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Skandale
Das wahre Gesicht der Fraßkultur
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Fleischskandale
auf dem Vormarsch
Zu den öffentlich stattfindenden
Diskussionen über die Rinderseuche BSE und Vogelgrippe gesellen
sich fast tagtäglich Meldungen über Gammelfleischskandale,
Funde über verdorbenes oder laut Verfalldatum lang abgelaufenes
Ekelfleisch und tierische Leichenteile dazu.
Bekannt wurde jetzt, daß Schweine in Deutschland vollkommen unkontrolliert
mit Antibiotika und Hormonen gemästet werden. Allein schon der vom
Gesetz genehmigte, krankheitsvorbeugende Einsatz der Antibiose erreicht
in Deutschland ein Volumen von 1500 Tonnen jährlich.
Medikamente über die erlaubten Regelungen hinaus eingesetzt habeEin
Nebeneffekt dieser Medikamente, die eigentlich Erkrankungen der in Massen
gehaltenen Tiere vorbeugen sollen, führte zu deren illegalem Einsatz
als Mastmittel. Denn Antibiotika fördern das Fleischwachstum der
Tiere, sparen so dem Bauern teures Futtermittel und sorgen für schnelleren
Umsatz. Dazu kommt der florierende Absatz der "Autobahn-Tierärzte",
die auf Autobahnraststätten Medikamente an Mast- und Zuchtbauern
verkaufen. Ein jetzt aufgedeckter Ring von Medikamentenhändlern,
der in Süddeutschland und Österreich aktiv war, soll allein
in dieser Region schätzungsweise 1500 Landwirte versorgt haben. Gegen
diese wurde jetzt Anzeige erstattet. Insgesamt sollen zwei Drittel der
Schweinemastbetriebe und rund 30 Prozent der Zuchtbetrieben.

Neben den Antibiotika wurden auch generell verbotene Hormonpräparate
verfüttert, die einen anabolen Effekt haben, also das Muskelwachstum
fördern. Bereits normal gemästete Schweine erreichen in 180
Tagen ihr Mastendgewicht von 100 Kilogramm und jede Verkürzung dieser
Frist durch den Einsatz der verbotenen Medikamente erhöht den Gewinn
beim Verkauf.
Die Gefahren der Antibiotika gehen dabei weniger vom Fleisch selber aus,
denn die Schweine scheiden den Wirkstoff praktisch vollständig wieder
aus. Doch durch die Ausscheidungen, als Gülle auf die Felder gebracht,
wandern die Antibiotika ins Grundwasser und bilden ein enormes Gefahrenpotential.
Die größte Gefahr liegt in der Herausbildung neuer gegen Antibiotika
resistenter Bakterienstämme. Infektionen, deren Bekämpfung noch
vor kurzem kein Problem war, können dann tödlich verlaufen.
Alle bakteriellen Erreger, die in permanenten Kontakt mit den Medikamenten
kommen, können eine Resistenz gegen die gesamte Wirkstoffgruppe ausbilden.
Demnach können Erreger, die auch den Menschen infizieren, gegen die
gesamte Antibiotikagruppe resistent werden, die ähnliche Wirkstoffzusammensetzungen
hat wie das in der Mast verwendete Medikament. Laut Süddeutsche Zeitung
vom 22. Januar besteht beim Tod einer Frau in Dänemark möglicherweise
ein solcher Zusammenhang. Die Frau war an einer eigentlich harmlosen Salmonellen-Erkrankung
gestorben. Der Salmonellentyp, der bei ihr zum Tode führte, war gegen
fünf gängige Antibiotika resistent und konnte daher nicht mehr
bekämpft werden.
Die Wirkung der verfütterten Hormone dagegen kann kaum abgeschätzt
werden. Sie lagern sich nicht nur im Tier an, sondern können auch
zu Erbgutschädigungen führen und stehen im Verdacht Krebs zu
erregen.
Die rund 180.000 deutschen Schweinemast- und Zuchtbetriebe stehen national
wie international unter enormem Konkurrenzdruck. Durch sinkende Erträge
für Schweinefleisch in den letzten Jahren (die Preise sanken von
3,29 DM pro Kilo Fleisch im Jahr 1984/85 auf 1,61 DM pro Kilo Fleisch
im Jahr 1998/99), kommen gerade die Kleinbetriebe in Existenzschwierigkeiten.
Während vor allem in den Niederlanden, mit ca. 15 Millionen Tieren
zweitgrößter Schweinefleischproduzent Europas hinter der BRD,
bereits über 20 Prozent der Betriebe die Schwelle zum Großbetrieb
mit 1000 und mehr Tieren überschritten haben, sind es in Deutschland
erst 1,7 Prozent. Erst der im Zuge der BSE-Krise gestiegene Absatz von
Schweinefleisch und die um rund drei Prozent gestiegenen Verkaufspreise
schienen den Kleinbetrieben in Deutschland zu einer Besserung ihrer Situation
zu verhelfen.
Obwohl die jetzt zurückgetretene bayerische Gesundheitsministerin
Barbara Stamm (CSU) seitmindestens August 1999 über die Praktiken
des illegalen Medikamentenhandels in Süddeutschland und Österreich
informiert war, hielt sie ihre schützende Hand über den sowieso
schon gebeutelten Markt. Erst recht in Zeiten des wachsenden Schweinefleischabsatzes
wollte niemand der verantwortlichen Politiker einen Zusammenbruch des
Marktes riskieren. Erst als die Tierärztekammer mit dem Bericht
an das Ministerium aus dem Jahr 1999 an die Öffentlichkeit ging
und parallel dazu eine Tierschutzorganisation Anzeige gegen die in den
Medikamentenhandel verstrickten Ärzte und Bauern erstattete, konnte
die bayerische Landesregierung die Desinformation der Bevölkerung
nicht mehr aufrecht erhalten.
Ebenso wie die Bundesministerien für Landwirtschaft und Gesundheit
im Vorfeld der BSE-Krise durch ihre Politik der Beschwichtigung nur
im Interesse der Rindfleisch produzierenden Betriebe handelten, stellte
sich auch Barbara Stamm mit ihrem Landesgesundheitsministerium in den
Dienst der Landwirtschaft. Das Recht der Verbraucher auf Informationen
über gesundheitsgefährdende Risiken spielte weder bei BSE
noch bei hormonverseuchtem Schweinefleisch oder den Gefahren medikamentenresistenter
Krankheitserreger eine Rolle.
Fleisch - immer ein Skandal
Interview des Magazins
"Vegetarisch genießen"
mit Silke Dziallas
Veg: Frau
Dziallas, gegenwärtig jagt ein Fleischskandal den anderen.
Es vergeht
keine Woche, in der die Bevölkerung nicht durch eine Horrormeldung
oder eine drohende Gefahr aufgeschreckt wird. Das ist wohl schon
normal.
Silke Dziallas: Ja,
leider ist das normal. Es liegt in der Natur der Sache. Fleisch
ist - auch wenn das manchem makaber erscheinen mag - ein Stück
Leiche, das sich im Prozess seiner Verwesung befindet. Durch Pökeln,
Kühlen, chemische Konservierungsmittel oder durch schnelles
Zubereiten wird dieser Verwesungsprozess verlangsamt bzw. gestoppt,
damit das Material überhaupt genießbar ist. Dass beim
Tötungsvorgang oder im Umgang mit totem Material unerwünschte
Nebeneffekte eintreten, damit muss man rechnen. Fleisch ist ein
Risikoprodukt.
Veg:
Ein Risiko wofür? Für die Gesundheit des Konsumenten?
Silke Dziallas: Richtig.
Der Verbraucher muss, wie auch beim Konsum anderer Genussmittel
wie Alkohol oder Tabak, die Risiken in Kauf nehmen. Wer raucht oder
übermäßig trinkt, weiß auch, dass er damit
seine Gesundheit gefährdet. Über die Gefahren des Fleischkonsums
jedoch wird kaum öffentlich gesprochen, und das ist der eigentliche
Skandal. Wenn bei der Fleischproduktion einmal eine "Panne"
passiert, die an die Öffentlichkeit gelangt - denken wir nur
an den jüngsten Fleischskandal, bei dem Schlachthausabfälle
umetikettiert wurden, um sie in den für Menschen angeblich
genusstauglichen Nahrungsmittelkreislauf zu führen -, da spricht
dann plötzlich jeder von einem Skandal. Doch die meisten Menschen
wissen gar nicht, was Tag für Tag hinter den verschlossenen
Türen der Schlachthöfe und der fleischverarbeitenden Betriebe
abgeht. Und sie wissen auch nicht, welche Auswirkungen auf die Gesundheit
der Fleischkonsum hat. Aber wie gesagt, das muss eben derjenige
in Kauf nehmen, der das Genussmittel Fleisch zu sich nimmt.
Veg:
Für Zigaretten schreibt die EU einen gut sichtbaren
Warnhinweis vor, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, Krebs
auslösen und mit dem Tod enden kann. Denken Sie, für Fleisch
wären solche Warnhinweise auch angebracht? Oder ist das übertrieben?
Silke Dziallas: Nein, das
ist durchaus nicht übertrieben. Man weiß mittlerweile,
dass sämtliche Zivilisationskrankheiten, die heute zunehmend
auftreten, wie z.B. Krebs, Osteoporose, Gicht, Diabetes, Rheuma,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit dem Fleischkonsum in direktem Zusammenhang
stehen. Fleischkonsum erhöht das Risiko für diese Krankheiten
erheblich. Daher wären Warnhinweise auf Fleischprodukten durchaus
angebracht. Denn es denken leider immer noch sehr viele Menschen,
dass Fleisch ein Stück Lebenskraft sei.
Veg: Wenn
Fleisch ein Risikofaktor für die Gesundheit ist, wird ja durch
dessen Konsum auch das Gesundheitswesen sehr belastet. Gerade in
der heutigen Zeit, in der überall das Geld fehlt, ist das eine
fatale Sache.
Silke Dziallas: Ernährungsabhängige
Krankheiten, die in der Regel mit dem Fleischkonsum in Zusammenhang
stehen, kosten das deutsche Gesundheitswesen jährlich zwischen
60 und 80 Milliarden Euro. Die logische Konsequenz daraus wäre,
dass z.B. Fleischesser höhere Krankenkassenbeiträge zahlen.
Oder anders herum: Die Vegetarier zahlen niedrigere Sätze,
denn sie ernähren sich gesünder, sind seltener krank und
sparen so Geld für die öffentlichen Kassen.
Veg:
Bei dem vorhin erwähnten Fleischskandal ging es ja
um Schlachthausabfälle, die zu Tierfutter verarbeitet werden
sollten, aber durch kriminelle Praktiken dem menschlichen Verzehr
zugeführt wurden. Lässt sich ein solcher Fall nicht durch
Lebensmittelkontrollen verhindern?
Silke Dziallas: Zunächst
muss betont werden, dass dieser so genannte Fleischskandal kein
Einzelfall, sondern eher ein Dauerzustand ist, wie aus einem Gespräch
eines Insiders mit der Zeitschrift stern hervorgeht. Dieser gab
an, dass über 70% der Schlachthausabfälle, wie z.B. Schweineschwarten
oder Hühnergerippe, letztlich wieder in der menschlichen Nahrungsmittelkette
landen. Das Ganze hat also System und ist in Insiderkreisen wohl
bekannt. Man fragt sich: Wie kann das sein? Deutschland hat doch
ein angeblich so strenges Lebensmittelrecht mit vielen gut funktionierenden
Kontrollbehörden. Die Antwort ist makaber und spricht für
sich: Im stern Nr. 42 vom 13.10.2005 sagen Beamte aus, dass die
Kontrollen in solchen Betrieben oft nachlässig durchgeführt
werden oder ganz ausbleiben, weil die Geschäftsunterlagen derart
mit verwestem Fleisch behaftet sind und "einen so brechreizfördernden
Geruch ausströmen, dass sie gar nicht eingesehen werden können".
Da muss man sich nicht wundern, wenn kaum kontrolliert wird und
wenn letztlich Gerippe, Kröpfe, Schwarten, Köpfe, Schwänze,
Speiseröhren, Innereien und auch Leichenteile von kranken Tieren
in den Fleischfüllungen von Tortellini und Ravioli, in Hühnchen-Nuggets,
Hühnerbrühe oder in allen Sorten von Wurst landen. Die
verdorbenen Schlachthausabfälle finden sich aber auch in aus
tierischem Material gewonnener Gelatine, in Joghurt und Desserts,
im Tortenguss und in der Götterspeise; in vielen Getränken,
in so manchem Wein, in Margarine, Gummibärchen, Schokoküssen
und Schokoriegeln, in glasierten Kühltorten und in Tiefkühlpizzen,
in Nahrungsergänzungen und vielem mehr.
