fünf gängige Antibiotika resistent und konnte daher nicht mehr bekämpft werden.

Die Wirkung der verfütterten Hormone dagegen kann kaum abgeschätzt werden. Sie lagern sich nicht nur im Tier an, sondern können auch zu Erbgutschädigungen führen und stehen im Verdacht Krebs zu erregen.

Die rund 180.000 deutschen Schweinemast- und Zuchtbetriebe stehen national wie international unter enormem Konkurrenzdruck. Durch sinkende Erträge für Schweinefleisch in den letzten Jahren (die Preise sanken von 3,29 DM pro Kilo Fleisch im Jahr 1984/85 auf 1,61 DM pro Kilo Fleisch im Jahr 1998/99), kommen gerade die Kleinbetriebe in Existenzschwierigkeiten. Während vor allem in den Niederlanden, mit ca. 15 Millionen Tieren zweitgrößter Schweinefleischproduzent Europas hinter der BRD, bereits über 20 Prozent der Betriebe die Schwelle zum Großbetrieb mit 1000 und mehr Tieren überschritten haben, sind es in Deutschland erst 1,7 Prozent. Erst der im Zuge der BSE-Krise gestiegene Absatz von Schweinefleisch und die um rund drei Prozent gestiegenen Verkaufspreise schienen den Kleinbetrieben in Deutschland zu einer Besserung ihrer Situation zu verhelfen.

Obwohl die jetzt zurückgetretene bayerische Gesundheitsministerin Barbara Stamm (CSU) seitmindestens August 1999 über die Praktiken des illegalen Medikamentenhandels in Süddeutschland und Österreich informiert war, hielt sie ihre schützende Hand über den sowieso schon gebeutelten Markt. Erst recht in Zeiten des wachsenden Schweinefleischabsatzes wollte niemand der verantwortlichen Politiker einen Zusammenbruch des Marktes riskieren. Erst als die Tierärztekammer mit dem Bericht an das Ministerium aus dem Jahr 1999 an die Öffentlichkeit ging und parallel dazu eine Tierschutzorganisation Anzeige gegen die in den Medikamentenhandel verstrickten Ärzte und Bauern erstattete, konnte die bayerische Landesregierung die Desinformation der Bevölkerung nicht mehr aufrecht erhalten.

Ebenso wie die Bundesministerien für Landwirtschaft und Gesundheit im Vorfeld der BSE-Krise durch ihre Politik der Beschwichtigung nur im Interesse der Rindfleisch produzierenden Betriebe handelten, stellte sich auch Barbara Stamm mit ihrem Landesgesundheitsministerium in den Dienst der Landwirtschaft. Das Recht der Verbraucher auf Informationen über gesundheitsgefährdende Risiken spielte weder bei BSE noch bei hormonverseuchtem Schweinefleisch oder den Gefahren medikamentenresistenter Krankheitserreger eine Rolle.

 

Fleisch - immer ein Skandal

Interview des Magazins "Vegetarisch genießen" mit Silke Dziallas

Veg: Frau Dziallas, gegenwärtig jagt ein Fleischskandal den anderen. Es vergeht
keine Woche, in der die Bevölkerung nicht durch eine Horrormeldung oder eine drohende Gefahr aufgeschreckt wird. Das ist wohl schon normal.

Silke Dziallas: Ja, leider ist das normal. Es liegt in der Natur der Sache. Fleisch ist - auch wenn das manchem makaber erscheinen mag - ein Stück Leiche, das sich im Prozess seiner Verwesung befindet. Durch Pökeln, Kühlen, chemische Konservierungsmittel oder durch schnelles Zubereiten wird dieser Verwesungsprozess verlangsamt bzw. gestoppt, damit das Material überhaupt genießbar ist. Dass beim Tötungsvorgang oder im Umgang mit totem Material unerwünschte Nebeneffekte eintreten, damit muss man rechnen. Fleisch ist ein Risikoprodukt.

Veg: Ein Risiko wofür? Für die Gesundheit des Konsumenten?

Silke Dziallas: Richtig. Der Verbraucher muss, wie auch beim Konsum anderer Genussmittel wie Alkohol oder Tabak, die Risiken in Kauf nehmen. Wer raucht oder übermäßig trinkt, weiß auch, dass er damit seine Gesundheit gefährdet. Über die Gefahren des Fleischkonsums jedoch wird kaum öffentlich gesprochen, und das ist der eigentliche Skandal. Wenn bei der Fleischproduktion einmal eine "Panne" passiert, die an die Öffentlichkeit gelangt - denken wir nur an den jüngsten Fleischskandal, bei dem Schlachthausabfälle umetikettiert wurden, um sie in den für Menschen angeblich genusstauglichen Nahrungsmittelkreislauf zu führen -, da spricht dann plötzlich jeder von einem Skandal. Doch die meisten Menschen wissen gar nicht, was Tag für Tag hinter den verschlossenen Türen der Schlachthöfe und der fleischverarbeitenden Betriebe abgeht. Und sie wissen auch nicht, welche Auswirkungen auf die Gesundheit der Fleischkonsum hat. Aber wie gesagt, das muss eben derjenige in Kauf nehmen, der das Genussmittel Fleisch zu sich nimmt.

Veg: Für Zigaretten schreibt die EU einen gut sichtbaren Warnhinweis vor, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, Krebs auslösen und mit dem Tod enden kann. Denken Sie, für Fleisch wären solche Warnhinweise auch angebracht? Oder ist das übertrieben?

Silke Dziallas: Nein, das ist durchaus nicht übertrieben. Man weiß mittlerweile, dass sämtliche Zivilisationskrankheiten, die heute zunehmend auftreten, wie z.B. Krebs, Osteoporose, Gicht, Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit dem Fleischkonsum in direktem Zusammenhang stehen. Fleischkonsum erhöht das Risiko für diese Krankheiten erheblich. Daher wären Warnhinweise auf Fleischprodukten durchaus angebracht. Denn es denken leider immer noch sehr viele Menschen, dass Fleisch ein Stück Lebenskraft sei.

Veg:
Wenn Fleisch ein Risikofaktor für die Gesundheit ist, wird ja durch dessen Konsum auch das Gesundheitswesen sehr belastet. Gerade in der heutigen Zeit, in der überall das Geld fehlt, ist das eine fatale Sache.

Silke Dziallas: Ernährungsabhängige Krankheiten, die in der Regel mit dem Fleischkonsum in Zusammenhang stehen, kosten das deutsche Gesundheitswesen jährlich zwischen 60 und 80 Milliarden Euro. Die logische Konsequenz daraus wäre, dass z.B. Fleischesser höhere Krankenkassenbeiträge zahlen. Oder anders herum: Die Vegetarier zahlen niedrigere Sätze, denn sie ernähren sich gesünder, sind seltener krank und sparen so Geld für die öffentlichen Kassen.

Veg: Bei dem vorhin erwähnten Fleischskandal ging es ja um Schlachthausabfälle, die zu Tierfutter verarbeitet werden sollten, aber durch kriminelle Praktiken dem menschlichen Verzehr zugeführt wurden. Lässt sich ein solcher Fall nicht durch Lebensmittelkontrollen verhindern?

Silke Dziallas: Zunächst muss betont werden, dass dieser so genannte Fleischskandal kein Einzelfall, sondern eher ein Dauerzustand ist, wie aus einem Gespräch eines Insiders mit der Zeitschrift stern hervorgeht. Dieser gab an, dass über 70% der Schlachthausabfälle, wie z.B. Schweineschwarten oder Hühnergerippe, letztlich wieder in der menschlichen Nahrungsmittelkette landen. Das Ganze hat also System und ist in Insiderkreisen wohl bekannt. Man fragt sich: Wie kann das sein? Deutschland hat doch ein angeblich so strenges Lebensmittelrecht mit vielen gut funktionierenden Kontrollbehörden. Die Antwort ist makaber und spricht für sich: Im stern Nr. 42 vom 13.10.2005 sagen Beamte aus, dass die Kontrollen in solchen Betrieben oft nachlässig durchgeführt werden oder ganz ausbleiben, weil die Geschäftsunterlagen derart mit verwestem Fleisch behaftet sind und "einen so brechreizfördernden Geruch ausströmen, dass sie gar nicht eingesehen werden können". Da muss man sich nicht wundern, wenn kaum kontrolliert wird und wenn letztlich Gerippe, Kröpfe, Schwarten, Köpfe, Schwänze, Speiseröhren, Innereien und auch Leichenteile von kranken Tieren in den Fleischfüllungen von Tortellini und Ravioli, in Hühnchen-Nuggets, Hühnerbrühe oder in allen Sorten von Wurst landen. Die verdorbenen Schlachthausabfälle finden sich aber auch in aus tierischem Material gewonnener Gelatine, in Joghurt und Desserts, im Tortenguss und in der Götterspeise; in vielen Getränken, in so manchem Wein, in Margarine, Gummibärchen, Schokoküssen und Schokoriegeln, in glasierten Kühltorten und in Tiefkühlpizzen, in Nahrungsergänzungen und vielem mehr.

Veg: Das ist ja unglaublich! Es wird einem ganz übel bei dem Gedanken, dass all diese verdorbenen, verwesten, stinkenden Schlachthausabfälle in unsere Nahrungsmittelkette gelangt sind. Wie kann man da in den Supermärkten überhaupt noch etwas mit gutem Gefühl kaufen? Kann man denn den Kauf von Lebensmitteln, die mit Kadaverteilen kontaminiert wurden, überhaupt vermeiden?

Silke Dziallas: Die Gelatinehersteller, da bin ich mir ziemlich sicher, werden wohl kaum ihre eigenen Produkte kaufen, da sie ja wissen, wie und aus welchem Material diese produziert werden. Ein italienischer Gelatinehersteller z.B. sagte aus, dass die Mitarbeiter seiner Firma sich oft über die schlechte Qualität der zu verarbeitenden Ware, also der Schlachthausabfälle, beklagt haben, denn sie sei oft "ranzig", "verdorben" und in "schmutzigen Boxen" geliefert worden, und es habe bereits der "Fäulnisprozess" eingesetzt. - Dennoch wird dieses abscheuliche Material weiter zu Gelatine verarbeitet. Vermeiden kann man den Kauf solcher Lebensmittel nur, wenn man sich vegetarisch ernährt und auch weniger zu Fertigprodukten greift, sondern z.B. wieder selbst kocht.

Veg: Wenn man das so hört, ist es eigentlich gar nicht mehr möglich, einfach irgendwo einzukaufen, denn man kann ja nicht erkennen, was wo drin ist.

Silke Dziallas: Diese fatale Situation erfordert tatsächlich vom Verbraucher ein Umdenken und vielleicht ein Ändern der Einkaufsgewohnheiten. Man muss sich schon die Mühe machen, saubere, ehrliche Lebensmittelquellen zu finden, wo man einwandfreie und hochwertige Lebensmittel erhält. Dabei erachte ich es für wichtig, dass man die Zutaten und die Herstellung lückenlos nachvollziehen kann, denn dann braucht man sich auch nicht zu sorgen, ob nicht doch an irgendeiner Stelle zweifelhafte Hilfsmittel beigemischt werden. Viele Konsumenten lassen sich übrigens heute ihre Lebensmittel nur noch per Versand nach Hause schicken, weil ihre vertrauenswürdige Lebensmittelquelle nicht so leicht erreichbar ist. Mancher denkt vielleicht, das sei eine ungewöhnliche Art, einzukaufen; aber für wirklich gesunde Lebensmittel stellt man sich gerne um. Wenn man auf unbedingte Sicherheit Wert legt, sind Produkte einer Landwirtschaft zu empfehlen, die mit dem tierischen Kreislauf gar nicht in Berührung kommt, weil sie für die Bodendüngung weder Mist noch Gülle, noch andere Mittel tierischer Herkunft verwendet. Dies ist z.B. beim veganen oder Friedfertigen Landbau der Fall. Also noch einmal: Wer unbedenkliche Lebensmittel bevorzugt, muss sich die Mühe machen, die jeweiligen Einkaufsquellen zu erschließen.

Veg: Unlängst konnte man in der Presse lesen, dass der BSE-Erreger auch vom Menschen in das Tier gelangt sein könnte. Wie ist das möglich?

Silke Dziallas: Britische Wissenschaftler vermuten, dass die BSE-Krankheit über das im Tierfutter enthaltene Tiermehl vom Menschen auf das Tier übertragen wurde. Man staunt jetzt vielleicht und fragt sich: Was hat denn der Mensch mit dem Tiermehl zu tun? In Indien, vorzugsweise am Ganges, sammeln Bauern nicht nur tierische Leichteile, sondern auch menschliche Leichenteile als Nebenerwerb. Am Ganges werden viele Flussbestattungen durchgeführt und Leichen, die nur zum Teil verbrannt wurden, einfach ins Wasser geworfen. Umweltschützer haben z. B. in nur zwei Tagen an einem Abschnitt des Ganges von 10 km Länge 60 Menschenleichen herausgefischt. Es wird nun vermutet, dass Bauern über viele Jahre nicht nur tote Tiere aus dem Ganges gefischt haben, um sie gewinnbringend an Tierköperverwertungsanlagen zu verkaufen, sondern auch Menschenleichen. Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre erkrankten die ersten Rinder an BSE. Genau zu dieser Zeit sind Hunderttausende verwesender Tierkadaver aus Indien mit dem Schiff um den halben Globus nach England transportiert worden - der Rohstoff für die dortige Tiermehlproduktion. Von einer Forschergruppe wird nun angenommen, dass sich darunter auch Leichen von Menschen befanden, die mit der Creutzfeld-Jakob-Krankheit infiziert waren, und dass sich die Rinder an diesen im Futter verarbeiteten menschlichen Leichen infiziert und BSE entwickelt haben. Nach Auffassung dieser Wissenschaftler haben sich die Tiere also am Menschen angesteckt - und der Erreger landete schließlich über das Fleischessen wieder im Menschen. Dazu ist noch zu ergänzen, dass der Skandal um BSE noch lange nicht vorbei ist, nur berichten die Medien kaum mehr darüber. Wöchentlich erkranken in Deutschland und in anderen europäischen Ländern Tiere an BSE - wenn auch still und heimlich -, und es ist noch völlig offen, wie viele Menschen sich infizieren und wie viele daran sterben werden.


Veg:
Ein Skandal ist eine kriminelle Begebenheit, die ans Licht der Öffentlichkeit gelangt. Kann es sein, dass vieles passiert, das nie von den Zeitungen aufgegriffen wird?

Silke Dziallas: Das ist richtig. Ein Skandal, der von den Medien nie aufgegriffen wurde, ist z.B. das Thema Toxoplasmose. Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii übertragen wird und sich im Gehirn des Menschen festsetzt. Der Mensch infiziert sich über halbgegartes und rohes Fleisch. Man merkt die akute Erkrankung kaum, hat vielleicht Erkältungs- oder Grippean-zeichen, die nicht weiter schlimm sind. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb über diese Krankheit in der Presse nicht berichtet wird, obwohl in Deutschland bereits über 30% der Menschen von diesem Parasiten befallen sind. In Frankreich, wo viel rohes Fleisch in Form von Tartar gegessen wird, haben sogar 80% der Menschen diesen Parasi-ten im Gehirn. Ist man einmal von ihm befallen, kann man kaum etwas dagegen tun. Unter einer einzigen Voraussetzung werden Menschen in Deutschland auf Toxoplasmose untersucht: im Fall einer Schwangerschaft. Denn falls sich die Mutter in der Zeit der Schwangerschaft infiziert, kann das ungeborene Kind erhebliche gesundheitliche Schäden erleiden: Gehirnschädigungen, Missbildungen, Augenprobleme bis hin zur Blindheit, epileptische Anfälle, Hörschädigungen und Entwicklungsstörungen. Schwangere werden zwar darauf hingewiesen, nicht zu rauchen und keinen Alkohol zu trinken. Doch vor Fleischessen wird nicht gewarnt. Die Gefahr, die von Fleisch ausgehen kann, wird einfach verschwiegen.
Skandalös ist auch das Verschweigen der mit einer Toxoplasmose-Infizierung einhergehenden Verhaltensveränderung des Menschen: Es kommt zu einer deutlich längeren Reaktionszeit, einer größeren Risikobereitschaft und dadurch zu einem fast dreimal höheren Verkehrsunfallrisiko als bei nicht Infizierten. Weitere Auffälligkeiten sind: weniger Interesse an höherer Bildung, niederer IQ, verminderte Akzeptanz moralischer Grundsätze und größere Anfälligkeit für Misstrauen, Eifersucht und Fundamentalismus. Bei einer Zoonose-Tagung am 10. September 2005 in Witzenhausen wurden zudem Studien vorgestellt, die darauf hinweisen, dass auch Schizophrenie durch Toxoplasmose ausgelöst werden könnte. Denn bei Patienten mit erstmalig aufgetretener Schizophrenie hat man deutlich erhöhte Toxoplasmose-Antiköper festgestellt.

Veg: Wenn man das hört, wird einem klar, dass der Mensch seine Krankheiten selbst verursacht. Es wundert mich nicht, dass Fleischessen in gewissem Sinne sogar Schizophrenie auslöst, denn ist es nicht schizophren, wenn Menschen ihre Haustierchen auf dem Schoß verwöhnen und zugleich ein Stück Reh, Häschen oder Ente verzehren? Und wie ist es eigentlich mit der Vogelgrippe, hat da nicht auch der Mensch seine Hand im Spiel?

Silke Dziallas: Davon muss man ausgehen. Man braucht ja nur einmal hinzugucken, wo und wie solche Epidemien entstehen. Sie entstehen dort, wo viele tausend Tiere auf engstem Raum, oft im Dunkeln und unter furchtbarsten Bedingungen zusammengepfercht leben müssen und unter solchem Stress stehen, dass sie sich gegenseitig verletzen. Diese Tierghettos mit ihrem ungesunden und unbeschreiblich grausamen Milieu sind eine Brutstätte für Keime und Bakterien. Wenn diese Erreger schließlich beim Menschen, beim Peiniger also, landen, dann wundert man sich und spricht von einem Skandal. Dann schreien die Menschen nach Impfschutz, anstatt die Ursachen zu erforschen, die doch eigentlich auf der Hand liegen; und anstatt sich selbst die Schuld zu geben und mit dieser grausamen Tierhaltung aufzuhören, lässt der Mensch den "bösen" Vogel die Zeche bezahlen: Erkrankte oder verdächtige Vögel werden zu Zigtausenden erbarmungslos und grausam getötet, z.B. in Plastiksäcken erstickt oder vergast. Und dann hört man noch Fragen wie: "Warum lässt Gott das zu?" oder: "Will Gott die Menschen bestrafen?" Will er nicht. Ist ja auch nicht nötig. Das tut der Mensch ja offensichtlich selbst ...

Veg: Also ist das nervöse Suchen nach einem Impfstoff nicht die richtige Vorgehensweise und schon gar nicht die Lösung des Problems?

Silke Dziallas: Es ist bezeichnend, dass der Mensch jetzt überstürzt versucht, sich selbst zu schützen und zu retten, anstatt nach den Ursachen zu fragen und dann gezielt zu handeln. Die Lösung liegt doch auf der Hand: kein Fleisch mehr essen, keine Tiere mehr in Tierghettos halten, sich vegetarisch ernähren, um aus diesem mörderischen Kreislauf von Gewalt und Tod auszusteigen. Die Tiere haben keine Möglichkeit, diesem Kreislauf zu entkommen. Wir Menschen könnten es aber tun: indem wir uns so ernähren, wie es der Schöpfer für uns vorgesehen hat und wie es ursprünglich in allen großen Religionen gelehrt wurde - nämlich vegetarisch. Sogar an unserem Körperbau, an unserem Verdauungssystem, an unserer Physiognomie lässt sich ablesen: Wir sind eindeutig nicht als Fleischfresser konzipiert. Da kann man nur noch sagen: Menschen, esst kein Fleisch! So erhaltet ihr die Tiere und auch euch selbst gesund.

Veg: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Fleisch-Skandale ohne Ende – BSE, MKS, Schweinepest, Geflügelpest; Antibiotika- und Hormon-Skandal; Coli-Bakterien und Salmonellen im Fleisch; Nitrofen und Dioxin im Tierfutter, und und und ... . Vorläufiger Höhepunkt: die Seuche SARS. Da lohnt sich doch mal eine Bestandsaufnahme, „wider das Vergessen“

Chronik der Fleisch-Skandale
BSE (Teil I)
von Margret Giese, Wolfenbüttel

Vorbemerkungen:
Wenn’s um Fleisch geht: Ausblenden, verdrängen, vergessen! Da kommt einem die Frage in den Sinn: Wohin käme die skandalumwitterte Futtermittel- und Fleischindustrie, wenn die viel zitierten Verbraucher und Verbraucherinnen nicht so perfekt funktionierten und, Fleisch-Skandale hin oder her, ihrem Stück ehemaliger Lebenskraft auf dem Teller die unbedingte Treue hielten? – Da wollen wir nun aber nicht mitmachen; vielmehr immer dann, wenn es sich wieder einmal ergibt, den Finger in die Wunde 'Fleischverzehr' legen. Wer alle damit verbundenen Auswirkungen berücksichtigt – vom sauren Regen über die Verseuchung des Grundwassers bis zur Abholzung des Regen-waldes und dem Hunger in den 'DritteWelt'-Ländern (vom Leid der 'Nutztiere' ganz zu schweigen) – der wird nicht umhin können, den Tierfleisch-Konsum als wesentlich mitverantwortlichen Faktor allen Übels auf diesem Planeten festzumachen.

Und nun, angesichts zunehmender Seuchengefahren, bewahrheitet sich erneut und in besonders auffälliger Weise, was wir spätestens seit Pythagoras wissen: dass alles Unrecht, welches der Mensch seiner Mitwelt antut, ihn wieder einholt, auf ihn zurückschlägt. Die Plagen, die in immer kürzeren Abständen über Tier und Mensch hereinbrechen, sind ausnahmslos menschengemacht. Und da das stupide 'weiter so' nicht hinterfragt wird, nehmen die Katastrophen unausweichlich immer größere Dimensionen an. Früher unvorstellbar, wird dabei die jeweils millionenfache Vernichtung von Tierleben immer selbstverständlicher. Wahrlich ein Horror-Szenario, das beunruhigen muss! Wie gegensteuern? Hat z. B. die Aufklärung darüber, dass jeder, der von seinem Steak auf dem Teller nicht lassen kann, zu seinem kleinen Teil zur allgemeinen Zerstörung beiträgt, noch Sinn? Ist nicht – Thema Fleisch-Skandale – durch die zur Selbstverständlichkeit gewordene 'Mobilität' (Tourismus-Vergnügen der Menschen auf der einen Seite; tödlicher Ernst für die Tiere bei den Schlachttiertransporten auf der anderen) die Ausbreitung von immer neuen Seuchen vorprogrammiert? Nicht mehr wegzuleugnen (Beispiel SARS) ist dabei die tödliche Konsequenz für den Menschen selbst: Durch die zunehmende Resistenz gegenüber Antibiotika – u. a. massenhaft in der Tiermast einge-setzt! – wird er am Ende Opfer seiner Fleisch-Gier; und dies, nachdem er bei immer neuen Tier-Vernichtungsfeldzügen seine Mitlebewesen millionenfach ins Verderben gerissen hat. Vor allem diesen Opfern sind wir es schuldig, dass wir die Erinnerung wachhalten an ihr Sterben für menschengemachten Irrsinn! Wobei nicht vergessen sein soll, dass ihr Leben ohnehin durch gewaltsamen Tod beendet worden wäre! Aber bei diesen Vernichtungs-Serien tritt noch ein besonderer Aspekt zutage: Das skrupellose, hinter abgeriegelten Türen durchgeführte millionenfache 'Keulen', wie es in der eiskalten Seuchen-Fachsprache heißt, ist in besonderer Weise von einer zutiefst erschreckenden Missachtung tierlichen Lebens gekennzeichnet. Schonungslos offenbart sich hier, wohin die 'menschliche' Gesellschaft gekommen ist – auf einen ethischen Tiefpunkt.