Veg: Das
ist ja unglaublich! Es wird einem ganz übel bei dem Gedanken,
dass all diese verdorbenen, verwesten, stinkenden Schlachthausabfälle
in unsere Nahrungsmittelkette gelangt sind. Wie kann man da in den
Supermärkten überhaupt noch etwas mit gutem Gefühl
kaufen? Kann man denn den Kauf von Lebensmitteln, die mit Kadaverteilen
kontaminiert wurden, überhaupt vermeiden?
Silke Dziallas: Die Gelatinehersteller,
da bin ich mir ziemlich sicher, werden wohl kaum ihre eigenen Produkte
kaufen, da sie ja wissen, wie und aus welchem Material diese produziert
werden. Ein italienischer Gelatinehersteller z.B. sagte aus, dass
die Mitarbeiter seiner Firma sich oft über die schlechte Qualität
der zu verarbeitenden Ware, also der Schlachthausabfälle, beklagt
haben, denn sie sei oft "ranzig", "verdorben"
und in "schmutzigen Boxen" geliefert worden, und es habe
bereits der "Fäulnisprozess" eingesetzt. - Dennoch
wird dieses abscheuliche Material weiter zu Gelatine verarbeitet.
Vermeiden kann man den Kauf solcher Lebensmittel nur, wenn man sich
vegetarisch ernährt und auch weniger zu Fertigprodukten greift,
sondern z.B. wieder selbst kocht.
Veg:
Wenn man das so hört, ist es eigentlich gar nicht
mehr möglich, einfach irgendwo einzukaufen, denn man kann
ja nicht erkennen, was wo drin ist.
Silke Dziallas: Diese
fatale Situation erfordert tatsächlich vom Verbraucher ein
Umdenken und vielleicht ein Ändern der Einkaufsgewohnheiten.
Man muss sich schon die Mühe machen, saubere, ehrliche Lebensmittelquellen
zu finden, wo man einwandfreie und hochwertige Lebensmittel erhält.
Dabei erachte ich es für wichtig, dass man die Zutaten und
die Herstellung lückenlos nachvollziehen kann, denn dann braucht
man sich auch nicht zu sorgen, ob nicht doch an irgendeiner Stelle
zweifelhafte Hilfsmittel beigemischt werden. Viele Konsumenten lassen
sich übrigens heute ihre Lebensmittel nur noch per Versand
nach Hause schicken, weil ihre vertrauenswürdige Lebensmittelquelle
nicht so leicht erreichbar ist. Mancher denkt vielleicht, das sei
eine ungewöhnliche Art, einzukaufen; aber für wirklich
gesunde Lebensmittel stellt man sich gerne um. Wenn man auf unbedingte
Sicherheit Wert legt, sind Produkte einer Landwirtschaft zu empfehlen,
die mit dem tierischen Kreislauf gar nicht in Berührung kommt,
weil sie für die Bodendüngung weder Mist noch Gülle,
noch andere Mittel tierischer Herkunft verwendet. Dies ist z.B.
beim veganen oder Friedfertigen Landbau der Fall. Also noch einmal:
Wer unbedenkliche Lebensmittel bevorzugt, muss sich die Mühe
machen, die jeweiligen Einkaufsquellen zu erschließen.
Veg: Unlängst
konnte man in der Presse lesen, dass der BSE-Erreger auch vom Menschen
in das Tier gelangt sein könnte. Wie ist das möglich?
Silke Dziallas: Britische
Wissenschaftler vermuten, dass die BSE-Krankheit über das im
Tierfutter enthaltene Tiermehl vom Menschen auf das Tier übertragen
wurde. Man staunt jetzt vielleicht und fragt sich: Was hat denn
der Mensch mit dem Tiermehl zu tun? In Indien, vorzugsweise am Ganges,
sammeln Bauern nicht nur tierische Leichteile, sondern auch menschliche
Leichenteile als Nebenerwerb. Am Ganges werden viele Flussbestattungen
durchgeführt und Leichen, die nur zum Teil verbrannt wurden,
einfach ins Wasser geworfen. Umweltschützer haben z. B. in
nur zwei Tagen an einem Abschnitt des Ganges von 10 km Länge
60 Menschenleichen herausgefischt. Es wird nun vermutet, dass Bauern
über viele Jahre nicht nur tote Tiere aus dem Ganges gefischt
haben, um sie gewinnbringend an Tierköperverwertungsanlagen
zu verkaufen, sondern auch Menschenleichen. Ende der sechziger,
Anfang der siebziger Jahre erkrankten die ersten Rinder an BSE.
Genau zu dieser Zeit sind Hunderttausende verwesender Tierkadaver
aus Indien mit dem Schiff um den halben Globus nach England transportiert
worden - der Rohstoff für die dortige Tiermehlproduktion. Von
einer Forschergruppe wird nun angenommen, dass sich darunter auch
Leichen von Menschen befanden, die mit der Creutzfeld-Jakob-Krankheit
infiziert waren, und dass sich die Rinder an diesen im Futter verarbeiteten
menschlichen Leichen infiziert und BSE entwickelt haben. Nach Auffassung
dieser Wissenschaftler haben sich die Tiere also am Menschen angesteckt
- und der Erreger landete schließlich über das Fleischessen
wieder im Menschen. Dazu ist noch zu ergänzen, dass der Skandal
um BSE noch lange nicht vorbei ist, nur berichten die Medien kaum
mehr darüber. Wöchentlich erkranken in Deutschland und
in anderen europäischen Ländern Tiere an BSE - wenn auch
still und heimlich -, und es ist noch völlig offen, wie viele
Menschen sich infizieren und wie viele daran sterben werden.
Veg: Ein
Skandal ist eine kriminelle Begebenheit, die ans Licht der Öffentlichkeit
gelangt. Kann es sein, dass vieles passiert, das nie von den Zeitungen
aufgegriffen wird?
Silke Dziallas: Das ist
richtig. Ein Skandal, der von den Medien nie aufgegriffen wurde,
ist z.B. das Thema Toxoplasmose. Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit,
die durch den Parasiten Toxoplasma gondii übertragen wird und
sich im Gehirn des Menschen festsetzt. Der Mensch infiziert sich
über halbgegartes und rohes Fleisch. Man merkt die akute Erkrankung
kaum, hat vielleicht Erkältungs- oder Grippean-zeichen, die
nicht weiter schlimm sind. Dies ist auch einer der Gründe,
weshalb über diese Krankheit in der Presse nicht berichtet
wird, obwohl in Deutschland bereits über 30% der Menschen von
diesem Parasiten befallen sind. In Frankreich, wo viel rohes Fleisch
in Form von Tartar gegessen wird, haben sogar 80% der Menschen diesen
Parasi-ten im Gehirn. Ist man einmal von ihm befallen, kann man
kaum etwas dagegen tun. Unter einer einzigen Voraussetzung werden
Menschen in Deutschland auf Toxoplasmose untersucht: im Fall einer
Schwangerschaft. Denn falls sich die Mutter in der Zeit der Schwangerschaft
infiziert, kann das ungeborene Kind erhebliche gesundheitliche Schäden
erleiden: Gehirnschädigungen, Missbildungen, Augenprobleme
bis hin zur Blindheit, epileptische Anfälle, Hörschädigungen
und Entwicklungsstörungen. Schwangere werden zwar darauf hingewiesen,
nicht zu rauchen und keinen Alkohol zu trinken. Doch vor Fleischessen
wird nicht gewarnt. Die Gefahr, die von Fleisch ausgehen kann, wird
einfach verschwiegen.
Skandalös ist auch das Verschweigen der mit einer Toxoplasmose-Infizierung
einhergehenden Verhaltensveränderung des Menschen: Es kommt
zu einer deutlich längeren Reaktionszeit, einer größeren
Risikobereitschaft und dadurch zu einem fast dreimal höheren
Verkehrsunfallrisiko als bei nicht Infizierten. Weitere Auffälligkeiten
sind: weniger Interesse an höherer Bildung, niederer IQ, verminderte
Akzeptanz moralischer Grundsätze und größere Anfälligkeit
für Misstrauen, Eifersucht und Fundamentalismus. Bei einer
Zoonose-Tagung am 10. September 2005 in Witzenhausen wurden zudem
Studien vorgestellt, die darauf hinweisen, dass auch Schizophrenie
durch Toxoplasmose ausgelöst werden könnte. Denn bei Patienten
mit erstmalig aufgetretener Schizophrenie hat man deutlich erhöhte
Toxoplasmose-Antiköper festgestellt.
Veg:
Wenn man das hört, wird einem klar, dass der Mensch
seine Krankheiten selbst verursacht. Es wundert mich nicht, dass
Fleischessen in gewissem Sinne sogar Schizophrenie auslöst,
denn ist es nicht schizophren, wenn Menschen ihre Haustierchen auf
dem Schoß verwöhnen und zugleich ein Stück Reh,
Häschen oder Ente verzehren? Und wie ist es eigentlich mit
der Vogelgrippe, hat da nicht auch der Mensch seine Hand im Spiel?
Silke Dziallas: Davon muss
man ausgehen. Man braucht ja nur einmal hinzugucken, wo und wie
solche Epidemien entstehen. Sie entstehen dort, wo viele tausend
Tiere auf engstem Raum, oft im Dunkeln und unter furchtbarsten Bedingungen
zusammengepfercht leben müssen und unter solchem Stress stehen,
dass sie sich gegenseitig verletzen. Diese Tierghettos mit ihrem
ungesunden und unbeschreiblich grausamen Milieu sind eine Brutstätte
für Keime und Bakterien. Wenn diese Erreger schließlich
beim Menschen, beim Peiniger also, landen, dann wundert man sich
und spricht von einem Skandal. Dann schreien die Menschen nach Impfschutz,
anstatt die Ursachen zu erforschen, die doch eigentlich auf der
Hand liegen; und anstatt sich selbst die Schuld zu geben und mit
dieser grausamen Tierhaltung aufzuhören, lässt der Mensch
den "bösen" Vogel die Zeche bezahlen: Erkrankte oder
verdächtige Vögel werden zu Zigtausenden erbarmungslos
und grausam getötet, z.B. in Plastiksäcken erstickt oder
vergast. Und dann hört man noch Fragen wie: "Warum lässt
Gott das zu?" oder: "Will Gott die Menschen bestrafen?"
Will er nicht. Ist ja auch nicht nötig. Das tut der Mensch
ja offensichtlich selbst ...
Veg: Also
ist das nervöse Suchen nach einem Impfstoff nicht die richtige
Vorgehensweise und schon gar nicht die Lösung des Problems?
Silke Dziallas: Es ist bezeichnend,
dass der Mensch jetzt überstürzt versucht, sich selbst
zu schützen und zu retten, anstatt nach den Ursachen zu fragen
und dann gezielt zu handeln. Die Lösung liegt doch auf der
Hand: kein Fleisch mehr essen, keine Tiere mehr in Tierghettos halten,
sich vegetarisch ernähren, um aus diesem mörderischen
Kreislauf von Gewalt und Tod auszusteigen. Die Tiere haben keine
Möglichkeit, diesem Kreislauf zu entkommen. Wir Menschen könnten
es aber tun: indem wir uns so ernähren, wie es der Schöpfer
für uns vorgesehen hat und wie es ursprünglich in allen
großen Religionen gelehrt wurde - nämlich vegetarisch.
Sogar an unserem Körperbau, an unserem Verdauungssystem, an
unserer Physiognomie lässt sich ablesen: Wir sind eindeutig
nicht als Fleischfresser konzipiert. Da kann man nur noch sagen:
Menschen, esst kein Fleisch! So erhaltet ihr die Tiere und auch
euch selbst gesund.
Veg:
Vielen Dank für das Gespräch.
Fleisch-Skandale ohne Ende – BSE, MKS, Schweinepest,
Geflügelpest; Antibiotika- und Hormon-Skandal; Coli-Bakterien
und Salmonellen im Fleisch; Nitrofen und Dioxin im Tierfutter, und
und und ... . Vorläufiger Höhepunkt: die Seuche SARS.
Da lohnt sich doch mal eine Bestandsaufnahme, „wider das Vergessen“
Chronik der Fleisch-Skandale
BSE (Teil
I)
von Margret Giese, Wolfenbüttel
Vorbemerkungen:
Wenn’s um Fleisch geht: Ausblenden, verdrängen, vergessen!