Ein Wunder, wenn nicht auch bei Otto Normalverbraucher, dem umworbenen Konsumenten im Fokus der Fleischindustrie, eine weitere emotionale Abhärtung stattfände: In Seuchen-Zeiten wird ihm tagtäglich mitgeteilt, wie viele vier- und zweibeinige Fleischlieferanten ihm 'vorsorglich' zum Opfer dargebracht wurden. Wie muss er sich geschmeichelt fühlen, ist er es doch wert, dass ganz speziell für ihn die Seuchenkasse leer geräumt wird bzw. der Steuerzahler einspringt. Infernalische Tötungsprogramme, in denen, als könne es gar nicht anders sein, fühlende Wesen, zu Abfall degradiert, nur noch ein Fall für die risikolose Entsorgung werden. Und dies, damit auch der letzte mittel-mäßige Staatsbürger seinen Bauch wie gewohnt mit Rindersteak, Hähnchenkeule und Putenbrust füllen kann. Er ist der ideale, im Verein von Politik und Fleisch-Mafia gehätschelte Konsument, für den 'vorsorglich' Kapitalverbrechen im Sinne der Humanität begangen werden. Man braucht ihn, denn er ist der 'legale Marktbereiniger'! Und damit er wieder in den Zustand des ungebrochenen Vertrauens ins deutsche Rindfleisch versetzt wird, wirbt die Speerspitze der Fleischindustrie, die CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft) sei einiger Zeit wieder mit Anzeigen („Fleisch: Ja klar!“). Das QS-Prüfzeichen steht für den kontrollierten Lebens- bzw. Leidensweg des Tieres (von der Wiege bis zur Bahre). Die hübsche junge Frau mit dem reizenden Lächeln, die sich so unbändig nicht nur auf das parat liegende Steak freut, denkt sicher nicht an vCJK. Warum auch! Die Inkubationszeit beträgt bis zu 20 Jahre – vielleicht auch mehr. Und das ist noch lange hin. Vielleicht aber auch nicht.

Den notwendigen Blick nach vorn beschwor schon zu Zeiten der BSE-Krise die EDEKA mit ihrem – um das Verbraucher-Vertrauen buh-lenden – Loblied auf ihr GUTFLEISCH. Der EDEKA verdanken wir auch, dass wir uns besser zurechtfinden im Dschungel von Institutio-nen und Bediensteten „ rund ums Fleisch“, die sich alle für den Verbraucher und die Verbraucherin abmühen: „Landwirte, Futtermittelher-steller, Veterinäre, Schlacht-, Zerlege- und Produktionsbetriebe, Handel, Wissenschaftler, Verbraucherverbände, der Gesetzgeber und die verantwortlichen staatlichen Stellen.“ Nur schade, dass der bzw. die so vielseitig umworbene Verbraucher/in hin und wieder den Eindruck gewinnt, nicht seine bzw. ihre Gesundheit habe Priorität, sondern der Profit ... . Welche Enttäuschung und Ernüchterung, welch böses Erwachen für alle Fleisch-Esser, als im Zusammenhang mit dem BSE-Skandal zutage trat, wie schamlos man ihre Gutgläubigkeit ausge-nutzt hatte! Da war doch tatsächlich selbst von politisch verantwortlicher Seite jahrelang mit ihnen 'russisches Rindfleisch-Roulette' ge-spielt worden. Und das Schlimmste: Nicht nur Rinder-, sondern auch Menschengehirne wurden zerfressen und mutierten zu schwammigen Loch-an-Loch-Gebilden. (Und das alles ist ja noch nicht ausgestanden!)

BSE – „der Supergau mit Langzeitfolgen“ – ist in mehrfacher Hinsicht ein Lehrstück, das u. a. beispielhaft die (beschämende) Rolle von Politikern als Handlanger profitgieriger Ausbeuter in Wirtschaft und Industrie vor Augen führt. Was da von Menschen angerichtet wurde, wird für alle Zeiten als Menetekel, als drohendes Zeichen in die Geschichte dieses Planeten eingehen. Die millionenfache Vernichtung unschuldiger Tiere, das öffentliche Verbrennen ermordeter Tiere auf riesigen Scheiterhaufen, ein solches apokalyptisch zu nennendes Inferno hatte es vorher noch nicht gegeben. Wir tun gut daran, es nie zu vergessen!

Zur Erinnerung: Die Abkürzung BSE bezeichnet eine „schwammige Hirnkrankheit“ bei Rindern, bei der sich das zentrale Nervensystem auflöst („Rinderwahnsinn“). Übertragung auf den Menschen in zahlreichen Fällen nachgewiesen („vCJK“ = Variante der sog. Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Sie endet tödlich.) – Bis heute Ursachenforschung in Form übler Tierversuche; u. a. Experimente mit Affen im Göttinger Primatenzentrum; ebenfalls Zwangsinfizierung von 50 Kälbern auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern).

Verschiedene Thesen bezüglich Auslöser bzw. Übertragungswege. Die beiden bekanntesten:
1. Aus Profitgründen Verfütterung von Prionen-verseuchtem „Tiermehl“ an Wiederkäuer, ausgehend von England. (Prionen = infektiöse Eiweiß-Partikel, welche die Schafskrankheit „Scrapie“ verursachen.) – Was verbirgt sich hinter dem verharmlosenden Begriff „Tier-mehl“? Man nehme: Schafs- und weitere Tierleichen aller Art, darunter aus Versuchslaboren und von kranken, eingeschläferten Haus-tieren, die samt Magen- und Darminhalten sowie Fellen gekocht, getrocknet und gemahlen werden. Man runde das Ganze durch Zusatz von Kot und Sägespänen ab und verabreiche es – eben auch Wiederkäuern, die wiederum auf der Speisekarte des Menschen stehen.
2. Insektizid-Vergiftung von Rindern, z. B. „Phosmet“, in England gegen die sog. Dassel-Fliege eingesetzt. Das Gift dringt, auf den Rük-ken der Tiere aufgetragen, in den Organismus ein und attackiert das Nervensystem. Es leuchtet ein, dass auf diese Weise der Ausbruch von BSE stark gefördert wird. Dieser Verdacht wird erhärtet durch das Auftreten von vCJK auch bei zwei strengen Vegetariern in der südenglischen Stadt Ashford! (Dort auch Produktion der betr. Pestizide und massiver Einsatz im Hopfenanbau!)

Diese These wurde offenbar zum Tabu-Thema Nr. 1. Der Grund: Die englischen Bauern waren per Gesetz zum Einsatz des „Phosmet“ verpflichtet worden, sodass die Regierung befürchtete, mit milliardenschweren Schadenersatzforderungen überzogen zu werden! Und der pharmazeutischen Industrie wäre es gleichermaßen an den Kragen gegangen, hätte sie doch eins ihrer attraktivsten Produkte eingebüßt. Da verständigte man sich denn offensichtlich darauf, den Prionen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Und zwar weltweit, denn die Fangarme der pharmazeutischen Industrie reichen bis in den letzten Winkel! Für Deutschland erläutert der Tierarzt Dr. Andreas Becker, 2. Vorsitzen-der der GGTM (Ganzheitl. Gesellsch. für Tiermedizin) in der Zeitschrift raum & zeit (110 und 117/2002) in überzeugender Weise, dass BSE mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem auf Pharma-Vergiftung der Tiere zurückzuführen ist: Hierzulande ist es ebenfalls verbreitet, die Rücken der Rinder mit chemischen Mitteln zu übergießen („Avermectin“-Gemisch) – gegen Rundwürmer und Räudemilben. Dies wäre auch eine Erklärung für das merkwürdige Phänomen, dass in Bayern etwa die Hälfte aller BSE-Fälle auftrat. (Höchster Rinder-Bestand in der BRD; häufiges Auftreten der „Schwanz-Räude".)

Die gefährliche Rolle von „Tiermehl“ steht allerdings ebenfalls außer Frage! Das seitens der EU nach langem Zögern 1989 (halbherzig) ausgesprochene Exportverbot für Tiermehl wird mit kriminellen Machenschaften unterlaufen – schlampige Kontrollen machen’s möglich. So gelangen bis 1991 noch 70.000 Tonnen nach Europa, allein nach Deutschland bis 1995 jährlich zwischen 20 und 100 Tonnen! Noch 1993 werden 107.000 Tonnen britisches Rindfleisch exportiert, davon 1.800 Tonnen nach Deutschland.

Und obwohl die EU 1994 – viel zu spät! – Tiermehl im Wiederkäuer-Futter endgültig verbietet, findet es sich später in Sachsen-Anhalt in jeder fünften Probe!
All dies ist den verantwortlichen deutschen Politikern bekannt, als sie gebetsmühlenartig verkünden: „Deutschland ist und bleibt BSE-frei!“ Nichts weniger als eine Verhöhnung der Bevölkerung, die man ja für den ungebrochenen Fleisch-Absatz braucht!
Der Schutz der Agrarlobby macht auch vor Rechtsbruch nicht Halt: Nachdem ihre Warnungen, 21 Rinder seien BSE-verdächtig, totge-schwiegen wurden, geht die von ihrem Gewissen getriebene Veterinärin Margrit Herbst (Schlachthof Bad Bramstedt, Schleswig-Holstein) 1994 mit ihrer Nachricht an die Öffentlichkeit. Der Dank: Sie wird umgehend rausgeworfen! – Später macht ein Vorschlag seitens der Landesregierung Schlagzeilen, der einen üblen Beigeschmack hat: Frau Herbst wird das Bundesverdienstkreuz angeboten, wenn sie auf alle Schadenersatzforderungen verzichtet. Sie ihrerseits verzichtet auf diesen peinlichen Deal. – Der Fall Herbst zeigt stellvertretend, wie mit unbequemen Bürgern umgegangen wird, die dem Kartell von Politik und Wirtschaft nicht ins Konzept passen!

Diese frühe Warnung einer mutigen Frau steht in enger Beziehung zum 24. November 2000, als in Deutschland mit dem 'ersten' entdeckten BSE-Rind die große Verzweiflung ausbrach. Davon in der nächsten Ausgabe!


Chronik der Fleisch-Skandale
BSE (Teil II)
von Margret Giese, Wolfenbüttel

Wir erinnern uns: Die Nachricht vom (offiziell) ersten in Deutschland geborenen BSE-infizierten Rind löste vor allem in der Fleisch erzeu-genden und verarbeitenden Ernährungsbranche sowie beim Fleisch verzehrenden Bürger ein mittleres Erdbeben aus. Nun war es heraus: Die Verbraucher – sie konnten es nicht fassen – waren jahrelang übel getäuscht worden! Kein Mensch hatte ihnen erzählt, dass tonnenweise “Tiermehl“–verseuchtes Fleisch über die Ladentheken gegangen war – mit der möglichen Konsequenz, dass sie Opfer der Creutzfeld–Jakob–Krankheit wurden! Angesichts dieses groß angelegten Betruges waren die Vorwürfe gegenüber den Schuldigen nur allzu berechtigt. Doch wer waren die? Die Suche nach dem Sündenbock war wie ein Stochern im Nebel, denn es gab derer viele, und keiner wollte auf sich sitzen lassen, der Haupt-verantwortliche zu sein. So beginnt denn ein erbärmliches Schwarze-Peter-Spiel in dem heillosen Durcheinander, und ebenso wie später die Kosten, wird die Verantwortung hin und her geschoben: Es gibt Streit zwischen den beteiligten Ministerien von Karl-Heinz Funke (Land-wirtschaft) und Andrea Fischer (Gesundheit); Bundeskanzler Schröder greift Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner wegen dessen “Klientel-Politik“ an; dieser kontert, es habe keine “sauberen Kontrollen“ gegeben, und im Übrigen sei Schröder selbst schon immer für die industrialisierte Landwirtschaft gewesen! Aber Sonnleitner kriegt´s auch von anderer Seite. Die Allgäuer Landwirte machen Front gegen ihn: Ihm seien wirtschaftliche Interessen wichtiger gewesen als Verbraucherschutz. Die aufgebrachten bayrischen Verbraucher fordern ihn sowie Gesundheitsministerin Barbara Stamm (CSU) zum Rücktritt auf – nur bei Letzterer mit Erfolg. In einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Kempten heißt es, beide hätten in nahezu krimineller Weise die Glaubwürdigkeit der Landwirtschaft aufs Spiel gesetzt und die Verbraucher gefährdet, indem sie ihr jahre-langes Wissen von “verunreinigtem Tiermehl“ bewusst verschwiegen hätten.

Noch ein paar weitere Akteure auf dem “BSE–Verschiebebahnhof“ seien genannt: So spielt Minister Funke die Unschuld vom Lande und verkündet, er habe sich doch auf die Einschätzung des Internationalen Tierseuchenamtes verlassen! Auch die NRW–Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) mischt sich ein: Die EU–Kommission treffe eine Mitschuld an der Ausbreitung des Rinderwahnsinns, da sie es an einer effektiven Durchsetzung von Maßnahmen habe fehlen lassen. Kommissar David Byrne seinerseits wirft Deutschland eine ver-schleppte Umsetzung eben dieser Maßnahmen vor. Deutschland habe jahrelang alle Präventivmaßnahmen verzögert, sogar blockiert. Erst im Oktober 2000, also drei Jahre nach der entsprechenden Empfehlung, sei “Risikomaterial, wie Hirn, Rückenmark und Augen“ aus der Nahrungskette verbannt worden. – Nachdem Bayern, das selbst ernannte “Vorzeigeland“, mit besonders vielen BSE–Fällen Schlagzeilen machte, gerät die EU–Politik seitens des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums in die Schusslinie: Das seit Juni ´94 geltende Tiermehl–Verfütterungsverbot sei durch die EU aufgeweicht worden, indem nur noch Tiermehl von “warmblütigen Landsäugetieren“ verboten blieb, Geflügel-, Fleisch- und Blutmehl hingegen wieder zugelassen wurde – zweifelsohne ein Beispiel für die übliche Klientel-Politik der EU! Aber der bayrische Angriff verwundert denn doch, zumal sie als notorische Besserwisser nicht nur die Vorschriften aus Brüssel stets schroff zurückgewiesen, sondern die Bundesregierung sogar aufgefordert hatten, gerichtlich gegen die EU vorzugehen!
Dass im Schwarze-Peter-Spiel u. a. auch die Bauern, ob ihrer Blauäugigkeit bezüglich des Tierfutters, sowie die Verbraucher wegen ihrer ewigen Jagd nach billigen Fleisch-Sonderangeboten eine Rolle spielen, sei noch hinzugefügt. Merkwürdig nur, wie still es um die Futter-mittelhersteller blieb! Vielleicht hat ja ein Leserbriefschreiber in der Braunschweiger Zeitung (“BZ“) mit der Vermutung Recht, dass der Grund dafür in emsiger Lobby–Arbeit mittels DM/Euro liegt … Für gegenseitige Schuldzuweisungen blieb aber nicht viel Zeit, denn der Verbraucher musste wieder auf Vordermann gebracht werden! So schlagen denn jahrelanges Nichtstun und endlose Verschleppungsmanöver um in aberwitzige, hektische Betriebsamkeit. Nach umgehend angeordneten Rückrufaktionen werden die Fleischregale in den Supermärkten leer geräumt. Man überschlägt sich förmlich mit medien-wirksamen Hinweisen auf “Sofortmaßnahmen“ und “Eilverordnungen“, auf eilig gebildete “Krisenstäbe“, die ihre “Krisensitzungen“ ab-halten. Als wolle Deutschland nun EU–Musterknabe werden, wird in vorauseilendem Gehorsam die EU-“Dringlichkeitsverordnung“ vom Dezember 2000: “Alle über 30 Monate alten geschlachteten Rinder sind auf BSE hin zu untersuchen“ 3 Wochen früher umgesetzt als not-wendig. Und was das Alter der untersuchten Tiere anbelangt, so geht man noch einen Schritt weiter und setzt es auf 24 Monate fest, was die Zahl um jährliche 300.000 erhöht und entsprechende Kosten verursacht. Zweifellos Augenwischerei, denn die Tests zeigen erst bei ca. 24 Monate alten Tieren den Ausbruch der (bereits schon vorhandenen) Krankheit an, und die meisten der geschlachteten Rinder haben das Alter noch gar nicht erreicht! – Der aufgeregte Tanz rund um den Verbraucher nimmt zum Teil absurde Züge an: So werden Rufnummern eingerichtet, unter denen sich die Verunsicherten informieren können; für die ganz Verzweifelten gibt es Sorgentelefone. Eine Ausuferung von Depressionen kann man jetzt am wenigsten gebrauchen!

Nach dem größtmöglichen Rindfleisch–Gau stellt sich nun die große Frage: WAS ESSEN WIR JETZT? Außer ein paar todesmutigen Politikern aus “Rindfleisch–Ländern“ wie Sonnleitner und Gabriel, die sich – aus gutem Grund öffentlichkeitswirksam – weiter “leckere Steaks“ munden lassen, erlaubt sich der verunsicherte Normalverbraucher erst viel später wieder die so schmerzlich vermissten Gaumen-freuden. Unterdessen muss die Fleisch–Lücke irgendwie anders gefüllt werden, zumal auch auf landestypische Fleisch- und Wurstwaren wie Norddeutsche Bregenwurst, Hirn-, Milz – und Brieswurst, Saure Rolle, Meng- und Mischwurst sowie – eine Katastrophe für Bayern – auf die so beliebte Weißwurst verzichtet werden muss. Diese enthält nämlich u. a. “gekochte, ausgelöste Kalbskopfteile mit Haut“!
Was bietet sich also an? Natürlich Geflügel, allen voran “Pute“, die ist so schön mager! Darüber vergisst man dann schon, dass den Tieren die Beine wegknicken, wenn ihr Körper zu schwer wird. Gut übrigens, wenn nicht zum Verbraucher durchdringt, dass beim Puten-Fleisch auch das potenziell Krebs auslösende “Nifursol“ – mit EU-weiter Erlaubnis dem Futter der Jungtiere vorbeugend beigemischt – die Nah-rung “anreichert“. Da verdient die Pharmaindustrie ganz schön mit – was vor allem im Jahr 2001 der Fall war, als sage und schreibe 330.000 Tonnen dieses Geflügels auf bundesdeutschen Tellern landeten! Auch mehr “Schwein“ muss jetzt sein. Hund und Katze werden noch verschont, aber – wer hätte das gedacht! – das Pferd gelangt zu neuen kulinarischen Ehren. “Feinschmecker geraten ins Schwärmen, wenn sie von Pferde-Rollbraten oder Hengst-Gulasch berichten.“ (BZ, 15.02.01). Die ganz Pfiffigen lassen sich was Exotisches schmecken. Hier ein paar Kostproben: Straußenhalssuppe, Krokodil im Reis-Teig-Mantel, Känguruh auf Himbeersoße, Steak vom Krokodil, von Büffel, Bison, Antilope und Emu: “Wegen BSE und MKS haben deutsche Importeure in Texas 250.000 kg Emu-Fleisch bestellt. Das sei der größte Auftrag für die Emu-Industrie, heißt es.“ (BZ, 18.04.01). Selbst Rüdiger Bischoff, Geschäftsführer des Fleischerdienstes Braunschweig (beliefert ca. 500 Fachhändler) mochte da nicht mehr recht mitma-chen: “Was zurzeit auf dem Markt gehandelt wird, nimmt schon perverse Züge an. Da wird neuerdings nach Nutrias gefragt, und Bisam-ratten sind schon ausverkauft, wir kriegen auf dem ganzen Markt nichts mehr! Auch der Markt für Strauße ist ziemlich leer gefegt, die Farmen in Namibia können nicht mehr liefern.“ (BZ, 15.02.01) – “Not macht erfinderisch“, heißt es. Setzt man statt “Not“ : “Sucht“ ein, so macht man das Zitat wohl passend für den Zusammenhang! Jedenfalls nimmt man einigermaßen fassungslos zur Kenntnis, dass der über-wiegende Teil der Gattung homo sapiens fast zwanghaft am Fleischessen festhält – als koste es das eigene Leben, wenn man drauf ver-zichtet!

Volkswirtschaftlich gesehen leistet man sich da allerdings ein teures Vergnügen. Denn: Zumal in der industrialisierten Landwirtschaft, in der Lobbyisten ein System der Ausbeutung aufrechterhalten und betrügerische Machenschaften mehr oder weniger an der Tagesordnung sind, bleiben auch kostenträchtige Skandale nicht aus. Unbestreitbar dürfte sein, dass sie – und dies nicht zu knapp – mit ein Grund für die verbreitet leeren Kassen sind! Zweifellos ein Tabu-Thema erster Ordnung, denn das Räderwerk Fleisch–Produktion/- Konsum muss am Laufen gehalten werden, koste es, was es wolle! Die BSE-Krise wird in der nächsten Ausgabe abschließend noch unter dem wichtigen Faktor Kosten dargestellt. Vegetariern/Veganern wird hier übrigens besonders drastisch vor Augen geführt, dass sie als Steuerzahler – über die bekannten Subventionen hinaus – wie selbst-verständlich für die privaten Gaumenfreuden ihrer Mitbürger/innen ebenfalls zur Kasse gebeten werden!

Chronik der Fleisch-Skandale
BSE (Teil III)
von Margret Giese, Wolfenbüttel

– Die genannten Informationen habe ich vor allem der Braunschweiger Zeitung (BZ) entnommen. Die jeweiligen genannten Kosten, zu-nächst durchweg Schätzungen, mögen sich noch nach oben oder unten bewegt haben – entscheidend ist, einen Eindruck von ihren Dimen-sionen zu bekommen! Damit sie nicht im leeren Raum stehen, werden nähere Erläuterungen hinzugefügt. Wenn auch sicher nicht alle Kosten über die Medien veröffentlicht bzw. von mir wahrgenommen wurden, so lässt bereits der Umfang der hier aufgeführten ahnen, wie tief greifend der “Faktor Fleisch“ die Volkswirtschaft insgesamt belastet. Die Angaben beziehen sich auf die EU sowie auf Deutschland im Besonderen, z. T. unter Berücksichtigung des Landes Niedersachsen (Konzentration der Massentierhaltung!).