Da kommt einem die Frage in den Sinn: Wohin käme die skandalumwitterte
Futtermittel- und Fleischindustrie, wenn die viel zitierten Verbraucher
und Verbraucherinnen nicht so perfekt funktionierten und, Fleisch-Skandale
hin oder her, ihrem Stück ehemaliger Lebenskraft auf dem Teller
die unbedingte Treue hielten? – Da wollen wir nun aber nicht
mitmachen; vielmehr immer dann, wenn es sich wieder einmal ergibt,
den Finger in die Wunde 'Fleischverzehr' legen. Wer alle damit verbundenen
Auswirkungen berücksichtigt – vom sauren Regen über
die Verseuchung des Grundwassers bis zur Abholzung des Regen-waldes
und dem Hunger in den 'DritteWelt'-Ländern (vom Leid der 'Nutztiere'
ganz zu schweigen) – der wird nicht umhin können, den
Tierfleisch-Konsum als wesentlich mitverantwortlichen Faktor allen
Übels auf diesem Planeten festzumachen.
Und nun, angesichts zunehmender Seuchengefahren, bewahrheitet sich
erneut und in besonders auffälliger Weise, was wir spätestens
seit Pythagoras wissen: dass alles Unrecht, welches der Mensch seiner
Mitwelt antut, ihn wieder einholt, auf ihn zurückschlägt.
Die Plagen, die in immer kürzeren Abständen über
Tier und Mensch hereinbrechen, sind ausnahmslos menschengemacht.
Und da das stupide 'weiter so' nicht hinterfragt wird, nehmen die
Katastrophen unausweichlich immer größere Dimensionen
an. Früher unvorstellbar, wird dabei die jeweils millionenfache
Vernichtung von Tierleben immer selbstverständlicher. Wahrlich
ein Horror-Szenario, das beunruhigen muss! Wie gegensteuern? Hat
z. B. die Aufklärung darüber, dass jeder, der von seinem
Steak auf dem Teller nicht lassen kann, zu seinem kleinen Teil zur
allgemeinen Zerstörung beiträgt, noch Sinn? Ist nicht
– Thema Fleisch-Skandale – durch die zur Selbstverständlichkeit
gewordene 'Mobilität' (Tourismus-Vergnügen der Menschen
auf der einen Seite; tödlicher Ernst für die Tiere bei
den Schlachttiertransporten auf der anderen) die Ausbreitung von
immer neuen Seuchen vorprogrammiert? Nicht mehr wegzuleugnen (Beispiel
SARS) ist dabei die tödliche Konsequenz für den Menschen
selbst: Durch die zunehmende Resistenz gegenüber Antibiotika
– u. a. massenhaft in der Tiermast einge-setzt! – wird
er am Ende Opfer seiner Fleisch-Gier; und dies, nachdem er bei immer
neuen Tier-Vernichtungsfeldzügen seine Mitlebewesen millionenfach
ins Verderben gerissen hat. Vor allem diesen Opfern sind wir es
schuldig, dass wir die Erinnerung wachhalten an ihr Sterben für
menschengemachten Irrsinn! Wobei nicht vergessen sein soll, dass
ihr Leben ohnehin durch gewaltsamen Tod beendet worden wäre!
Aber bei diesen Vernichtungs-Serien tritt noch ein besonderer Aspekt
zutage: Das skrupellose, hinter abgeriegelten Türen durchgeführte
millionenfache 'Keulen', wie es in der eiskalten Seuchen-Fachsprache
heißt, ist in besonderer Weise von einer zutiefst erschreckenden
Missachtung tierlichen Lebens gekennzeichnet. Schonungslos offenbart
sich hier, wohin die 'menschliche' Gesellschaft gekommen ist –
auf einen ethischen Tiefpunkt.
Ein Wunder, wenn nicht auch bei Otto Normalverbraucher, dem umworbenen
Konsumenten im Fokus der Fleischindustrie, eine weitere emotionale
Abhärtung stattfände: In Seuchen-Zeiten wird ihm tagtäglich
mitgeteilt, wie viele vier- und zweibeinige Fleischlieferanten ihm
'vorsorglich' zum Opfer dargebracht wurden. Wie muss er sich geschmeichelt
fühlen, ist er es doch wert, dass ganz speziell für ihn
die Seuchenkasse leer geräumt wird bzw. der Steuerzahler einspringt.
Infernalische Tötungsprogramme, in denen, als könne es
gar nicht anders sein, fühlende Wesen, zu Abfall degradiert,
nur noch ein Fall für die risikolose Entsorgung werden. Und
dies, damit auch der letzte mittel-mäßige Staatsbürger
seinen Bauch wie gewohnt mit Rindersteak, Hähnchenkeule und
Putenbrust füllen kann. Er ist der ideale, im Verein von Politik
und Fleisch-Mafia gehätschelte Konsument, für den 'vorsorglich'
Kapitalverbrechen im Sinne der Humanität begangen werden. Man
braucht ihn, denn er ist der 'legale Marktbereiniger'! Und damit
er wieder in den Zustand des ungebrochenen Vertrauens ins deutsche
Rindfleisch versetzt wird, wirbt die Speerspitze der Fleischindustrie,
die CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft) sei einiger Zeit wieder
mit Anzeigen („Fleisch: Ja klar!“). Das QS-Prüfzeichen
steht für den kontrollierten Lebens- bzw. Leidensweg des Tieres
(von der Wiege bis zur Bahre). Die hübsche junge Frau mit dem
reizenden Lächeln, die sich so unbändig nicht nur auf
das parat liegende Steak freut, denkt sicher nicht an vCJK. Warum
auch! Die Inkubationszeit beträgt bis zu 20 Jahre – vielleicht
auch mehr. Und das ist noch lange hin. Vielleicht aber auch nicht.
Den notwendigen Blick nach vorn beschwor schon zu Zeiten der BSE-Krise
die EDEKA mit ihrem – um das Verbraucher-Vertrauen buh-lenden
– Loblied auf ihr GUTFLEISCH. Der EDEKA verdanken wir auch,
dass wir uns besser zurechtfinden im Dschungel von Institutio-nen
und Bediensteten „ rund ums Fleisch“, die sich alle
für den Verbraucher und die Verbraucherin abmühen: „Landwirte,
Futtermittelher-steller, Veterinäre, Schlacht-, Zerlege- und
Produktionsbetriebe, Handel, Wissenschaftler, Verbraucherverbände,
der Gesetzgeber und die verantwortlichen staatlichen Stellen.“
Nur schade, dass der bzw. die so vielseitig umworbene Verbraucher/in
hin und wieder den Eindruck gewinnt, nicht seine bzw. ihre Gesundheit
habe Priorität, sondern der Profit ... . Welche Enttäuschung
und Ernüchterung, welch böses Erwachen für alle Fleisch-Esser,
als im Zusammenhang mit dem BSE-Skandal zutage trat, wie schamlos
man ihre Gutgläubigkeit ausge-nutzt hatte! Da war doch tatsächlich
selbst von politisch verantwortlicher Seite jahrelang mit ihnen
'russisches Rindfleisch-Roulette' ge-spielt worden. Und das Schlimmste:
Nicht nur Rinder-, sondern auch Menschengehirne wurden zerfressen
und mutierten zu schwammigen Loch-an-Loch-Gebilden. (Und das alles
ist ja noch nicht ausgestanden!)
BSE – „der Supergau mit Langzeitfolgen“ –
ist in mehrfacher Hinsicht ein Lehrstück, das u. a. beispielhaft
die (beschämende) Rolle von Politikern als Handlanger profitgieriger
Ausbeuter in Wirtschaft und Industrie vor Augen führt. Was
da von Menschen angerichtet wurde, wird für alle Zeiten als
Menetekel, als drohendes Zeichen in die Geschichte dieses Planeten
eingehen. Die millionenfache Vernichtung unschuldiger Tiere, das
öffentliche Verbrennen ermordeter Tiere auf riesigen Scheiterhaufen,
ein solches apokalyptisch zu nennendes Inferno hatte es vorher noch
nicht gegeben. Wir tun gut daran, es nie zu vergessen!
Zur Erinnerung: Die Abkürzung BSE bezeichnet eine „schwammige
Hirnkrankheit“ bei Rindern, bei der sich das zentrale Nervensystem
auflöst („Rinderwahnsinn“). Übertragung auf
den Menschen in zahlreichen Fällen nachgewiesen („vCJK“
= Variante der sog. Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Sie endet tödlich.)
– Bis heute Ursachenforschung in Form übler Tierversuche;
u. a. Experimente mit Affen im Göttinger Primatenzentrum; ebenfalls
Zwangsinfizierung von 50 Kälbern auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern).
Verschiedene Thesen bezüglich Auslöser bzw. Übertragungswege.
Die beiden bekanntesten:
1. Aus Profitgründen Verfütterung von
Prionen-verseuchtem „Tiermehl“ an Wiederkäuer,
ausgehend von England. (Prionen = infektiöse Eiweiß-Partikel,
welche die Schafskrankheit „Scrapie“ verursachen.) –
Was verbirgt sich hinter dem verharmlosenden Begriff „Tier-mehl“?
Man nehme: Schafs- und weitere Tierleichen aller Art, darunter aus
Versuchslaboren und von kranken, eingeschläferten Haus-tieren,
die samt Magen- und Darminhalten sowie Fellen gekocht, getrocknet
und gemahlen werden. Man runde das Ganze durch Zusatz von Kot und
Sägespänen ab und verabreiche es – eben auch Wiederkäuern,
die wiederum auf der Speisekarte des Menschen stehen.
2. Insektizid-Vergiftung von Rindern, z. B. „Phosmet“,
in England gegen die sog. Dassel-Fliege eingesetzt. Das Gift dringt,
auf den Rük-ken der Tiere aufgetragen, in den Organismus ein
und attackiert das Nervensystem. Es leuchtet ein, dass auf diese
Weise der Ausbruch von BSE stark gefördert wird. Dieser Verdacht
wird erhärtet durch das Auftreten von vCJK auch bei zwei strengen
Vegetariern in der südenglischen Stadt Ashford! (Dort auch
Produktion der betr. Pestizide und massiver Einsatz im Hopfenanbau!)
Diese These wurde offenbar zum Tabu-Thema Nr. 1. Der Grund: Die
englischen Bauern waren per Gesetz zum Einsatz des „Phosmet“
verpflichtet worden, sodass die Regierung befürchtete, mit
milliardenschweren Schadenersatzforderungen überzogen zu werden!
Und der pharmazeutischen Industrie wäre es gleichermaßen
an den Kragen gegangen, hätte sie doch eins ihrer attraktivsten
Produkte eingebüßt. Da verständigte man sich denn
offensichtlich darauf, den Prionen den Schwarzen Peter zuzuschieben.
Und zwar weltweit, denn die Fangarme der pharmazeutischen Industrie
reichen bis in den letzten Winkel! Für Deutschland erläutert
der Tierarzt Dr. Andreas Becker, 2. Vorsitzen-der der GGTM (Ganzheitl.
Gesellsch. für Tiermedizin) in der Zeitschrift raum & zeit
(110 und 117/2002) in überzeugender Weise, dass BSE mit hoher
Wahrscheinlichkeit vor allem auf Pharma-Vergiftung der Tiere zurückzuführen
ist: Hierzulande ist es ebenfalls verbreitet, die Rücken der
Rinder mit chemischen Mitteln zu übergießen („Avermectin“-Gemisch)
– gegen Rundwürmer und Räudemilben. Dies wäre
auch eine Erklärung für das merkwürdige Phänomen,
dass in Bayern etwa die Hälfte aller BSE-Fälle auftrat.
(Höchster Rinder-Bestand in der BRD; häufiges Auftreten
der „Schwanz-Räude".)
Die gefährliche Rolle von „Tiermehl“ steht allerdings
ebenfalls außer Frage! Das seitens der EU nach langem Zögern
1989 (halbherzig) ausgesprochene Exportverbot für Tiermehl
wird mit kriminellen Machenschaften unterlaufen – schlampige
Kontrollen machen’s möglich. So gelangen bis 1991 noch
70.000 Tonnen nach Europa, allein nach Deutschland bis 1995 jährlich
zwischen 20 und 100 Tonnen! Noch 1993 werden 107.000 Tonnen britisches
Rindfleisch exportiert, davon 1.800 Tonnen nach Deutschland.
Und obwohl die EU 1994 – viel zu spät! – Tiermehl
im Wiederkäuer-Futter endgültig verbietet, findet es sich
später in Sachsen-Anhalt in jeder fünften Probe!
All dies ist den verantwortlichen deutschen Politikern bekannt,
als sie gebetsmühlenartig verkünden: „Deutschland
ist und bleibt BSE-frei!“ Nichts weniger als eine Verhöhnung
der Bevölkerung, die man ja für den ungebrochenen Fleisch-Absatz
braucht!