I. Ausgleichszahlungen an die Rindermäster
Als Entschädigung für die Einbußen bei “vorsorglich“ durchgeführten Schlachtungen sowie wegen Rückgang des Fleischkonsums.
Frühjahr 1997: - Deutschland: 1,2 Milliarden DM, darunter 10 Millionen als Ausgleich für die zwangsweise Tötung von 5.200 importieren Mutterkü-hen aus Großbritanien und der Schweiz, die später übrigens juristisch geahndet wurde, da kein ausreichend “vernünftiger Grund“ vor-lag! (Tierschutzgesetz!) Dazu 190 Millionen DM aus EU-Mitteln. - EU-weit: 950 Millionen DM (Unklar ist, ob damit auch der Ankauf von ca. 500.000 Tonnen Rindfleisch finanziert wurde, die am Markt nicht abzusetzen waren)! - Niedersachsen (mit 1 Million Rindern zweitgrößter Rinder-Bestand! Extra-Zuwendung an die Mäster von 5 Millionen DM. – Im Januar`01 Entschädigung eines Mästers von 450.000 DM (aus der Tierseuchenkasse) für die Tötung von 273 Rindern (nur eins davon hatte BSE!) – Im gleichen Monat wird ein “10 Millionen-Programm für in ihrer Existenz bedrohte Betriebe“ aufgelegt. - Es steht zu vermuten, dass bundesweit auch an andere Betriebe, in denen nach jeweils nur einem (!) BSE-Fall die ganze Herde umge-bracht wurde, Entschädigungen zugingen; darunter für 1.000 Tiere in Mücheln bei Mersburg, die alle auf einmal “zum Schafott ge-führt“ wurden. – Ende Januar 01 waren bereits 2.000 Rinder (mit 19 BSE-Fällen) getötet worden.

II. Kosten für europaweite BSE-Tests
(Anm.: Die Tests geben keine 100 %ige Sicherheit!) - Pro Test werden zwischen 200,- und 400,- DM veranschlagt.
- EU-Nachtragshaushalt für 2001: Ca. 1,9 Milliarden DM (= fast 1 Milliarde €). Deutschland muss dafür einen Anteil von 500 Millionen DM übernehmen. – EU-Kommissar Fischler schätzt jedoch die Mehrausgaben der EU auf 3 Milliarden € (= knapp 5,9 Milliarden DM)! Damit soll auch die “Vernichtung“ von Hunderttausenden Rindern finanziert werden. – Die Tests sollen ab August 01 auf alle Schlachttiere ausgeweitet werden, z. B. Schafe und Ziegen. Ebenfalls Einbeziehung allen erlegten Reh – und Damwildes! (Notiz im Februar`01: „In vielen Wildfütterungen wird bis heute Tiermehl verfüttert“. (!) - Deutschland (Prognose noch vor dem “Super-Gau“, seitens des damaligen Bundeslandwirtschaftsministers Funke): 5,4 Millionen Rinder, pro Test ca. 200,- DM=1,8 Milliarden DM

Ein Jahr später:
Kaum meint man, nun endlich das verlorene Vertrauen des Verbrauchers durch flächendeckende Testprogramme wieder gewonnen zu haben, kommt bereits der nächste Skandal: Bei Zehntausenden Tests an “jungen Schlachttieren“ in Privatlabors von Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bremen und Nordrhein-Westfalen werden skandalöse Schlampereien festgestellt. Im Februar 2002 werden bereits 12 private BSE-Testlabors geschlossen und 652 Tonnen Rindfleisch “vorsorglich“ sichergestellt. Frau Künast kündigt daraufhin bundesweit einheitliche BSE-Testkontrollen an. Das Kind ist aber nun schon in den Brunnen gefallen! Die Folge: EU-Rückforderungen in Millionenhöhe sind so gut wie sicher. Aber es gibt ja Steuerzahler ... (Anm.: Meines Wissens wurde über die Kosten dieses erneuten Skan-dals Stillschweigen bewahrt).

III. Kosten für den Ausbau der Laborkapazitäten (einschl. Personalkosten) zur Durchführung der Tests
- Bsp. Schleswig-Holstein: Zitat: “Die Kosten werden in die Millionen gehen“. Geschätzt: 19 Millionen DM. (Wohl ähnliche Kosten, z. T. sicher höhere, in den anderen Bundesländern).

IV. Kosten für das Rinder- „Ankaufs- und Vernichtungsprogramm“
- EU-weit über 2 Millionen Tiere
- Anteil Deutschland 400.000 Tiere
- EU-Gesamtkosten: ca. 2,1 Milliarden DM
- Kosten Deutschland: bis zu 650 Millionen DM
(davon Anteil Bund : 362 Millionen DM; die restlichen Kosten übernimmt die EU)
- Bsp. Niedersachsen: geschätzte 10 Millionen DM zusätzlich (u. a. Ausgleichszahlungen für Kurzarbeiter in den Schlachthöfen; Kosten für „Überwachungsprogramm des Landwirtschaftsministeriums“ etc.)
- Bspl. Landkreis Wolfenbüttel (Nieders.): 30.000 bis 40.000 DM für extra einzurichtende Tötungsplätze (Blutorgien also bis in den hintersten Winkel ...)

Über das zweite „Vernichtungsprogramm zwecks Marktbereinigung" – auch die „Herodes-Prämie“ für Kälber war im Gespräch – sowie über die anfallenden Kosten erfuhr die Öffentlichkeit so gut wie nichts. Kein Wunder – mittlerweile waren z. B. in Deutschland einige Strafanzeigen gegen das Künast-Ministerium eingegangen. – Makabre Züge trägt zweifellos der Vorschlag, die Mägen der hungernden Bevölkerung z. B. Nordkoreas und Russlands mit (BSE-getestetem) Rindfleisch zu füllen. Es hatte sich auch dorthin herumgesprochen, dass besagte Tests nur eine Scheinsicherheit bieten. Daher wurde die preiswerte Gabe am Ende empört zurückgewiesen.

V. Ausgaben für BSE-Forschung
- EU, November 1996: 96,3 Millionen DM
- Deutschland (1993 bis 2001): 10 Milliarden DM
- Wahrscheinliches (noch nicht abgeschlossenes) Millionen-Programm: Tierversuche mit Java-Affen im Primaten-Zentrum Göttingen über mehrere Jahre: gezielte Fütterung mit BSE-verseuchtem Fleisch (Kosten: EU)
- Wahrscheinliches (noch nicht abgeschlossenes) Millionen-Programm mit 50 Kälbern auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern); seit Januar 2002, über 4 Jahre. (Verseuchungsstrategie siehe oben.) Kosten: vermutlich Bund.
- EU-Screening-Programm mit 18.000 Schafen (Dauer , ab Januar 2002: 18 Monate) (Verseuchungsstrategie siehe oben.) - Kosten unbekannt; vermutlich ebenfalls Millionen-Programm.

- Die Zeitschrift Schrot & Korn berichtet in ihrer März-Ausgabe 2002: „Als Folge der BSE-Krise hat das Bundesministerium für Bil-dung und Forschung (BMBF) das vorübergehend eingestellte Förderungsprogramm zur Diagnostik von „übertragbaren, schwammar-tigen Hirnaufweichungen“ (Abk. TSE) wieder ausgeschrieben. Dabei sind hohe Summen im Spiel. Das BMBF finanziert - die Koordination der nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten mit 5 Millionen Euro - mit weiteren millionenschweren Forschungsgeldern die Therapie der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJK) und - die TSE-Diagnostik an lebenden Tieren.

VI. Kosten für die Entsorgung von 'Tiermehl' sowie der Altbestände von Futtermitteln
Deutschland: Geschätzte 190 Millionen DM; teilweise erbitterter Streit über die Kostenverteilung zwischen der Bundesregierung und vor allem Niedersachsen, das jetzt die Folge der Massentierhaltung von Rindern besonders zu spüren bekommt.
(Schätzung: 40 Millionen DM.)

Wie sieht nun die Realität aus, die sich hinter den Zahlen verbirgt? Schwer erträglich liest sich, was über Niedersachsens Entsorgungspro-gramm berichtet wird: ca. 50.000 Tonnen 'Tiermehl' werden in den Hausmüllverbrennungsanlagen u. a. in Hameln und Braunschweig sowie im Kraftwerk Buschhaus bei Helmstedt verbrannt. Hier werden täglich 80 Tonnen angeliefert. Und so geht das Ganze vor sich: Das Tiermehl wird „als Zuschlagsstoff zur Braunkohle verfeuert. Es wird mit Klärschlamm versetzt, um die Staubentwicklung gering zu halten, und dann unmittelbar auf das Kohlelaufband geschüttet. Da das Tiermehl einen hohen Brennwert hat, weit höher als Braunkohle, ist es ein idealer Zusatzstoff“. Auf die Frage, warum man dort Klärschlamm und Tiermehl mit ins Programm nimmt, antwortet der Gesprächspartner kurz und bündig: „Neben dem Umweltaspekt sind es zwei Gründe: Weil die Entsorgung Geld bringt und weil die eigenen Kohlevorräte dadurch länger reichen.“ – Auf eine kürzere Formel kann man wohl dies Beispiel einer modernen Mensch-Tier-Beziehung nicht bringen.

Aber auch andere können da mithalten: Findige Köpfe kamen nämlich auf die Idee, den Tierkörper, statt ihn geraspelt und zermahlen zu verbrennen, in einen anderen Aggregatzustand, nämlich den einer zähflüssigen Masse zu verwandeln und diese der Autoindustrie preiswert als Schmierstoff anzubieten. Unter der Überschrift „Vom Tierkadaver zu umweltverträglichem Kühlschmierstoff“ berichtete die BZ im Dezember 2000 von diesem gemeinsamen Projekt der Technischen Universitäten Braunschweig und München. Da der bundesdeutsche Bedarf an Kühlschmierstoffen bei 70.000 bis 80.000 Tonnen jährlich liegt, wird man dankbar zugreifen! Ebenso die chemische Industrie, die ihr Kontingent an Tiernutzung, z. B. bei Tierversuchen, noch abrunden kann, indem sie die – für ihren Bedarf nutzbaren – ungesättigten Fettsäuren dem Kreislauf ihrer segensreichen Tätigkeiten zuführt. Das sieht wohl auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt so, die das Projekt mit 900.000 DM fördert! Immerhin kann so – wie gut für die Umwelt! – z. B. der Autoverkehr problemloser rollen, denn wer weiß, wie lange die fossile Energiequelle Öl noch reicht!

VII. BSE und cVJK, die dem BSE verwandte Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Ein Ausblick.
Seit geraumer Zeit herrscht an der „BSE-Front“ eine gespenstische Ruhe. „Nur keine schlafenden Hunde wecken“, scheint die Devise. Entsprechend rückläufig sind auch die Angaben über weitere BSE-Fälle; nur ganz vereinzelt und sozusagen mit der Lupe kann man sie entdecken. Da braucht man dann eine kritische Sendung wie MONITOR (ARD), um (am 23.01. dieses Jahres) zu erfahren, dass sich die Zahl der BSE-Fälle bis zu dem Zeitpunkt in Deutschland bereits auf 237 erhöht hatte. Nur scheinbar ist also alles wieder im alten Geleise! Auch auf der Grünen Woche in Berlin war BSE kein Thema mehr. Wie der Teufel das Weihwasser scheint man offenbar jedes Sterbens-wörtchen über BSE und erst recht über vCJK zu meiden. Vorerst ist – laut MONITOR – in Deutschland (zumindest offiziell) nur ein An-stieg der Alzheimer Krankheit sowie der alten Variante der Krankheit (CJK) festzustellen, die es schon länger gibt (ca. 100 Fälle pro Jahr)! Kein Zweifel besteht wohl daran, dass vCJK einer tickenden Zeitbombe gleicht. (In England sterben immer noch Menschen daran!)

„Rinderwahn – Symbol einer irren Politik“, titelte die BZ im August 1999 ebenso treffend wie beziehungsreich. Ob „die Politik“ mittler-weile Vernunft angenommen hat? Den Ankündigungen zufolge soll sich ja ein Wandel in der EU-Agrarpolitik vollziehen, weg von der jahrelangen Devise „Hauptsache Masse produzieren, und zwar billig“; und: Wer viel produziert, kriegt als Geschenk noch Subventionen oben drauf! Es ist zu hoffen, dass wenigstens die größten Übel beseitigt werden und dass nicht neue hinzukommen, wenn der EU (ab 2004) 25 Mitglieder angehören! Vor allem wird auch die Bundesregierung daran zu messen sein, inwieweit Taten den wiederholten Versprechun-gen folgen, dass eine Agrarwende den ökologischen Durchbruch (einschließlich verbessertem Tierschutz!) bringen soll. – Vielleicht kann ja diese Studie dazu beitragen, die allgemeine Entwicklung auf dem Agrarsektor aufmerksam und kritisch zu begleiten!