Der Schutz der Agrarlobby macht auch vor Rechtsbruch nicht Halt:
Nachdem ihre Warnungen, 21 Rinder seien BSE-verdächtig, totge-schwiegen
wurden, geht die von ihrem Gewissen getriebene Veterinärin
Margrit Herbst (Schlachthof Bad Bramstedt, Schleswig-Holstein) 1994
mit ihrer Nachricht an die Öffentlichkeit. Der Dank: Sie wird
umgehend rausgeworfen! – Später macht ein Vorschlag seitens
der Landesregierung Schlagzeilen, der einen üblen Beigeschmack
hat: Frau Herbst wird das Bundesverdienstkreuz angeboten, wenn sie
auf alle Schadenersatzforderungen verzichtet. Sie ihrerseits verzichtet
auf diesen peinlichen Deal. – Der Fall Herbst zeigt stellvertretend,
wie mit unbequemen Bürgern umgegangen wird, die dem Kartell
von Politik und Wirtschaft nicht ins Konzept passen!
Diese frühe Warnung einer mutigen Frau steht in enger Beziehung
zum 24. November 2000, als in Deutschland mit dem 'ersten' entdeckten
BSE-Rind die große Verzweiflung ausbrach. Davon in der nächsten
Ausgabe!
Chronik der Fleisch-Skandale
BSE (Teil
II)
von Margret Giese, Wolfenbüttel
Wir erinnern uns: Die Nachricht vom (offiziell) ersten in Deutschland
geborenen BSE-infizierten Rind löste vor allem in der Fleisch
erzeu-genden und verarbeitenden Ernährungsbranche sowie beim
Fleisch verzehrenden Bürger ein mittleres Erdbeben aus. Nun
war es heraus: Die Verbraucher – sie konnten es nicht fassen
– waren jahrelang übel getäuscht worden! Kein Mensch
hatte ihnen erzählt, dass tonnenweise “Tiermehl“–verseuchtes
Fleisch über die Ladentheken gegangen war – mit der möglichen
Konsequenz, dass sie Opfer der Creutzfeld–Jakob–Krankheit
wurden! Angesichts dieses groß angelegten Betruges waren die
Vorwürfe gegenüber den Schuldigen nur allzu berechtigt.
Doch wer waren die? Die Suche nach dem Sündenbock war wie ein
Stochern im Nebel, denn es gab derer viele, und keiner wollte auf
sich sitzen lassen, der Haupt-verantwortliche zu sein. So beginnt
denn ein erbärmliches Schwarze-Peter-Spiel in dem heillosen
Durcheinander, und ebenso wie später die Kosten, wird die Verantwortung
hin und her geschoben: Es gibt Streit zwischen den beteiligten Ministerien
von Karl-Heinz Funke (Land-wirtschaft) und Andrea Fischer (Gesundheit);
Bundeskanzler Schröder greift Bauernverbands-Präsident
Gerd Sonnleitner wegen dessen “Klientel-Politik“ an;
dieser kontert, es habe keine “sauberen Kontrollen“
gegeben, und im Übrigen sei Schröder selbst schon immer
für die industrialisierte Landwirtschaft gewesen! Aber Sonnleitner
kriegt´s auch von anderer Seite. Die Allgäuer Landwirte
machen Front gegen ihn: Ihm seien wirtschaftliche Interessen wichtiger
gewesen als Verbraucherschutz. Die aufgebrachten bayrischen Verbraucher
fordern ihn sowie Gesundheitsministerin Barbara Stamm (CSU) zum
Rücktritt auf – nur bei Letzterer mit Erfolg. In einer
Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Kempten heißt es, beide
hätten in nahezu krimineller Weise die Glaubwürdigkeit
der Landwirtschaft aufs Spiel gesetzt und die Verbraucher gefährdet,
indem sie ihr jahre-langes Wissen von “verunreinigtem Tiermehl“
bewusst verschwiegen hätten.
Noch ein paar weitere Akteure auf dem “BSE–Verschiebebahnhof“
seien genannt: So spielt Minister Funke die Unschuld vom Lande und
verkündet, er habe sich doch auf die Einschätzung des
Internationalen Tierseuchenamtes verlassen! Auch die NRW–Umweltministerin
Bärbel Höhn (Grüne) mischt sich ein: Die EU–Kommission
treffe eine Mitschuld an der Ausbreitung des Rinderwahnsinns, da
sie es an einer effektiven Durchsetzung von Maßnahmen habe
fehlen lassen. Kommissar David Byrne seinerseits wirft Deutschland
eine ver-schleppte Umsetzung eben dieser Maßnahmen vor. Deutschland
habe jahrelang alle Präventivmaßnahmen verzögert,
sogar blockiert. Erst im Oktober 2000, also drei Jahre nach der
entsprechenden Empfehlung, sei “Risikomaterial, wie Hirn,
Rückenmark und Augen“ aus der Nahrungskette verbannt
worden. – Nachdem Bayern, das selbst ernannte “Vorzeigeland“,
mit besonders vielen BSE–Fällen Schlagzeilen machte,
gerät die EU–Politik seitens des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums
in die Schusslinie: Das seit Juni ´94 geltende Tiermehl–Verfütterungsverbot
sei durch die EU aufgeweicht worden, indem nur noch Tiermehl von
“warmblütigen Landsäugetieren“ verboten blieb,
Geflügel-, Fleisch- und Blutmehl hingegen wieder zugelassen
wurde – zweifelsohne ein Beispiel für die übliche
Klientel-Politik der EU! Aber der bayrische Angriff verwundert denn
doch, zumal sie als notorische Besserwisser nicht nur die Vorschriften
aus Brüssel stets schroff zurückgewiesen, sondern die
Bundesregierung sogar aufgefordert hatten, gerichtlich gegen die
EU vorzugehen!
Dass im Schwarze-Peter-Spiel u. a. auch die Bauern, ob ihrer Blauäugigkeit
bezüglich des Tierfutters, sowie die Verbraucher wegen ihrer
ewigen Jagd nach billigen Fleisch-Sonderangeboten eine Rolle spielen,
sei noch hinzugefügt. Merkwürdig nur, wie still es um
die Futter-mittelhersteller blieb! Vielleicht hat ja ein Leserbriefschreiber
in der Braunschweiger Zeitung (“BZ“) mit der Vermutung
Recht, dass der Grund dafür in emsiger Lobby–Arbeit mittels
DM/Euro liegt … Für gegenseitige Schuldzuweisungen blieb
aber nicht viel Zeit, denn der Verbraucher musste wieder auf Vordermann
gebracht werden! So schlagen denn jahrelanges Nichtstun und endlose
Verschleppungsmanöver um in aberwitzige, hektische Betriebsamkeit.
Nach umgehend angeordneten Rückrufaktionen werden die Fleischregale
in den Supermärkten leer geräumt. Man überschlägt
sich förmlich mit medien-wirksamen Hinweisen auf “Sofortmaßnahmen“
und “Eilverordnungen“, auf eilig gebildete “Krisenstäbe“,
die ihre “Krisensitzungen“ ab-halten. Als wolle Deutschland
nun EU–Musterknabe werden, wird in vorauseilendem Gehorsam
die EU-“Dringlichkeitsverordnung“ vom Dezember 2000:
“Alle über 30 Monate alten geschlachteten Rinder sind
auf BSE hin zu untersuchen“ 3 Wochen früher umgesetzt
als not-wendig. Und was das Alter der untersuchten Tiere anbelangt,
so geht man noch einen Schritt weiter und setzt es auf 24 Monate
fest, was die Zahl um jährliche 300.000 erhöht und entsprechende
Kosten verursacht. Zweifellos Augenwischerei, denn die Tests zeigen
erst bei ca. 24 Monate alten Tieren den Ausbruch der (bereits schon
vorhandenen) Krankheit an, und die meisten der geschlachteten Rinder
haben das Alter noch gar nicht erreicht! – Der aufgeregte
Tanz rund um den Verbraucher nimmt zum Teil absurde Züge an:
So werden Rufnummern eingerichtet, unter denen sich die Verunsicherten
informieren können; für die ganz Verzweifelten gibt es
Sorgentelefone. Eine Ausuferung von Depressionen kann man jetzt
am wenigsten gebrauchen!
Nach dem größtmöglichen Rindfleisch–Gau stellt
sich nun die große Frage: WAS ESSEN WIR JETZT? Außer
ein paar todesmutigen Politikern aus “Rindfleisch–Ländern“
wie Sonnleitner und Gabriel, die sich – aus gutem Grund öffentlichkeitswirksam
– weiter “leckere Steaks“ munden lassen, erlaubt
sich der verunsicherte Normalverbraucher erst viel später wieder
die so schmerzlich vermissten Gaumen-freuden. Unterdessen muss die
Fleisch–Lücke irgendwie anders gefüllt werden, zumal
auch auf landestypische Fleisch- und Wurstwaren wie Norddeutsche
Bregenwurst, Hirn-, Milz – und Brieswurst, Saure Rolle, Meng-
und Mischwurst sowie – eine Katastrophe für Bayern –
auf die so beliebte Weißwurst verzichtet werden muss. Diese
enthält nämlich u. a. “gekochte, ausgelöste
Kalbskopfteile mit Haut“!
Was bietet sich also an? Natürlich Geflügel, allen voran
“Pute“, die ist so schön mager! Darüber vergisst
man dann schon, dass den Tieren die Beine wegknicken, wenn ihr Körper
zu schwer wird. Gut übrigens, wenn nicht zum Verbraucher durchdringt,
dass beim Puten-Fleisch auch das potenziell Krebs auslösende
“Nifursol“ – mit EU-weiter Erlaubnis dem Futter
der Jungtiere vorbeugend beigemischt – die Nah-rung “anreichert“.
Da verdient die Pharmaindustrie ganz schön mit – was
vor allem im Jahr 2001 der Fall war, als sage und schreibe 330.000
Tonnen dieses Geflügels auf bundesdeutschen Tellern landeten!
Auch mehr “Schwein“ muss jetzt sein. Hund und Katze
werden noch verschont, aber – wer hätte das gedacht!
– das Pferd gelangt zu neuen kulinarischen Ehren. “Feinschmecker
geraten ins Schwärmen, wenn sie von Pferde-Rollbraten oder
Hengst-Gulasch berichten.“ (BZ, 15.02.01). Die ganz Pfiffigen
lassen sich was Exotisches schmecken. Hier ein paar Kostproben:
Straußenhalssuppe, Krokodil im Reis-Teig-Mantel, Känguruh
auf Himbeersoße, Steak vom Krokodil, von Büffel, Bison,
Antilope und Emu: “Wegen BSE und MKS haben deutsche Importeure
in Texas 250.000 kg Emu-Fleisch bestellt. Das sei der größte
Auftrag für die Emu-Industrie, heißt es.“ (BZ,
18.04.01). Selbst Rüdiger Bischoff, Geschäftsführer
des Fleischerdienstes Braunschweig (beliefert ca. 500 Fachhändler)
mochte da nicht mehr recht mitma-chen: “Was zurzeit auf dem
Markt gehandelt wird, nimmt schon perverse Züge an. Da wird
neuerdings nach Nutrias gefragt, und Bisam-ratten sind schon ausverkauft,
wir kriegen auf dem ganzen Markt nichts mehr! Auch der Markt für
Strauße ist ziemlich leer gefegt, die Farmen in Namibia können
nicht mehr liefern.“ (BZ, 15.02.01) – “Not macht
erfinderisch“, heißt es. Setzt man statt “Not“
: “Sucht“ ein, so macht man das Zitat wohl passend für
den Zusammenhang! Jedenfalls nimmt man einigermaßen fassungslos
zur Kenntnis, dass der über-wiegende Teil der Gattung homo
sapiens fast zwanghaft am Fleischessen festhält – als
koste es das eigene Leben, wenn man drauf ver-zichtet!
Volkswirtschaftlich gesehen leistet man sich da allerdings ein
teures Vergnügen. Denn: Zumal in der industrialisierten Landwirtschaft,
in der Lobbyisten ein System der Ausbeutung aufrechterhalten und
betrügerische Machenschaften mehr oder weniger an der Tagesordnung
sind, bleiben auch kostenträchtige Skandale nicht aus. Unbestreitbar
dürfte sein, dass sie – und dies nicht zu knapp –
mit ein Grund für die verbreitet leeren Kassen sind! Zweifellos
ein Tabu-Thema erster Ordnung, denn das Räderwerk Fleisch–Produktion/-
Konsum muss am Laufen gehalten werden, koste es, was es wolle! Die
BSE-Krise wird in der nächsten Ausgabe abschließend noch
unter dem wichtigen Faktor Kosten dargestellt. Vegetariern/Veganern
wird hier übrigens besonders drastisch vor Augen geführt,
dass sie als Steuerzahler – über die bekannten Subventionen
hinaus – wie selbst-verständlich für die privaten
Gaumenfreuden ihrer Mitbürger/innen ebenfalls zur Kasse gebeten
werden!