Chronik der Fleischskandale – Teil IV

Nach Sichtung und Auswertung aller – über mehrere Jahre gesammelter – Zeitungsartikel mit Informationen über immer neue Fleischskandale komme ich zu dem Schluss: Das “Schuld–Register“ der Menschheit im Umgang mit den zu reinen “Fress–Objekten“ degradierten sog. Nutztieren ist übervoll. Und es erhebt sich die Frage, wann und in welcher Form wir die Quittung bekommen für das fortgesetzte Morden tierlicher Existenzen – in Größenordnungen, die im wahrsten Sinne des Wortes erschauern lassen. Dies umso mehr, als das Massenmorden bei immer neuen Seuchenausbrüchen mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit vor sich geht, ohne jegliches Unrechtsbewusstsein, und so, als hätte man es mit seelenlosen Gegenständen zu tun. Diese Rücksichtslosigkeit verhindert wohl auch, dass “Zeichen an der Wand“ ernst genommen werden, wie z.B. die durch BSE heraufbeschworene Creutzfeld-Jakob-Krankheit! – So wird die letzte Eintragung im folgenden Nachweis von Skandalen und Katastrophen leider noch nicht die allerletzte gewesen sein....

Die bewusst chronologisch, d.h. nach ihrem zeitlichen Ablauf zusammengestellte Liste zeigt deutlich, wie zunehmend schnell die – sämtlich menschengemachten – Katastrophen aufeinander folgen – immer unheilvoller für die Tiere, und in vieler Hinsicht ein Abbild menschlicher Bosheit bis hin zu krimineller Energie. Als Inbegriff skrupelloser Machenschaften zieht sich “BSE“, neben allem anderen, wie eine rote Blutspur durch die Jahre – eine bleibende Mahnung an die Menschheit.

Die nüchternen Angaben über massenhafte Tiertötungen dürfen nicht die qualvollen tierlichen Einzelschicksale vergessen lassen. Diese Studie wurde auch im Gedenken an die vielen einzelnen unschuldigen Opfer verfasst.

Gleichgültig, in welchem Land die Tier–Tragödien ihren Anfang nehmen: In der heutigen Zeit mit ihren täglichen Irrsinns–Transporten kreuz und quer zu Zucht- und Mastbetrieben oder zur “Endstation Schlachthof“ – sind bei ausufernden Fleischskandalen letztlich mehr oder weniger alle betroffen, Tiere wie Menschen, wo immer sie jeweils vegetieren oder wohnen. Der Massentourismus tut dann noch sein Übriges, um z.B. Seuchen zu verbreiten. Es beginnt mit:
- September´96: Schweinepest in den Niederlanden. 30 000 Tiere werden getötet.
- Dezember´96: Tierarzneimittel – Skandal.
Trotz mehrjährigen Verbots weiterer Einsatz des giftigen Antibiotikums Chloramphenicol (CAP) in der “Tiermast“.
- Januar´97: Ausbruch der Schweinepest in Niedersachsen (Kreise Vechta, Cloppenburg, Lüchow- Dannenberg = Hochburgen der Massentierhaltung!) – Trotz Nachweises der Pest in nur 3 Betrieben werden in weiteren 26 Nachbarbetrieben “vorsorglich“ ebenfalls sämtliche Tiere getötet (“Radius-Keulung“). – Damit müssen insgesamt 12000 Tiere ihr Leben lassen. (Anm.: Eine lang anhaltende Schweinepest gab es bereits in den Jahren 1993 – 1996 in den gleichen Kreisen!)
- Januar´ 97: Zur gleichen Zeit Schweinepest im Kreis Paderborn. Fast 6000 Tiere müssen
“vorsorglich“ sterben. (“Vorsorglich“: Durch sämtliche Tötungs – Berichte zieht sich dieses Unwort im Zusammenhang mit den Zahlenangaben der getöteten Opfer. Die unsäglichen Beseitigungs-Orgien verschonen übrigens auch nicht die Tausende von Tieren in Beständen, in denen kein einziges Tier Auffälligkeiten zeigt! Wie besessen ist man offenbar bemüht, den
Fleisch - Verzehrer bei der Stange zu halten). Bei der Suche nach dem Sündenbock für das Desaster das bekannte Ablenkungs-Ritual; diesmal in der besonders lächerlichen Version, Krähen hätten an einer Wildschwein-Leiche gepickt und die Seuche eingeschleppt – wohlgemerkt bei modernsten Sicherheitsvorkehrungen! Auf dass nur keiner auf den Gedanken kommt, die krank machende Massentierhaltung sei der Grund!
- Mai´97: Erneut Schweinepest in den Niederlanden, “mit vielen Notschlachtungen“.
- 1997: Ausbruch der “Hühnergrippe“ in Hongkong (s. auch später SARS). Ausbreitung nach Vietnam, Singapur, Kanada. Grausame Tötung von über 1 Million Hühnern; 6 Menschen sterben.
- Juli´97: Betr. US – Hormonfleisch. Gefahr der Aufweichung des EU-Verbots durch die Welthandelsorganisation WTO (“Kein wissenschaftlicher Beweis für gesundheitliche Risiken...“)
- Juli´97: USA: Durchseuchung von Hackfleisch–Hamburgern mit Kolibakterien. Fast 80% enthielten Mikroben, die überwiegend durch Fäkalien verbreitet werden. (Bereits 1993 ungewöhnliche Häufung von Kindern mit blutigem Durchfall, verursacht durch verunreinigte Hamburger! Über 700 Personen erkrankten, 4 starben.) Der betr. Krankheitserreger ist heute in den USA der häufigste Grund für Nierenversagen bei Kindern.
- 14.07.´97 (“Spiegel“): “Die Drahtzieher der berüchtigten belgischen Hormonmafia sorgen seit Jahren für Skandale im Fleischgeschäft.“
- Januar´98: Schweinepest in der “Zuchtfabrik“ Losten (Landkreis Nordwestmecklenburg). Tötung von 62 000 Schweinen. – Ausbreitung nach Niedersachsen durch Belieferung mit Ferkeln. Dort “vorsorgliche“ Tötung von ca. 300 Ferkeln und “Mastschweinen“ sowie von 1060 weiteren Schweinen in drei benachbarten Betrieben.- Bilanz nach Ende der Ausbreitung in insgesamt vier Bundesländern: Massenmord an 86.000 Tieren. Kosten dieser Pest: 2,3 Millionen DM.
- Oktober´98: Kälbermast – Skandal (Einsatz verbotener “Mastbeschleuniger“). Betroffen über 500 Kälber im Emsland und im Kreis Vechta.
- Oktober´98: Schweinepest in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. 17.500 Tiere werden getötet.
- Dezember´98: Ausbruch der hoch ansteckenden Tierseuche “Aujeszkysche Krankheit“. (Herpes-Virus). Ausbreitung von einem Schweinezuchtbetrieb im Kreis Ostholstein auf 12 Betriebe in Schleswig – Holstein und 6 weitere in Niedersachsen und Hessen (Belieferung mit „Jungsauen“).- “Keulung“ von ca. 4000 Tieren. (Sündenbock diesmal ein in Ostholstein gefundener infizierter Fuchs...).
- 17.03.99: (ZDF/“Kennzeichen D“): Dioxin-verseuchtes Fleisch gefunden. (Herkunft?)
Dioxin: hoch gefährliches Umweltgift, das sich bei der Aufnahme laufend im Körper anreichert. Massive Schädigung des Immunsystems, der Schilddrüse etc.) – Das bis zu 2000fache der - von der EU erlaubten – „normalen Umweltbelastung“! – In Deutschland existieren nicht einmal Grenzwerte für Dioxin.
Darüber hinaus wurde massenhaft Bakterien–verseuchtes “Geflügel“–Fleisch gefunden. Bei ca. 80% der “Hähnchen“ Eitererreger im Fleisch.
- Mai´99: Gutachten betr. US – Hormonfleisch: Krebsgefährdung; Beeinträchtigung der Entwicklung Heranwachsender! (Die EU rechtfertigt das Einfuhrverbot).
- Mai´99: Erneuter Ausbruch der Schweinepest in Niedersachsen. Über 1600 Tiere werden getötet.
- Mai´99: Tatort Belgien: Es bahnt sich der nach BSE größte Lebensmittelskandal an. Hohe Dioxin–Konzentrationen in Hühner- , Rind- und Schweinefleisch sowie in Eiern (Lieferung von verseuchtem Futter auch nach Deutschland), - Wie üblich in solchen Fällen: Vertuschung seitens der belgischen Regierung, “um den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten“. – Da ist auch die CMA, das Sprachrohr der deutschen Fleischindustrie, schnell zur Stelle, die dafür sorgen muss, dass den Leuten der Appetit nicht vergeht: “Bunte Schenkel vom Hähnchen, pikant gewürzt“ lautet eine umgehend geschaltete bebilderte Rezeptempfehlung. Vielleicht ein belgisches Hähnchen, wer weiß? Wie auch in solchen Fällen üblich, sind schon längst PCB–Beigaben z.B. zu Geflügelfleisch–Hamburgern und –pastete in den Verbraucher-Mägen gelandet; da spielen die betr. Schenkel auch keine Rolle mehr.
- Juni´99: Aber es kommt noch “besser“: Alsbald wird noch das Umweltgift PCB (Polychlorierte Biphenyle) in Fleisch und Eiern gefunden. (In Letzteren 2000fache Überschreitung des Grenzwerts!).
- 15.07.99: (ZDF “Frontal“): “Der Fleischhandel strotzt vor krimineller Energie“;“Gifte in aller Munde“.
- Juli´99: Dioxinfunde in etlichen EU-Ländern, jedoch: “Übereinstimmend wurde erklärt, eine Gesundheitsgefahr für die Konsumenten bestehe nicht.“ (Auch dies ein volksverdummender Slogan, der sich durch sämtliche amtliche Äußerungen nach Aufdecken von Lebensmittel – Skandalen zieht; das Komplott von Fleisch–Mafia und Politikern macht´s möglich).
- - Mittlerweile beherrscht BSE die Gazetten –
- Januar´01: Schweinemast - Skandal in Bayern. Illegaler Verkauf von Tierarzneien in Deutschland und Österreich durch Tierärzte. (Antibiotika, Hormone als Wachstumsförderer, zum schnelleren Erreichen des Schlachtgewichts.) – Der Verbraucher “braucht wiederum nicht beunruhigt“ zu sein, handelt es doch nur um folgende (übrigens noch EU-weit erlaubte!) Futterzusätze: Avilamycin (für Schweine, “Masthühner und –puten); Flavophospholipol (für Rinder, Schweine, “Geflügel“, Kaninchen); Momemsin – Natrium (nur für “Mastrinder“) und Salinomycin-Natrium (für Schweine). Weitere Antibiotika werden in großem Umfang zur Krankheits-Prophylaxe verschrieben und verkauft. (Landet ja alles irgendwann auf den Verbraucher-Tellern...) - Mal sehen, ob sich die EU mit ihrer Absichtserklärung, ab 2005 oder 2006 alle Antibiotika zu verbieten, z.B. gegen den Bundesverband für Tiergesundheit (!) – Vertreter von z.B. Tierarzneimittel–Herstellern– durchsetzen kann, der bereits von “einem Akt blinder Regulierungswut“ spricht.....
- Februar´01: Ausbruch eines Supergaus – der Maul– und Klauenseuche (MKS), wiederum, wie BSE, in Großbritannien, wo man das erneute, hausgemachte Unglück nicht fassen kann. (Wegen des Umfangs sowie der grundsätzlichen Bedeutung der damaligen Vorgänge erfolgt eine gesonderte Darstellung im nächsten Heft, im letzten Teil dieser Serie!)
- September´01: In 14 von 19 (durch Greenpeace untersuchten) Putenschenkeln finden sich Antibiotika in den Knochen (Dazu Greenpeace: “...grauenhafte Zustände in den Putenmastanlagen...)“ (Anm. Während der BSE–Krise wurde vor allem auf Putenfleisch zurückgegriffen; Anstieg um bis zu 20%!)
- Oktober´01: Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz informiert über Salmonellen–verseuchtes Fleisch (bei “Masthähnchen“ rd. 20% des kontrollierten Fleisches!) Auch Eier sind betroffen. Salmonellen können schwere Darminfektionen auslösen!
- Januar´02: “Fischmehl – Skandal“: Mit dem Antibiotikum Chloramphenicol (CAP) belastete Fischabfälle aus den Niederlanden wurden in Cuxhaven zu Futtermitteln verabeitet (z.B. in einem Schweinemastbetrieb in Sachsen-Anhalt verfüttert). CAP führt beim Menschen u.a. zu einer Störung des Blutbildes. – Vorwurf an das Künast–Ministerium: Trotz abgegebener Versprechen, Weitergabe der Information verschleppt!
- Januar´02: Mit verbotenem Antibiotikum belastetes Kalbfleisch aus den Niederlanden findet sich in Niedersachen und Nordrhein-Westfalen wieder.
- Februar´02: Mit CAP verseuchte Riesengarnelen in den Regalen von Rewe und Spar. (Rückrufaktion)
- Februar´02: “Als Folge zu großzügigen Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung sind Erreger resistent geworden.“ (U.U. dramatische Auswirkungen in der Medizin, die auf Antibiotika angewiesen ist!)
- März´02: (Magazin der Frankf. Rundschau): Escheria coli 0157:H7 – ein potenziell tödlicher Krankheitserreger – wird immer wieder in Lebensmitteln, vor allem Fleisch, gefunden.
- Mai´02: Der Nitrofen- (Futtermittel-) Skandal (Nitrofen = Krebs erregendes Pflanzengift). Nachweis in Fleisch und Eiern; Anfang März bereits - ,mit dem 10fachen des Grenzwerts – in Putenfleisch aus Niedersachsen gefunden.
Auf diesen Skandal, in den auch die Bio–Branche mit hineingezogen wurde, wird ebenfalls ausführlicher in der nächsten Ausgabe eingegangen.
- Juni´02: Nitrofurane (in der EU verbotene Antibiotika in der “Tierzucht“) werden in Hamburg
und Hessen in Geflügelfleisch aus Brasilien gefunden.
- November`02: Ausgehend von der südchinesischen Provinz Guangdong, Ausbruch von SARS (“Schweres akutes Atemwegssyndrom“, eine u.U. tödliche Lungenkrankheit, gegen die noch kein Mittel gefunden wurde.): “Die 1. globale Epidemie des 21. Jahrhunderts“ (WHO).
Auch dazu Näheres in der nächsten ZEITENWENDE!
“SARS“ beherrscht vorerst die Berichtserstattung in der Presse -
- Januar´03: 120 Menschen in der Republik Kongo werden durch das Ebola-Virus getötet
(Verzehr von infiziertem Gorilla-Fleisch).
- November´03: Antibiotika–Funde in Millionen von Eiern (betroffen 7 niedersächsische Legehennen-Betriebe mit 44000 (!) Hennen). Sämtliche Eier werden vernichtet. (Über die Hennen erfährt man nichts). – Grund: menschliches Versagen. Der Futtermittel-Hersteller Miavit (Kreis Cloppenburg) versetzte die Futtermittel versehentlich mit dem Mittel Lasalocid. – Stellvertretend für anderen behördlich veröffentlichten Schwachsinn, hier ein Zeitungs-Zitat: “Das Antibiotikum ist nach Behördenangaben nicht gesundheitsschädlich. Es ist jedoch in Lebensmitteln verboten, damit Menschen beim Verzehr keine unbeabsichtigten Resistenzen gegen den Stoff aufbauen und dieser später in Arzneimitteln unwirksam wäre.“ Auch eine dieser Beruhigungspillen!
- Januar´04: Ausbruch der Vogelgrippe in Asien. Ausgang bereits im November 2003 in Indonesien; auf Druck der “Geflügel“–Industrie Geheimhaltung!– Seit August 2003 starben dort bereits 4,7 Millionen Hühner an der Newcastle–Vogelkrankheit und an Geflügelpest, bzw. sie wurden umgebracht. – Verbreitung der “Vogelgrippe“ nach Vietnam, Thailand, Taiwan, Japan, Südkorea, Kambodscha, Pakistan. Im Februar wird berichtet, dass ca. 80 Millionen Federtiere unter höllischen Umständen ermordet wurden (oft lebendig begraben). – Durch die entsetzliche Art der Tierhaltung, u.a. totaler Mangel an Hygiene, sind diese Länder prädestinierte Brutstätten für Seuchen jeder Art. Aus Angst, angesteckt zu werden, weigern sich in Thailand Arbeiter, die Massentötungen an Millionen von Tieren vorzunehmen. Stattdessen werden Soldaten und Häftlinge dazu abkommandiert.
Die WHO befürchtet die Entstehung einer Kreuzung aus Vogelgrippe und menschlicher Influenza, die zu einer weltweiten tödlichen Epidemie beim Menschen führen könnte.
- Januar´04: Hunderte Menschen in der Westtürkei erkranken an Trichinellose, einer Infektion, die fast ausschließlich durch Schweinefleisch übertragen wird. Da dies Fleisch zu essen den Moslems aus religiösen Gründen nicht erlaubt ist, herrscht allenthalben Panik. Der Hintergrund: Auf illegalen Farmen wurden Schweine gezüchtet und geschlachtet, deren (billiges) Fleisch heimlich gleich tonnenweise Hackfleisch, Würsten usw. beigemengt wurde. Die eilig eingesetzten Fahnder fanden z.B. inmitten von Istanbul eine Farm mit 5000 Tieren, auf der die Haltung von nur 10 Tieren erlaubt war. – Die Regierung Erdogan will nun per Gesetz alle Schweinefarmen unter Kontrolle stellen.
- Februar`04: Importverbote seitens der EU für “Geflügel“–Fleisch aus mehreren asiatischen Ländern; ebenso aus den USA, wo im Staate Delaware ebenfalls die Vogelgrippe ausbrach.