Chronik der Fleisch-Skandale
BSE (Teil
III)
von Margret Giese, Wolfenbüttel
– Die genannten Informationen habe ich vor allem der Braunschweiger
Zeitung (BZ) entnommen. Die jeweiligen genannten Kosten, zu-nächst
durchweg Schätzungen, mögen sich noch nach oben oder unten
bewegt haben – entscheidend ist, einen Eindruck von ihren
Dimen-sionen zu bekommen! Damit sie nicht im leeren Raum stehen,
werden nähere Erläuterungen hinzugefügt. Wenn auch
sicher nicht alle Kosten über die Medien veröffentlicht
bzw. von mir wahrgenommen wurden, so lässt bereits der Umfang
der hier aufgeführten ahnen, wie tief greifend der “Faktor
Fleisch“ die Volkswirtschaft insgesamt belastet. Die Angaben
beziehen sich auf die EU sowie auf Deutschland im Besonderen, z.
T. unter Berücksichtigung des Landes Niedersachsen (Konzentration
der Massentierhaltung!).
I. Ausgleichszahlungen an die Rindermäster
Als Entschädigung für die Einbußen bei “vorsorglich“
durchgeführten Schlachtungen sowie wegen Rückgang des
Fleischkonsums.
Frühjahr 1997: - Deutschland: 1,2 Milliarden
DM, darunter 10 Millionen als Ausgleich für die zwangsweise
Tötung von 5.200 importieren Mutterkü-hen aus Großbritanien
und der Schweiz, die später übrigens juristisch geahndet
wurde, da kein ausreichend “vernünftiger Grund“
vor-lag! (Tierschutzgesetz!) Dazu 190 Millionen DM aus EU-Mitteln.
- EU-weit: 950 Millionen DM (Unklar ist, ob damit auch der Ankauf
von ca. 500.000 Tonnen Rindfleisch finanziert wurde, die am Markt
nicht abzusetzen waren)! - Niedersachsen (mit 1 Million Rindern
zweitgrößter Rinder-Bestand! Extra-Zuwendung an die Mäster
von 5 Millionen DM. – Im Januar`01 Entschädigung eines
Mästers von 450.000 DM (aus der Tierseuchenkasse) für
die Tötung von 273 Rindern (nur eins davon hatte BSE!) –
Im gleichen Monat wird ein “10 Millionen-Programm für
in ihrer Existenz bedrohte Betriebe“ aufgelegt. - Es steht
zu vermuten, dass bundesweit auch an andere Betriebe, in denen nach
jeweils nur einem (!) BSE-Fall die ganze Herde umge-bracht wurde,
Entschädigungen zugingen; darunter für 1.000 Tiere in
Mücheln bei Mersburg, die alle auf einmal “zum Schafott
ge-führt“ wurden. – Ende Januar 01 waren bereits
2.000 Rinder (mit 19 BSE-Fällen) getötet worden.
II. Kosten für europaweite BSE-Tests
(Anm.: Die Tests geben keine 100 %ige Sicherheit!) - Pro
Test werden zwischen 200,- und 400,- DM veranschlagt.
- EU-Nachtragshaushalt für 2001: Ca. 1,9 Milliarden DM (= fast
1 Milliarde €). Deutschland muss dafür einen Anteil von
500 Millionen DM übernehmen. – EU-Kommissar Fischler
schätzt jedoch die Mehrausgaben der EU auf 3 Milliarden €
(= knapp 5,9 Milliarden DM)! Damit soll auch die “Vernichtung“
von Hunderttausenden Rindern finanziert werden. – Die Tests
sollen ab August 01 auf alle Schlachttiere ausgeweitet werden, z.
B. Schafe und Ziegen. Ebenfalls Einbeziehung allen erlegten Reh
– und Damwildes! (Notiz im Februar`01: „In vielen Wildfütterungen
wird bis heute Tiermehl verfüttert“. (!) - Deutschland
(Prognose noch vor dem “Super-Gau“, seitens des damaligen
Bundeslandwirtschaftsministers Funke): 5,4 Millionen Rinder, pro
Test ca. 200,- DM=1,8 Milliarden DM
Ein Jahr später:
Kaum meint man, nun endlich das verlorene Vertrauen des Verbrauchers
durch flächendeckende Testprogramme wieder gewonnen zu haben,
kommt bereits der nächste Skandal: Bei Zehntausenden Tests
an “jungen Schlachttieren“ in Privatlabors von Bayern,
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bremen und Nordrhein-Westfalen
werden skandalöse Schlampereien festgestellt. Im Februar 2002
werden bereits 12 private BSE-Testlabors geschlossen und 652 Tonnen
Rindfleisch “vorsorglich“ sichergestellt. Frau Künast
kündigt daraufhin bundesweit einheitliche BSE-Testkontrollen
an. Das Kind ist aber nun schon in den Brunnen gefallen! Die Folge:
EU-Rückforderungen in Millionenhöhe sind so gut wie sicher.
Aber es gibt ja Steuerzahler ... (Anm.: Meines Wissens wurde über
die Kosten dieses erneuten Skan-dals Stillschweigen bewahrt).
III. Kosten für den Ausbau der Laborkapazitäten
(einschl. Personalkosten) zur Durchführung der Tests
- Bsp. Schleswig-Holstein: Zitat: “Die Kosten werden in die
Millionen gehen“. Geschätzt: 19 Millionen DM. (Wohl ähnliche
Kosten, z. T. sicher höhere, in den anderen Bundesländern).
IV. Kosten für das Rinder- „Ankaufs- und Vernichtungsprogramm“
- EU-weit über 2 Millionen Tiere
- Anteil Deutschland 400.000 Tiere
- EU-Gesamtkosten: ca. 2,1 Milliarden DM
- Kosten Deutschland: bis zu 650 Millionen DM
(davon Anteil Bund : 362 Millionen DM; die restlichen Kosten übernimmt
die EU)
- Bsp. Niedersachsen: geschätzte 10 Millionen DM zusätzlich
(u. a. Ausgleichszahlungen für Kurzarbeiter in den Schlachthöfen;
Kosten für „Überwachungsprogramm des Landwirtschaftsministeriums“
etc.)
- Bspl. Landkreis Wolfenbüttel (Nieders.): 30.000 bis 40.000
DM für extra einzurichtende Tötungsplätze (Blutorgien
also bis in den hintersten Winkel ...)
Über das zweite „Vernichtungsprogramm zwecks Marktbereinigung"
– auch die „Herodes-Prämie“ für Kälber
war im Gespräch – sowie über die anfallenden Kosten
erfuhr die Öffentlichkeit so gut wie nichts. Kein Wunder –
mittlerweile waren z. B. in Deutschland einige Strafanzeigen gegen
das Künast-Ministerium eingegangen. – Makabre Züge
trägt zweifellos der Vorschlag, die Mägen der hungernden
Bevölkerung z. B. Nordkoreas und Russlands mit (BSE-getestetem)
Rindfleisch zu füllen. Es hatte sich auch dorthin herumgesprochen,
dass besagte Tests nur eine Scheinsicherheit bieten. Daher wurde
die preiswerte Gabe am Ende empört zurückgewiesen.
V. Ausgaben für BSE-Forschung
- EU, November 1996: 96,3 Millionen DM
- Deutschland (1993 bis 2001): 10 Milliarden DM
- Wahrscheinliches (noch nicht abgeschlossenes) Millionen-Programm:
Tierversuche mit Java-Affen im Primaten-Zentrum Göttingen über
mehrere Jahre: gezielte Fütterung mit BSE-verseuchtem Fleisch
(Kosten: EU)
- Wahrscheinliches (noch nicht abgeschlossenes) Millionen-Programm
mit 50 Kälbern auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern);
seit Januar 2002, über 4 Jahre. (Verseuchungsstrategie siehe
oben.) Kosten: vermutlich Bund.
- EU-Screening-Programm mit 18.000 Schafen (Dauer , ab Januar 2002:
18 Monate) (Verseuchungsstrategie siehe oben.) - Kosten unbekannt;
vermutlich ebenfalls Millionen-Programm.
- Die Zeitschrift Schrot & Korn berichtet in ihrer März-Ausgabe
2002: „Als Folge der BSE-Krise hat das Bundesministerium für
Bil-dung und Forschung (BMBF) das vorübergehend eingestellte
Förderungsprogramm zur Diagnostik von „übertragbaren,
schwammar-tigen Hirnaufweichungen“ (Abk. TSE) wieder ausgeschrieben.
Dabei sind hohe Summen im Spiel. Das BMBF finanziert - die Koordination
der nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten mit
5 Millionen Euro - mit weiteren millionenschweren Forschungsgeldern
die Therapie der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJK)
und - die TSE-Diagnostik an lebenden Tieren.
VI. Kosten für die Entsorgung von
'Tiermehl' sowie der Altbestände von Futtermitteln
Deutschland: Geschätzte 190 Millionen DM; teilweise erbitterter
Streit über die Kostenverteilung zwischen der Bundesregierung
und vor allem Niedersachsen, das jetzt die Folge der Massentierhaltung
von Rindern besonders zu spüren bekommt.
(Schätzung: 40 Millionen DM.)
Wie sieht nun die Realität aus, die sich hinter den Zahlen
verbirgt? Schwer erträglich liest sich, was über Niedersachsens
Entsorgungspro-gramm berichtet wird: ca. 50.000 Tonnen 'Tiermehl'
werden in den Hausmüllverbrennungsanlagen u. a. in Hameln und
Braunschweig sowie im Kraftwerk Buschhaus bei Helmstedt verbrannt.
Hier werden täglich 80 Tonnen angeliefert. Und so geht das
Ganze vor sich: Das Tiermehl wird „als Zuschlagsstoff zur
Braunkohle verfeuert. Es wird mit Klärschlamm versetzt, um
die Staubentwicklung gering zu halten, und dann unmittelbar auf
das Kohlelaufband geschüttet. Da das Tiermehl einen hohen Brennwert
hat, weit höher als Braunkohle, ist es ein idealer Zusatzstoff“.
Auf die Frage, warum man dort Klärschlamm und Tiermehl mit
ins Programm nimmt, antwortet der Gesprächspartner kurz und
bündig: „Neben dem Umweltaspekt sind es zwei Gründe:
Weil die Entsorgung Geld bringt und weil die eigenen Kohlevorräte
dadurch länger reichen.“ – Auf eine kürzere
Formel kann man wohl dies Beispiel einer modernen Mensch-Tier-Beziehung
nicht bringen.
Aber auch andere können da mithalten: Findige Köpfe kamen
nämlich auf die Idee, den Tierkörper, statt ihn geraspelt
und zermahlen zu verbrennen, in einen anderen Aggregatzustand, nämlich
den einer zähflüssigen Masse zu verwandeln und diese der
Autoindustrie preiswert als Schmierstoff anzubieten. Unter der Überschrift
„Vom Tierkadaver zu umweltverträglichem Kühlschmierstoff“
berichtete die BZ im Dezember 2000 von diesem gemeinsamen Projekt
der Technischen Universitäten Braunschweig und München.
Da der bundesdeutsche Bedarf an Kühlschmierstoffen bei 70.000
bis 80.000 Tonnen jährlich liegt, wird man dankbar zugreifen!
Ebenso die chemische Industrie, die ihr Kontingent an Tiernutzung,
z. B. bei Tierversuchen, noch abrunden kann, indem sie die –
für ihren Bedarf nutzbaren – ungesättigten Fettsäuren
dem Kreislauf ihrer segensreichen Tätigkeiten zuführt.
Das sieht wohl auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt so, die das
Projekt mit 900.000 DM fördert! Immerhin kann so – wie
gut für die Umwelt! – z. B. der Autoverkehr problemloser
rollen, denn wer weiß, wie lange die fossile Energiequelle
Öl noch reicht!
VII. BSE und cVJK, die dem BSE verwandte Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit.
Ein Ausblick.
Seit geraumer Zeit herrscht an der „BSE-Front“ eine
gespenstische Ruhe. „Nur keine schlafenden Hunde wecken“,
scheint die Devise. Entsprechend rückläufig sind auch
die Angaben über weitere BSE-Fälle; nur ganz vereinzelt
und sozusagen mit der Lupe kann man sie entdecken. Da braucht man
dann eine kritische Sendung wie MONITOR (ARD), um (am 23.01. dieses
Jahres) zu erfahren, dass sich die Zahl der BSE-Fälle bis zu
dem Zeitpunkt in Deutschland bereits auf 237 erhöht hatte.