Chronik der Fleischskandale, Teil V

In diesem letzten Teil der Auflistung der Fleischskandale seit 1996 geht es um MKS, SARS und Nitrofen.

I. MKS – die Maul- und Klauenseuche
Anfällig für diese Seuche sind Schweine, Rinder, Ziegen und Schafe sowie frei lebende Huftiere wie Hirsche und Rehe.
Großbritannien, Februar 2001: Das Land stand noch ganz im Zeichen der fast 20 Jahre dauernden BSE–Tragödie, als neues Ungemach in Form von MKS über die Bevölkerung hereinbrach – nicht schicksalhaft, sondern ebenfalls hausgemacht! Wer Tiere durch rücksichtslose Ausbeutung schwächt, darf sich über die Folgen nicht wundern! – Wie heutzutage üblich, lösen Hiobsbotschaften dieser Art aus einem Land auch in so gut wie allen anderen Ländern augenblicklich Entsetzen aus, ist man doch durch die unseligen Tier-Todestransporte zu den Schlachthöfen international miteinander verflochten. Von einem Tag auf den anderen kann da ein ganzes Land in eine Art Kriegszustand versetzt
werden – der Fleischhandel macht`s möglich. Und wieder müssen auch diejenigen darunter leiden, denen der Fleischverzehr ein Gräuel ist, weil sie die Tiere als Gefährten und nicht als Fleischlieferanten betrachten! Da werden z.B. bei Verdachtsfällen ganze Regionen abgeriegelt und die Polizei tritt auf den Plan, um über die Einhaltung der Katastrophenschutz–Anweisungen zu wachen. Wie ein drohendes Menetekel sind noch die damaligen Fernsehbilder aus Großbritannien in Erinnerung, die auch in bundesdeutsche Wohnzimmer flimmerten und sicher so manchem das Wurstbrot in der Kehle stecken ließ. Dazu exemplarisch der Kommentar einer Londoner Korrespondentin zum Verbrennen von 800 getöteten Schweinen, auf einer Strecke von 40 Metern aufeinander gehäuft: “Es ist ein gespenstisches Bild. Mit Öl und Diesel getränkte Tierkadaver werden bei Eintreten der Dunkelheit von Männern an Schaufelbaggern, mit Schutzanzügen und Gesichtsmasken ausgerüstet, in tiefe Gräben gestapelt. Wenig später lodern Flammen in der klaren Frostnacht, ein Übelkeit verursachender Geruch breitet sich aus.... Straßen werden gesperrt, Schulen geschlossen und sogar umliegende Flughäfen auf die Feuer- und Rauchentwicklung hingewiesen.“ Darüber hinaus hatte diese Art der “Entsorgung“ eine gefährliche Umwelt–Relevanz, indem Dioxine freigesetzt wurden! Ende März hatte die britische Armee Massengräber für 500 000 Tiere ausgehoben. Aber dies war erst der Anfang! Allein 2001 wurden in Großbritannien wegen MKS 11 Millionen Tiere getötet und in Vernichtungsprogrammen (scheinbar) entsorgt.
Auch in den anderen Ländern, die Tiere aus Großbritannien bezogen hatten, ließen die Tötungsorgien nicht auf sich warten. In Deutschland wurden u.a. 1850 Schafe in NRW umgebracht – eines Verdachtsfalles wegen. In einer Dringlichkeitsverordnung forderte Frau Künast Ende Februar 2001 “die Tötung aller in den vergangenen vier Wochen aus Großbritannien importierten Schlachttiere“ (Zahl unbekannt). Im Mai ´01 wurde allgemein Entwarnung gegeben, doch schon am 28. August hieß es: “Zehn neue Fälle von MKS in England.“ Rund 270 Schlachttier-Transporte wurden in der betr. Gegend verboten. Es ist alles nur eine Frage der Zeit.... Und die nächste Seuche kommt bestimmt, wenn sich nichts ändert. Übrigens: Was tragen eigentlich die Kirchen dazu bei, dass den Tieren – laut Bibel ebenfalls Gottesgeschöpfe – geholfen wird? Antwort: Nichts. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ist auf den Menschen gerichtet! Verantwortung auch für die Tiere? Fehlanzeige. Wenn`s aber um die Menschen geht und ihre geistliche Betreuung, kennt der Einfallsreichtum offenbar kaum Grenzen. Beispiel Niedersachsen – Hochburg der Massentierhaltung - wo bei Seuchengefahr die Angst bei den Massentier–Haltern umgeht und sie Trost brauchen. Wer könnte den besser spenden als z.B. die katholische Kirche? Braunschwg. Zeitung, 03.04.01: “Im Bistum Osnabrück haben verschiedene Kirchengemeinden begonnen, vor den Türen ihrer Gotteshäuser Wannen mit Desinfektionsmitteln aufzustellen. Die Kirche wolle, so Hermann Haarmann, Leiter der bischöflichen Pressestelle in Osnabrück, damit auch ein Zeichen der Solidarität mit den Bauern setzen.“ – Auf Solidarität auch mit der geschundenen Tierwelt wird man dagegen wohl für alle Zeiten vergeblich hoffen!