Nur scheinbar ist also alles wieder im alten Geleise! Auch auf der
Grünen Woche in Berlin war BSE kein Thema mehr. Wie der Teufel
das Weihwasser scheint man offenbar jedes Sterbens-wörtchen
über BSE und erst recht über vCJK zu meiden. Vorerst ist
– laut MONITOR – in Deutschland (zumindest offiziell)
nur ein An-stieg der Alzheimer Krankheit sowie der alten Variante
der Krankheit (CJK) festzustellen, die es schon länger gibt
(ca. 100 Fälle pro Jahr)! Kein Zweifel besteht wohl daran,
dass vCJK einer tickenden Zeitbombe gleicht. (In England sterben
immer noch Menschen daran!)
„Rinderwahn – Symbol einer irren Politik“, titelte
die BZ im August 1999 ebenso treffend wie beziehungsreich. Ob „die
Politik“ mittler-weile Vernunft angenommen hat? Den Ankündigungen
zufolge soll sich ja ein Wandel in der EU-Agrarpolitik vollziehen,
weg von der jahrelangen Devise „Hauptsache Masse produzieren,
und zwar billig“; und: Wer viel produziert, kriegt als Geschenk
noch Subventionen oben drauf! Es ist zu hoffen, dass wenigstens
die größten Übel beseitigt werden und dass nicht
neue hinzukommen, wenn der EU (ab 2004) 25 Mitglieder angehören!
Vor allem wird auch die Bundesregierung daran zu messen sein, inwieweit
Taten den wiederholten Versprechun-gen folgen, dass eine Agrarwende
den ökologischen Durchbruch (einschließlich verbessertem
Tierschutz!) bringen soll. – Vielleicht kann ja diese Studie
dazu beitragen, die allgemeine Entwicklung auf dem Agrarsektor aufmerksam
und kritisch zu begleiten!
Chronik der Fleischskandale
– Teil IV
Nach Sichtung und Auswertung aller – über mehrere Jahre
gesammelter – Zeitungsartikel mit Informationen über
immer neue Fleischskandale komme ich zu dem Schluss: Das “Schuld–Register“
der Menschheit im Umgang mit den zu reinen “Fress–Objekten“
degradierten sog. Nutztieren ist übervoll. Und es erhebt sich
die Frage, wann und in welcher Form wir die Quittung bekommen für
das fortgesetzte Morden tierlicher Existenzen – in Größenordnungen,
die im wahrsten Sinne des Wortes erschauern lassen. Dies umso mehr,
als das Massenmorden bei immer neuen Seuchenausbrüchen mit
einer erschreckenden Selbstverständlichkeit vor sich geht,
ohne jegliches Unrechtsbewusstsein, und so, als hätte man es
mit seelenlosen Gegenständen zu tun. Diese Rücksichtslosigkeit
verhindert wohl auch, dass “Zeichen an der Wand“ ernst
genommen werden, wie z.B. die durch BSE heraufbeschworene Creutzfeld-Jakob-Krankheit!
– So wird die letzte Eintragung im folgenden Nachweis von
Skandalen und Katastrophen leider noch nicht die allerletzte gewesen
sein....
Die bewusst chronologisch, d.h. nach ihrem zeitlichen Ablauf zusammengestellte
Liste zeigt deutlich, wie zunehmend schnell die – sämtlich
menschengemachten – Katastrophen aufeinander folgen –
immer unheilvoller für die Tiere, und in vieler Hinsicht ein
Abbild menschlicher Bosheit bis hin zu krimineller Energie. Als
Inbegriff skrupelloser Machenschaften zieht sich “BSE“,
neben allem anderen, wie eine rote Blutspur durch die Jahre –
eine bleibende Mahnung an die Menschheit.
Die nüchternen Angaben über massenhafte Tiertötungen
dürfen nicht die qualvollen tierlichen Einzelschicksale vergessen
lassen. Diese Studie wurde auch im Gedenken an die vielen einzelnen
unschuldigen Opfer verfasst.
Gleichgültig, in welchem Land die Tier–Tragödien
ihren Anfang nehmen: In der heutigen Zeit mit ihren täglichen
Irrsinns–Transporten kreuz und quer zu Zucht- und Mastbetrieben
oder zur “Endstation Schlachthof“ – sind bei ausufernden
Fleischskandalen letztlich mehr oder weniger alle betroffen, Tiere
wie Menschen, wo immer sie jeweils vegetieren oder wohnen. Der Massentourismus
tut dann noch sein Übriges, um z.B. Seuchen zu verbreiten.
Es beginnt mit:
- September´96: Schweinepest in den Niederlanden.
30 000 Tiere werden getötet.
- Dezember´96: Tierarzneimittel – Skandal.
Trotz mehrjährigen Verbots weiterer Einsatz des giftigen Antibiotikums
Chloramphenicol (CAP) in der “Tiermast“.
- Januar´97: Ausbruch der Schweinepest in
Niedersachsen (Kreise Vechta, Cloppenburg, Lüchow- Dannenberg
= Hochburgen der Massentierhaltung!) – Trotz Nachweises der
Pest in nur 3 Betrieben werden in weiteren 26 Nachbarbetrieben “vorsorglich“
ebenfalls sämtliche Tiere getötet (“Radius-Keulung“).
– Damit müssen insgesamt 12000 Tiere ihr Leben lassen.
(Anm.: Eine lang anhaltende Schweinepest gab es bereits in den Jahren
1993 – 1996 in den gleichen Kreisen!)
- Januar´ 97: Zur gleichen Zeit Schweinepest
im Kreis Paderborn. Fast 6000 Tiere müssen
“vorsorglich“ sterben. (“Vorsorglich“: Durch
sämtliche Tötungs – Berichte zieht sich dieses Unwort
im Zusammenhang mit den Zahlenangaben der getöteten Opfer.
Die unsäglichen Beseitigungs-Orgien verschonen übrigens
auch nicht die Tausende von Tieren in Beständen, in denen kein
einziges Tier Auffälligkeiten zeigt! Wie besessen ist man offenbar
bemüht, den
Fleisch - Verzehrer bei der Stange zu halten). Bei der Suche nach
dem Sündenbock für das Desaster das bekannte Ablenkungs-Ritual;
diesmal in der besonders lächerlichen Version, Krähen
hätten an einer Wildschwein-Leiche gepickt und die Seuche eingeschleppt
– wohlgemerkt bei modernsten Sicherheitsvorkehrungen! Auf
dass nur keiner auf den Gedanken kommt, die krank machende Massentierhaltung
sei der Grund!
- Mai´97: Erneut Schweinepest in den Niederlanden,
“mit vielen Notschlachtungen“.
- 1997: Ausbruch der “Hühnergrippe“
in Hongkong (s. auch später SARS). Ausbreitung nach Vietnam,
Singapur, Kanada. Grausame Tötung von über 1 Million Hühnern;
6 Menschen sterben.
- Juli´97: Betr. US – Hormonfleisch.
Gefahr der Aufweichung des EU-Verbots durch die Welthandelsorganisation
WTO (“Kein wissenschaftlicher Beweis für gesundheitliche
Risiken...“)
- Juli´97: USA: Durchseuchung von Hackfleisch–Hamburgern
mit Kolibakterien. Fast 80% enthielten Mikroben, die überwiegend
durch Fäkalien verbreitet werden. (Bereits 1993 ungewöhnliche
Häufung von Kindern mit blutigem Durchfall, verursacht durch
verunreinigte Hamburger! Über 700 Personen erkrankten, 4 starben.)
Der betr. Krankheitserreger ist heute in den USA der häufigste
Grund für Nierenversagen bei Kindern.
- 14.07.´97 (“Spiegel“): “Die
Drahtzieher der berüchtigten belgischen Hormonmafia sorgen
seit Jahren für Skandale im Fleischgeschäft.“
- Januar´98: Schweinepest in der “Zuchtfabrik“
Losten (Landkreis Nordwestmecklenburg). Tötung von 62 000 Schweinen.
– Ausbreitung nach Niedersachsen durch Belieferung mit Ferkeln.
Dort “vorsorgliche“ Tötung von ca. 300 Ferkeln
und “Mastschweinen“ sowie von 1060 weiteren Schweinen
in drei benachbarten Betrieben.- Bilanz nach Ende der Ausbreitung
in insgesamt vier Bundesländern: Massenmord an 86.000 Tieren.
Kosten dieser Pest: 2,3 Millionen DM.
- Oktober´98: Kälbermast – Skandal
(Einsatz verbotener “Mastbeschleuniger“). Betroffen
über 500 Kälber im Emsland und im Kreis Vechta.
- Oktober´98: Schweinepest in Niedersachsen
und Nordrhein-Westfalen. 17.500 Tiere werden getötet.
- Dezember´98: Ausbruch der hoch ansteckenden
Tierseuche “Aujeszkysche Krankheit“. (Herpes-Virus).
Ausbreitung von einem Schweinezuchtbetrieb im Kreis Ostholstein
auf 12 Betriebe in Schleswig – Holstein und 6 weitere in Niedersachsen
und Hessen (Belieferung mit „Jungsauen“).- “Keulung“
von ca. 4000 Tieren. (Sündenbock diesmal ein in Ostholstein
gefundener infizierter Fuchs...).
- 17.03.99: (ZDF/“Kennzeichen D“):
Dioxin-verseuchtes Fleisch gefunden. (Herkunft?)
Dioxin: hoch gefährliches Umweltgift, das sich bei der Aufnahme
laufend im Körper anreichert. Massive Schädigung des Immunsystems,
der Schilddrüse etc.) – Das bis zu 2000fache der - von
der EU erlaubten – „normalen Umweltbelastung“!
– In Deutschland existieren nicht einmal Grenzwerte für
Dioxin.
Darüber hinaus wurde massenhaft Bakterien–verseuchtes
“Geflügel“–Fleisch gefunden. Bei ca. 80%
der “Hähnchen“ Eitererreger im Fleisch.
- Mai´99: Gutachten betr. US – Hormonfleisch:
Krebsgefährdung; Beeinträchtigung der Entwicklung Heranwachsender!
(Die EU rechtfertigt das Einfuhrverbot).
- Mai´99: Erneuter Ausbruch der Schweinepest
in Niedersachsen. Über 1600 Tiere werden getötet.
- Mai´99: Tatort Belgien: Es bahnt sich der
nach BSE größte Lebensmittelskandal an. Hohe Dioxin–Konzentrationen
in Hühner- , Rind- und Schweinefleisch sowie in Eiern (Lieferung
von verseuchtem Futter auch nach Deutschland), - Wie üblich
in solchen Fällen: Vertuschung seitens der belgischen Regierung,
“um den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich
zu halten“. – Da ist auch die CMA, das Sprachrohr der
deutschen Fleischindustrie, schnell zur Stelle, die dafür sorgen
muss, dass den Leuten der Appetit nicht vergeht: “Bunte Schenkel
vom Hähnchen, pikant gewürzt“ lautet eine umgehend
geschaltete bebilderte Rezeptempfehlung. Vielleicht ein belgisches
Hähnchen, wer weiß? Wie auch in solchen Fällen üblich,
sind schon längst PCB–Beigaben z.B. zu Geflügelfleisch–Hamburgern
und –pastete in den Verbraucher-Mägen gelandet; da spielen
die betr. Schenkel auch keine Rolle mehr.
- Juni´99: Aber es kommt noch “besser“:
Alsbald wird noch das Umweltgift PCB (Polychlorierte Biphenyle)
in Fleisch und Eiern gefunden. (In Letzteren 2000fache Überschreitung
des Grenzwerts!).
- 15.07.99: (ZDF “Frontal“): “Der
Fleischhandel strotzt vor krimineller Energie“;“Gifte
in aller Munde“.
- Juli´99: Dioxinfunde in etlichen EU-Ländern,
jedoch: “Übereinstimmend wurde erklärt, eine Gesundheitsgefahr
für die Konsumenten bestehe nicht.“ (Auch dies ein volksverdummender
Slogan, der sich durch sämtliche amtliche Äußerungen
nach Aufdecken von Lebensmittel – Skandalen zieht; das Komplott
von Fleisch–Mafia und Politikern macht´s möglich).
- - Mittlerweile beherrscht BSE die Gazetten –
- Januar´01: Schweinemast - Skandal in Bayern.
Illegaler Verkauf von Tierarzneien in Deutschland und Österreich
durch Tierärzte. (Antibiotika, Hormone als Wachstumsförderer,
zum schnelleren Erreichen des Schlachtgewichts.) – Der Verbraucher
“braucht wiederum nicht beunruhigt“ zu sein, handelt
es doch nur um folgende (übrigens noch EU-weit erlaubte!) Futterzusätze:
Avilamycin (für Schweine, “Masthühner und –puten);
Flavophospholipol (für Rinder, Schweine, “Geflügel“,
Kaninchen); Momemsin – Natrium (nur für “Mastrinder“)
und Salinomycin-Natrium (für Schweine). Weitere Antibiotika
werden in großem Umfang zur Krankheits-Prophylaxe verschrieben
und verkauft. (Landet ja alles irgendwann auf den Verbraucher-Tellern...)