II. SARS (Schweres akutes Atemwegssyndrom; “Lungenseuche“)
Peking, Ende April 2003: Szenen wie im Science-Fiction-Film. Das Leben in der Stadt ist zum Stillstand gekommen; die wenigen, die sich durch die Straßen bewegen, tragen Mundschutz, der sie jedoch nur notdürftig gegen Ansteckung schützt. Ein Gerücht macht die Runde, die gesamte Stadt werde abgeriegelt und sämtliche 12 Millionen Einwohner würden unter Quarantäne gestellt. Für einige Tausend ist dies bereits Realität. Die Lage hat sich derartig zugespitzt, dass sämtliche Unterhaltungsstätten, Theater, Konzertsäle, Kinos, Büchereien, Internet-Cafés und vor allem Schulen geschlossen werden. Alle Sportveranstaltungen sind abgesagt. Die Angst vor SARS, der „mysteriösen Lungenseuche“ geht um, und das bald weltweit. Lange vertuscht von den Behörden, breitete sich bereits im Herbst 2002 diese neue Variante des Grippe-Virus in Guangdong aus, der südchinesischen Provinz, als Brutstätte für Seuchen berüchtigt. Hygiene ist dort ein Fremdwort; unter erbämlichen Bedingungen leben Mensch und Tier zusammengedrängt unter einem Dach. Aber auch auf den grauenhaften Tiermärkten sind Seuchen vorprogrammiert! Von Guangdong ausgehend, breitete sich SARS blitzschnell nach Hongkong, Vietnam, Singapur, Taiwan und Thailand aus, aber auch – da genügen wenige Fernreisende, die die Krankheit einschleppen, - nach Toronto (Kanada) und Europa (u.a. Deutschland mit 7 Fällen). Ende Mai`03 gibt es weltweit bereits 240 Erkrankte und 745 Tote. Schließlich sind 30 Länder betroffen – die erste globale Katastrophe, wie es heißt. Im schlimmsten Fall, so wird gemutmaßt, werden ganze Völkerscharen dahingerafft, falls man weiterer Verbreitung nicht Herr wird. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Aber das sind besorgte Spekulationen – die Tiere hat die tödliche Realität wie immer längst eingeholt. In diesem Fall wird als Hauptursache der Verzehr der sog. Schleichkatzen angenommen. Die Folge: Diese armseligen Kreaturen müssen als Sündenböcke in großer Zahl auf grausame Art ihr Leben lassen. „Kommt SARS vom Markt der gequälten Tiere?“ titelte BILD am 10.04.03 mit einem Foto. Es zeigt u.a. Katzen, bis zu 25 Tiere in einen engen Gitterkäfig gesperrt. Dazu dieser Text: „Ihr Fell ist mit Urin und Kot verschmiert. Daneben Hühner, Echsen, Affen, Hunde. Auf diesem Tiermarkt kaufen die Restaurantköche ein. Im tropischen Süden Chinas gelten Katzen, Hunde, Vögel und Schlangen als Spezialität.“ – Und der STERN berichtet in der Ausgabe 16/2003: „Im Restaurant des Exotischen Geschmacks am Stadtrand von Kanton liest sich die Speisekarte wie eine Werbung für den Zoo: Luchse, Schlangen, Rehe, Kraniche, Ratten, Katzen.... “Wir kaufen täglich frisch auf dem Lon Chun Wai Tiermarkt“, freut sich der Besitzer. Dort gehen die Reiher, welche die Wilderer im Sumpfgebiet zwischen Hongkong und Guandong einfangen, für 250 Yuan (= 28€) über den Tisch! Viele Chinesen glauben, ihr Fleisch verlängere das Leben. Nebenan wird einem Hund das Fell abgezogen. Ein Bauer bringt Tiernachschub. Auf dem Rücksitz seines Motorrollers lassen Gänse die Hälse aus ihren Käfigen hängen, darüber hat er Hühner, Tauben, Kaninchen gestapelt. – Jeden Tag verzehren Kantonesen mindestens 10 000 Katzen. Aber heute preist ein Tierhändler Schuppentiere und Fledermäuse an.“
Bei der Suche nach weiteren Überträgern kommt man auf die Kakerlaken. Das freut die Insektizid – Produzenten: Ihre Kurse steigen an der Tokioter Börse rasant in die Höhe. Ein Profitjäger kann eben auch in Katastrophenzeiten seinen Reibach machen!

Welche Kosten verursachte SARS für die Wirtschaft Ostasiens, allen voran Tourismus, Transportwesen, Einzelhandel? Die Weltbank schätzte sie Ende April` 03 auf mindestens 15 Milliarden Dollar (= 13,7 Milliarden Euro).
Gehört nun SARS für immer der Vergangenheit an und alle können aufatmen? Mitnichten. Braunschwg.Zeitung am 07.01.04: “SARS-Gefahr: Schleichkatzen werden getötet.“ – Und am 09.01.:
“In China hat die Tötung von 10 000 Schleichkatzen begonnen. Die Gesundheitsbehörden gehen zudem gegen weitere mögliche Krankheitsüberträger vor: Auch Ratten, Mäuse, Küchenschaben, Fliegen und Stechmücken sollen vernichtet werden.“ – Ende April: “Vier Chinesen an SARS erkrankt. 470 Menschen unter Quarantäne gestellt, darunter eine Kellnerin, die Schleichkatzen serviert hat.“
Der STERN zitierte 2003 einen bekannten australischen Virologen, einer der Erforscher der sog. Hühnergrippe: “Dies war nur die Generalprobe für die nächste weltweite Epidemie.“ – Daran zweifelt z.B. nicht, wer aus dem SPIEGEL 17/2003 erfährt, dass aus den entsprechenden Regionen Ostasiens pro Woche beispielsweise 40 000 Menschen allein am Frankfurter Flughafen ankommen....

III. Der Nitrofen – Skandal
Zum Schluss noch einmal zurück nach Deutschland, zu einem Lebensmittel–Skandal, welcher der Bio–Branche so viel Ungemach bereitete und sie danach unverschuldet in Verruf brachte. In der letzten Maiwoche 2002 kam heraus, was monatelang verheimlicht worden war: Hochgradig verseuchte Bio-Futtermittel waren in großem Stil an über 100 Bio-Höfe in 5 Bundesländern verkauft und an die Tiere verfüttert worden. Damit gelangte das giftige Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen auch in Fleisch und Eier. (Nitrofen enthält das “Seveso-Gift“ TCDD, das stärkste bekannte Dioxin-Gift, ein Stoff, der im Entlaubungsmittel Agent Orange enthalten war und schon im Vietnam-Krieg schwere Missbildungen verursacht hat!) Für die Bio-Landwirte sowie die Verbraucher, die ihren Qualitätsprodukten vertrauten, brach eine Welt zusammen. Und die Attacken der Funktionäre der konventionell produzierenden Agrarwirtschaft – allen voran Bauernpräsident Sonnleitner – gegen Frau Künast und die versprochene Agrarwende ließ nicht auf sich warten! Für sie war die Affäre ein gefundenes Fressen, und der Bevölkerung wurde suggeriert, die “normal“ produzierten Lebensmittel seien offenbar die bessere Alternative. Ein leicht zu durchschauender Schachzug!! Denn schon bald wurde deutlich: Kriminelle Energie gerade der alten Agro-Seilschaften hatte zu der Katastrophe geführt! Dass auch einige Vertreter der Bio-Branche nicht den Mut hatten, die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren, bot natürlich dem Vorwand für eine Rundum-Diskriminierung der gesamten Öko-Zukunft.
Der Hintergrund: Die Handelsfirma Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG (NSP) hatte das Biogetreide gekauft und in einer Halle in Malchin (Meckl.-Vorpommern) gelagert, die früher der DDR als Pestizidlager gedient hatte. Die NSP verkaufte das Getreide weiter an den Futtermittelhersteller GS Agri in Cloppenburg. Dort wurde es weiterverarbeitet und ging an mehr als 100 Bio-Bauern. Bei einer Kontrolle wurde die 200.000fach über dem Grenzwert liegende Menge von Nitrofen nachgewiesen. Die Bio-Bauern hatten von dieser Verseuchung natürlich keine Kenntnis, wurden also unverschuldet in die Affäre mit hineingezogen! Tatsache war, dass sich alsbald auch Agrarindustrielle auf dem wachsenden Öko-Markt breit machten, denen es egal ist, womit und auf wessen Kosten sie Profite machen! Die Zeitschrift “Schrot & Korn“ (7/2002) bringt es auf den Punkt: “Bei den betroffenen Firmen – NSP, GS Agri, Wiesengold, Grüne Wiesen Biohöfe – handelt es sich um die Bio-Ableger großer konventioneller Lieferanten.“ Was an sich begrüßenswert ist – die Belieferung der großen Supermarktketten mit “Bio-Ware“ – ist verständlicherweise vor allem den strengen Richtlinien verpflichteten Bio-Bauern ein Dorn im Auge, die mit besonderem Verantwortungsbewusstsein für Mensch, Tier und Natur wirtschaften und die natürlich in finanzieller Hinsicht zu kämpfen haben. Da ist die Versuchung groß, etwa im Sinne der alles andere als strengen EU-Vorschriften zu produzieren – die übrigens auch die Messlatte für Renate Künasts Bio-Siegel sind. Ihre Absicht, Bio-Produkten zum Durchbruch zu verhelfen, hat zweifelsohne zu einer Verwässerung der ursprünglichen Standards geführt. Dazu der kritische Kommentar im STERN 21/2002: “Auch in der Öko-Branche sind Formen von Vertragslandwirtschaft entstanden: Der Auftraggeber liefert Küken und Futter und holt am Ende Eier, Fleisch und Hühnerdreck ab. Ökologisch korrekt ist das alles nicht mehr und wo solche Strukturen entstehen, kommen Futterhändler wie GS Agri oder eben die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG ins Spiel – das ganze vermaledeite System der konventionellen Agrarindustrie.... Die laschen EU–Vorschriften verleiten zum Rückfall in die alten Strukturen..... Ein EU-Bio-Bauer muss nicht einmal, wie es bei großen Verbänden selbstverständlich ist, seinen gesamten Betrieb auf ökologische Wirtschaftsweise umstellen. Wenn es lukrativ erscheint, kann er sich ein paar Öko-Säue halten, den Kartoffelacker nebenan aber mit Pestiziden traktieren.“ Das von Frau Künast propagierte “Klasse statt Masse“ könnte sich zunehmend als Wunschdenken erweisen und der Agrarwende abträglich sein!
Der Nitrofen-Skandal zog wiederum ein tausendfaches Verbrechen an den Tieren nach sich: In den insgesamt 37 Betrieben, in denen dies Gift nachgewiesen wurde, vergaste und entsorgte man über 240 000 Legehennen, 30 000 “Masthähnchen“ und über 25 000 Puten. Darüber hinaus wurden über 4000 Schweine umgebracht. Abermals Gräueltaten, die zum Himmel schreien, wie die zahllosen anderen, an die ich noch einmal erinnert habe. Am Ende dieser fünfteiligen kritischen Untersuchung stellt sich die Frage: Was muss eigentlich noch alles passieren, damit endlich – in unserem eigenen Land und darüber hinaus EU-weit – ein Umdenken stattfindet, eine radikale Hinwendung zu ethischen Standards mit Lebewesen, die sich ebenso ihres Daseins freuen möchten wie wir selbst? In letzter Konsequenz heißt dies, den menschlichen Lebensstil dahingehend zu verändern, dass man den Tieren nicht nur zu deren Lebzeiten mit Achtung begegnet und sie pfleglich behandelt, sondern dass man ihr Leben verschont! Eine Utopie, mag sein. Aber Utopien sind wie Leuchtfeuer, die dem Menschen den richtigen Weg weisen.

Margret Giese

Ob 2 Tage oder 4 Jahre alt -
es bleibt immer Gammelfleisch

A.K.T.E .- Redaktion / Harry Harper

 

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