- Mal sehen, ob sich die EU mit ihrer Absichtserklärung, ab
2005 oder 2006 alle Antibiotika zu verbieten, z.B. gegen den Bundesverband
für Tiergesundheit (!) – Vertreter von z.B. Tierarzneimittel–Herstellern–
durchsetzen kann, der bereits von “einem Akt blinder Regulierungswut“
spricht.....
- Februar´01: Ausbruch eines Supergaus –
der Maul– und Klauenseuche (MKS), wiederum, wie BSE, in Großbritannien,
wo man das erneute, hausgemachte Unglück nicht fassen kann.
(Wegen des Umfangs sowie der grundsätzlichen Bedeutung der
damaligen Vorgänge erfolgt eine gesonderte Darstellung im nächsten
Heft, im letzten Teil dieser Serie!)
- September´01: In 14 von 19 (durch Greenpeace
untersuchten) Putenschenkeln finden sich Antibiotika in den Knochen
(Dazu Greenpeace: “...grauenhafte Zustände in den Putenmastanlagen...)“
(Anm. Während der BSE–Krise wurde vor allem auf Putenfleisch
zurückgegriffen; Anstieg um bis zu 20%!)
- Oktober´01: Das Bundesinstitut für
Verbraucherschutz informiert über Salmonellen–verseuchtes
Fleisch (bei “Masthähnchen“ rd. 20% des kontrollierten
Fleisches!) Auch Eier sind betroffen. Salmonellen können schwere
Darminfektionen auslösen!
- Januar´02: “Fischmehl – Skandal“:
Mit dem Antibiotikum Chloramphenicol (CAP) belastete Fischabfälle
aus den Niederlanden wurden in Cuxhaven zu Futtermitteln verabeitet
(z.B. in einem Schweinemastbetrieb in Sachsen-Anhalt verfüttert).
CAP führt beim Menschen u.a. zu einer Störung des Blutbildes.
– Vorwurf an das Künast–Ministerium: Trotz abgegebener
Versprechen, Weitergabe der Information verschleppt!
- Januar´02: Mit verbotenem Antibiotikum
belastetes Kalbfleisch aus den Niederlanden findet sich in Niedersachen
und Nordrhein-Westfalen wieder.
- Februar´02: Mit CAP verseuchte Riesengarnelen in den Regalen
von Rewe und Spar. (Rückrufaktion)
- Februar´02: “Als Folge zu großzügigen
Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung sind Erreger resistent
geworden.“ (U.U. dramatische Auswirkungen in der Medizin,
die auf Antibiotika angewiesen ist!)
- März´02: (Magazin der Frankf. Rundschau):
Escheria coli 0157:H7 – ein potenziell tödlicher Krankheitserreger
– wird immer wieder in Lebensmitteln, vor allem Fleisch, gefunden.
- Mai´02: Der Nitrofen- (Futtermittel-) Skandal
(Nitrofen = Krebs erregendes Pflanzengift). Nachweis in Fleisch
und Eiern; Anfang März bereits - ,mit dem 10fachen des Grenzwerts
– in Putenfleisch aus Niedersachsen gefunden.
Auf diesen Skandal, in den auch die Bio–Branche mit hineingezogen
wurde, wird ebenfalls ausführlicher in der nächsten Ausgabe
eingegangen.
- Juni´02: Nitrofurane (in der EU verbotene
Antibiotika in der “Tierzucht“) werden in Hamburg
und Hessen in Geflügelfleisch aus Brasilien gefunden.
- November`02: Ausgehend von der südchinesischen
Provinz Guangdong, Ausbruch von SARS (“Schweres akutes Atemwegssyndrom“,
eine u.U. tödliche Lungenkrankheit, gegen die noch kein Mittel
gefunden wurde.): “Die 1. globale Epidemie des 21. Jahrhunderts“
(WHO).
Auch dazu Näheres in der nächsten ZEITENWENDE!
“SARS“ beherrscht vorerst die Berichtserstattung in
der Presse -
- Januar´03: 120 Menschen in der Republik
Kongo werden durch das Ebola-Virus getötet
(Verzehr von infiziertem Gorilla-Fleisch).
- November´03: Antibiotika–Funde in
Millionen von Eiern (betroffen 7 niedersächsische Legehennen-Betriebe
mit 44000 (!) Hennen). Sämtliche Eier werden vernichtet. (Über
die Hennen erfährt man nichts). – Grund: menschliches
Versagen. Der Futtermittel-Hersteller Miavit (Kreis Cloppenburg)
versetzte die Futtermittel versehentlich mit dem Mittel Lasalocid.
– Stellvertretend für anderen behördlich veröffentlichten
Schwachsinn, hier ein Zeitungs-Zitat: “Das Antibiotikum ist
nach Behördenangaben nicht gesundheitsschädlich. Es ist
jedoch in Lebensmitteln verboten, damit Menschen beim Verzehr keine
unbeabsichtigten Resistenzen gegen den Stoff aufbauen und dieser
später in Arzneimitteln unwirksam wäre.“ Auch eine
dieser Beruhigungspillen!
- Januar´04: Ausbruch der Vogelgrippe in
Asien. Ausgang bereits im November 2003 in Indonesien; auf Druck
der “Geflügel“–Industrie Geheimhaltung!–
Seit August 2003 starben dort bereits 4,7 Millionen Hühner
an der Newcastle–Vogelkrankheit und an Geflügelpest,
bzw. sie wurden umgebracht. – Verbreitung der “Vogelgrippe“
nach Vietnam, Thailand, Taiwan, Japan, Südkorea, Kambodscha,
Pakistan. Im Februar wird berichtet, dass ca. 80 Millionen Federtiere
unter höllischen Umständen ermordet wurden (oft lebendig
begraben). – Durch die entsetzliche Art der Tierhaltung, u.a.
totaler Mangel an Hygiene, sind diese Länder prädestinierte
Brutstätten für Seuchen jeder Art. Aus Angst, angesteckt
zu werden, weigern sich in Thailand Arbeiter, die Massentötungen
an Millionen von Tieren vorzunehmen. Stattdessen werden Soldaten
und Häftlinge dazu abkommandiert.
Die WHO befürchtet die Entstehung einer Kreuzung aus Vogelgrippe
und menschlicher Influenza, die zu einer weltweiten tödlichen
Epidemie beim Menschen führen könnte.
- Januar´04: Hunderte Menschen in der Westtürkei
erkranken an Trichinellose, einer Infektion, die fast ausschließlich
durch Schweinefleisch übertragen wird. Da dies Fleisch zu essen
den Moslems aus religiösen Gründen nicht erlaubt ist,
herrscht allenthalben Panik. Der Hintergrund: Auf illegalen Farmen
wurden Schweine gezüchtet und geschlachtet, deren (billiges)
Fleisch heimlich gleich tonnenweise Hackfleisch, Würsten usw.
beigemengt wurde. Die eilig eingesetzten Fahnder fanden z.B. inmitten
von Istanbul eine Farm mit 5000 Tieren, auf der die Haltung von
nur 10 Tieren erlaubt war. – Die Regierung Erdogan will nun
per Gesetz alle Schweinefarmen unter Kontrolle stellen.
- Februar`04: Importverbote seitens der EU für
“Geflügel“–Fleisch aus mehreren asiatischen
Ländern; ebenso aus den USA, wo im Staate Delaware ebenfalls
die Vogelgrippe ausbrach.
Chronik der Fleischskandale,
Teil V
In diesem letzten Teil der Auflistung der Fleischskandale
seit 1996 geht es um MKS, SARS und Nitrofen.
I. MKS – die Maul- und Klauenseuche
Anfällig für diese Seuche sind Schweine, Rinder, Ziegen
und Schafe sowie frei lebende Huftiere wie Hirsche und Rehe.
Großbritannien, Februar 2001: Das Land stand noch ganz im
Zeichen der fast 20 Jahre dauernden BSE–Tragödie, als
neues Ungemach in Form von MKS über die Bevölkerung hereinbrach
– nicht schicksalhaft, sondern ebenfalls hausgemacht! Wer
Tiere durch rücksichtslose Ausbeutung schwächt, darf sich
über die Folgen nicht wundern! – Wie heutzutage üblich,
lösen Hiobsbotschaften dieser Art aus einem Land auch in so
gut wie allen anderen Ländern augenblicklich Entsetzen aus,
ist man doch durch die unseligen Tier-Todestransporte zu den Schlachthöfen
international miteinander verflochten. Von einem Tag auf den anderen
kann da ein ganzes Land in eine Art Kriegszustand versetzt
werden – der Fleischhandel macht`s möglich. Und wieder
müssen auch diejenigen darunter leiden, denen der Fleischverzehr
ein Gräuel ist, weil sie die Tiere als Gefährten und nicht
als Fleischlieferanten betrachten! Da werden z.B. bei Verdachtsfällen
ganze Regionen abgeriegelt und die Polizei tritt auf den Plan, um
über die Einhaltung der Katastrophenschutz–Anweisungen
zu wachen. Wie ein drohendes Menetekel sind noch die damaligen Fernsehbilder
aus Großbritannien in Erinnerung, die auch in bundesdeutsche
Wohnzimmer flimmerten und sicher so manchem das Wurstbrot in der
Kehle stecken ließ. Dazu exemplarisch der Kommentar einer
Londoner Korrespondentin zum Verbrennen von 800 getöteten Schweinen,
auf einer Strecke von 40 Metern aufeinander gehäuft: “Es
ist ein gespenstisches Bild. Mit Öl und Diesel getränkte
Tierkadaver werden bei Eintreten der Dunkelheit von Männern
an Schaufelbaggern, mit Schutzanzügen und Gesichtsmasken ausgerüstet,
in tiefe Gräben gestapelt. Wenig später lodern Flammen
in der klaren Frostnacht, ein Übelkeit verursachender Geruch
breitet sich aus.... Straßen werden gesperrt, Schulen geschlossen
und sogar umliegende Flughäfen auf die Feuer- und Rauchentwicklung
hingewiesen.“ Darüber hinaus hatte diese Art der “Entsorgung“
eine gefährliche Umwelt–Relevanz, indem Dioxine freigesetzt
wurden! Ende März hatte die britische Armee Massengräber
für 500 000 Tiere ausgehoben. Aber dies war erst der Anfang!
Allein 2001 wurden in Großbritannien wegen MKS 11 Millionen
Tiere getötet und in Vernichtungsprogrammen (scheinbar) entsorgt.
Auch in den anderen Ländern, die Tiere aus Großbritannien
bezogen hatten, ließen die Tötungsorgien nicht auf sich
warten. In Deutschland wurden u.a. 1850 Schafe in NRW umgebracht
– eines Verdachtsfalles wegen. In einer Dringlichkeitsverordnung
forderte Frau Künast Ende Februar 2001 “die Tötung
aller in den vergangenen vier Wochen aus Großbritannien importierten
Schlachttiere“ (Zahl unbekannt). Im Mai ´01 wurde allgemein
Entwarnung gegeben, doch schon am 28. August hieß es: “Zehn
neue Fälle von MKS in England.“ Rund 270 Schlachttier-Transporte
wurden in der betr. Gegend verboten. Es ist alles nur eine Frage
der Zeit.... Und die nächste Seuche kommt bestimmt, wenn sich
nichts ändert. Übrigens: Was tragen eigentlich die Kirchen
dazu bei, dass den Tieren – laut Bibel ebenfalls Gottesgeschöpfe
– geholfen wird? Antwort: Nichts. Ihr ganzes Sinnen und Trachten
ist auf den Menschen gerichtet! Verantwortung auch für die
Tiere? Fehlanzeige. Wenn`s aber um die Menschen geht und ihre geistliche
Betreuung, kennt der Einfallsreichtum offenbar kaum Grenzen. Beispiel
Niedersachsen – Hochburg der Massentierhaltung - wo bei Seuchengefahr
die Angst bei den Massentier–Haltern umgeht und sie Trost
brauchen. Wer könnte den besser spenden als z.B. die katholische
Kirche? Braunschwg. Zeitung, 03.04.01: “Im Bistum Osnabrück
haben verschiedene Kirchengemeinden begonnen, vor den Türen
ihrer Gotteshäuser Wannen mit Desinfektionsmitteln aufzustellen.
Die Kirche wolle, so Hermann Haarmann, Leiter der bischöflichen
Pressestelle in Osnabrück, damit auch ein Zeichen der Solidarität
mit den Bauern setzen.“ – Auf Solidarität auch
mit der geschundenen Tierwelt wird man dagegen wohl für alle
Zeiten vergeblich hoffen!
II. SARS (Schweres akutes Atemwegssyndrom; “Lungenseuche“)
Peking, Ende April 2003: Szenen wie im Science-Fiction-Film. Das
Leben in der Stadt ist zum Stillstand gekommen; die wenigen, die
sich durch die Straßen bewegen, tragen Mundschutz, der sie
jedoch nur notdürftig gegen Ansteckung schützt. Ein Gerücht
macht die Runde, die gesamte Stadt werde abgeriegelt und sämtliche
12 Millionen Einwohner würden unter Quarantäne gestellt.
Für einige Tausend ist dies bereits Realität. Die Lage
hat sich derartig zugespitzt, dass sämtliche Unterhaltungsstätten,
Theater, Konzertsäle, Kinos, Büchereien, Internet-Cafés
und vor allem Schulen geschlossen werden. Alle Sportveranstaltungen
sind abgesagt. Die Angst vor SARS, der „mysteriösen Lungenseuche“
geht um, und das bald weltweit. Lange vertuscht von den Behörden,
breitete sich bereits im Herbst 2002 diese neue Variante des Grippe-Virus
in Guangdong aus, der südchinesischen Provinz, als Brutstätte
für Seuchen berüchtigt. Hygiene ist dort ein Fremdwort;
unter erbämlichen Bedingungen leben Mensch und Tier zusammengedrängt
unter einem Dach. Aber auch auf den grauenhaften Tiermärkten
sind Seuchen vorprogrammiert! Von Guangdong ausgehend, breitete
sich SARS blitzschnell nach Hongkong, Vietnam, Singapur, Taiwan
und Thailand aus, aber auch – da genügen wenige Fernreisende,
die die Krankheit einschleppen, - nach Toronto (Kanada) und Europa
(u.a. Deutschland mit 7 Fällen). Ende Mai`03 gibt es weltweit
bereits 240 Erkrankte und 745 Tote. Schließlich sind 30 Länder
betroffen – die erste globale Katastrophe, wie es heißt.
Im schlimmsten Fall, so wird gemutmaßt, werden ganze Völkerscharen
dahingerafft, falls man weiterer Verbreitung nicht Herr wird. Ein
Gegenmittel gibt es nicht. Aber das sind besorgte Spekulationen
– die Tiere hat die tödliche Realität wie immer
längst eingeholt. In diesem Fall wird als Hauptursache der
Verzehr der sog. Schleichkatzen angenommen. Die Folge: Diese armseligen
Kreaturen müssen als Sündenböcke in großer
Zahl auf grausame Art ihr Leben lassen. „Kommt SARS vom Markt
der gequälten Tiere?“ titelte BILD am 10.04.03 mit einem
Foto. Es zeigt u.a. Katzen, bis zu 25 Tiere in einen engen Gitterkäfig
gesperrt. Dazu dieser Text: „Ihr Fell ist mit Urin und Kot
verschmiert. Daneben Hühner, Echsen, Affen, Hunde. Auf diesem
Tiermarkt kaufen die Restaurantköche ein. Im tropischen Süden
Chinas gelten Katzen, Hunde, Vögel und Schlangen als Spezialität.“
– Und der STERN berichtet in der Ausgabe 16/2003: „Im
Restaurant des Exotischen Geschmacks am Stadtrand von Kanton liest
sich die Speisekarte wie eine Werbung für den Zoo: Luchse,
Schlangen, Rehe, Kraniche, Ratten, Katzen.... “Wir kaufen
täglich frisch auf dem Lon Chun Wai Tiermarkt“, freut
sich der Besitzer. Dort gehen die Reiher, welche die Wilderer im
Sumpfgebiet zwischen Hongkong und Guandong einfangen, für 250
Yuan (= 28€) über den Tisch! Viele Chinesen glauben, ihr
Fleisch verlängere das Leben. Nebenan wird einem Hund das Fell
abgezogen. Ein Bauer bringt Tiernachschub. Auf dem Rücksitz
seines Motorrollers lassen Gänse die Hälse aus ihren Käfigen
hängen, darüber hat er Hühner, Tauben, Kaninchen
gestapelt. – Jeden Tag verzehren Kantonesen mindestens 10
000 Katzen. Aber heute preist ein Tierhändler Schuppentiere
und Fledermäuse an.“
Bei der Suche nach weiteren Überträgern kommt man auf
die Kakerlaken. Das freut die Insektizid – Produzenten: Ihre
Kurse steigen an der Tokioter Börse rasant in die Höhe.
Ein Profitjäger kann eben auch in Katastrophenzeiten seinen
Reibach machen!
Welche Kosten verursachte SARS für die Wirtschaft Ostasiens,
allen voran Tourismus, Transportwesen, Einzelhandel? Die Weltbank
schätzte sie Ende April` 03 auf mindestens 15 Milliarden Dollar
(= 13,7 Milliarden Euro).
Gehört nun SARS für immer der Vergangenheit an und alle
können aufatmen? Mitnichten. Braunschwg.Zeitung am 07.01.04:
“SARS-Gefahr: Schleichkatzen werden getötet.“ –
Und am 09.01.:
“In China hat die Tötung von 10 000 Schleichkatzen begonnen.
Die Gesundheitsbehörden gehen zudem gegen weitere mögliche
Krankheitsüberträger vor: Auch Ratten, Mäuse, Küchenschaben,
Fliegen und Stechmücken sollen vernichtet werden.“ –
Ende April: “Vier Chinesen an SARS erkrankt. 470 Menschen
unter Quarantäne gestellt, darunter eine Kellnerin, die Schleichkatzen
serviert hat.“
Der STERN zitierte 2003 einen bekannten australischen Virologen,
einer der Erforscher der sog. Hühnergrippe: “Dies war
nur die Generalprobe für die nächste weltweite Epidemie.“
– Daran zweifelt z.B. nicht, wer aus dem SPIEGEL 17/2003 erfährt,
dass aus den entsprechenden Regionen Ostasiens pro Woche beispielsweise
40 000 Menschen allein am Frankfurter Flughafen ankommen....
III. Der Nitrofen – Skandal
Zum Schluss noch einmal zurück nach Deutschland, zu einem Lebensmittel–Skandal,
welcher der Bio–Branche so viel Ungemach bereitete und sie
danach unverschuldet in Verruf brachte. In der letzten Maiwoche
2002 kam heraus, was monatelang verheimlicht worden war: Hochgradig
verseuchte Bio-Futtermittel waren in großem Stil an über
100 Bio-Höfe in 5 Bundesländern verkauft und an die Tiere
verfüttert worden. Damit gelangte das giftige Unkrautvernichtungsmittel
Nitrofen auch in Fleisch und Eier. (Nitrofen enthält das “Seveso-Gift“
TCDD, das stärkste bekannte Dioxin-Gift, ein Stoff, der im
Entlaubungsmittel Agent Orange enthalten war und schon im Vietnam-Krieg
schwere Missbildungen verursacht hat!) Für die Bio-Landwirte
sowie die Verbraucher, die ihren Qualitätsprodukten vertrauten,
brach eine Welt zusammen. Und die Attacken der Funktionäre
der konventionell produzierenden Agrarwirtschaft – allen voran
Bauernpräsident Sonnleitner – gegen Frau Künast
und die versprochene Agrarwende ließ nicht auf sich warten!
Für sie war die Affäre ein gefundenes Fressen, und der
Bevölkerung wurde suggeriert, die “normal“ produzierten
Lebensmittel seien offenbar die bessere Alternative. Ein leicht
zu durchschauender Schachzug!! Denn schon bald wurde deutlich: Kriminelle
Energie gerade der alten Agro-Seilschaften hatte zu der Katastrophe
geführt! Dass auch einige Vertreter der Bio-Branche nicht den
Mut hatten, die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren,
bot natürlich dem Vorwand für eine Rundum-Diskriminierung
der gesamten Öko-Zukunft.
Der Hintergrund: Die Handelsfirma Norddeutsche Saat- und Pflanzgut
AG (NSP) hatte das Biogetreide gekauft und in einer Halle in Malchin
(Meckl.-Vorpommern) gelagert, die früher der DDR als Pestizidlager
gedient hatte. Die NSP verkaufte das Getreide weiter an den Futtermittelhersteller
GS Agri in Cloppenburg. Dort wurde es weiterverarbeitet und ging
an mehr als 100 Bio-Bauern. Bei einer Kontrolle wurde die 200.000fach
über dem Grenzwert liegende Menge von Nitrofen nachgewiesen.
Die Bio-Bauern hatten von dieser Verseuchung natürlich keine
Kenntnis, wurden also unverschuldet in die Affäre mit hineingezogen!
Tatsache war, dass sich alsbald auch Agrarindustrielle auf dem wachsenden
Öko-Markt breit machten, denen es egal ist, womit und auf wessen
Kosten sie Profite machen! Die Zeitschrift “Schrot & Korn“
(7/2002) bringt es auf den Punkt: “Bei den betroffenen Firmen
– NSP, GS Agri, Wiesengold, Grüne Wiesen Biohöfe
– handelt es sich um die Bio-Ableger großer konventioneller
Lieferanten.“ Was an sich begrüßenswert ist –
die Belieferung der großen Supermarktketten mit “Bio-Ware“
– ist verständlicherweise vor allem den strengen Richtlinien
verpflichteten Bio-Bauern ein Dorn im Auge, die mit besonderem Verantwortungsbewusstsein
für Mensch, Tier und Natur wirtschaften und die natürlich
in finanzieller Hinsicht zu kämpfen haben. Da ist die Versuchung
groß, etwa im Sinne der alles andere als strengen EU-Vorschriften
zu produzieren – die übrigens auch die Messlatte für
Renate Künasts Bio-Siegel sind. Ihre Absicht, Bio-Produkten
zum Durchbruch zu verhelfen, hat zweifelsohne zu einer Verwässerung
der ursprünglichen Standards geführt. Dazu der kritische
Kommentar im STERN 21/2002: “Auch in der Öko-Branche
sind Formen von Vertragslandwirtschaft entstanden: Der Auftraggeber
liefert Küken und Futter und holt am Ende Eier, Fleisch und
Hühnerdreck ab. Ökologisch korrekt ist das alles nicht
mehr und wo solche Strukturen entstehen, kommen Futterhändler
wie GS Agri oder eben die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG ins
Spiel – das ganze vermaledeite System der konventionellen
Agrarindustrie.... Die laschen EU–Vorschriften verleiten zum
Rückfall in die alten Strukturen..... Ein EU-Bio-Bauer muss
nicht einmal, wie es bei großen Verbänden selbstverständlich
ist, seinen gesamten Betrieb auf ökologische Wirtschaftsweise
umstellen. Wenn es lukrativ erscheint, kann er sich ein paar Öko-Säue
halten, den Kartoffelacker nebenan aber mit Pestiziden traktieren.“
Das von Frau Künast propagierte “Klasse statt Masse“
könnte sich zunehmend als Wunschdenken erweisen und der Agrarwende
abträglich sein!
Der Nitrofen-Skandal zog wiederum ein tausendfaches Verbrechen an
den Tieren nach sich: In den insgesamt 37 Betrieben, in denen dies
Gift nachgewiesen wurde, vergaste und entsorgte man über 240
000 Legehennen, 30 000 “Masthähnchen“ und über
25 000 Puten. Darüber hinaus wurden über 4000 Schweine
umgebracht. Abermals Gräueltaten, die zum Himmel schreien,
wie die zahllosen anderen, an die ich noch einmal erinnert habe.
Am Ende dieser fünfteiligen kritischen Untersuchung stellt
sich die Frage: Was muss eigentlich noch alles passieren, damit
endlich – in unserem eigenen Land und darüber hinaus
EU-weit – ein Umdenken stattfindet, eine radikale Hinwendung
zu ethischen Standards mit Lebewesen, die sich ebenso ihres Daseins
freuen möchten wie wir selbst? In letzter Konsequenz heißt
dies, den menschlichen Lebensstil dahingehend zu verändern,
dass man den Tieren nicht nur zu deren Lebzeiten mit Achtung begegnet
und sie pfleglich behandelt, sondern dass man ihr Leben verschont!
Eine Utopie, mag sein. Aber Utopien sind wie Leuchtfeuer, die dem
Menschen den richtigen Weg weisen.
Margret Giese
Ob 2 Tage oder 4 Jahre
alt -
es bleibt immer Gammelfleisch
A.K.T.E .- Redaktion / Harry Harper
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