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Vegetarische Ernährung von Hund und Katze

Jürgen Foß, Ansprechpartner für Fragen zur vegetarischen Ernährung von Hunden und Katzen berichtet über die Motivation und Vorteile der fleischlosen Fütterung.

  • Vegetarisches Futter bedeutet gelebter Tierschutz

  • Vegetarisches Futter ist gesund

  • Das eine Tier für das andere töten zu lassen, bedeutet willkürliche Einteilung der Wertigkeit eines Tierlebens

Wir hegen und pflegen die uns anvertrauten Tiere und versuchen ein optimales Zuhause für sie zu schaffen. Selbstverständlich sollte dies auch bei Ziegen, Schafen, Schweinen, Rindern, Hühnern und natürlich auch bei Kaninchen der Fall sein, obwohl es sich dabei gleichzeitig um potentielle "Schlachttiere" handelt, die leider in der Regel im Kochtopf landen. NoyJeder ethisch motivierter Tierhalter wird denjenigen vom Hofe jagen, der einen solchen Wunsch äußern würde. Diese "Nutz-Tiere" zu hegen und zu pflegen, aber gleichzeitig die gleichen Tiere eingedost an andere Tiere zu verfüttern, ist doch recht fragwürdig. Verfüttert man fleischhaltiges Futter, müsste man konsequenterweise die eigenen so genannten "Nutztiere", allein schon aus Kostengründen sofort auch der Schlachtung zuführen und an Hund und Katze verfüttern; also auch z.B. das Kaninchen der Kinder. Würde zum Beispiel ein Tierheim oder ein Gnadenhof dies tun, wäre der Skandal perfekt. Die gleichen "Nutz-Tiere" anonymisiert in Dosen zu verfüttern, erscheint hingegen für viele Tierschützer und Tierrechtler legitim. Wir können aber nicht einige Kaninchen oder Schweine, nur weil sie zufällig bei uns gelandet sind, lieben und pflegen, aber gleichzeitig die Tötung anderer Kaninchen oder Schweine für unsere Hunde oder Katzen in Auftrag geben.

Umfassender Tierschutz

Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Tierschutz exakt bedeutet, wenn man ihn ernsthaft betreibt? Bedeutet Tierschutz den Schutz willkürlich ausgewählter Kuscheltiere wie Hund und Katze oder den Schutz von allen leidensfähigen Tieren ohne willkürliche Auswahl? Quelle:Vitanimaux2000Echter, umfassender Tierschutz schützt meiner Meinung nach alle Tiere. Daraus folgt aber auch logischerweise, dass wir keine Tiere schlachten oder dies in Auftrag geben, um sie an andere Tiere zu verfüttern. Denn würden wir einige Tiere schlachten oder schlachten lassen, um sie zu verfüttern, dann wären wir sicher nicht unserer Aufgabe gerecht geworden, alle Tiere vor Leid und Tod zu schützen. Tiere gleichzeitig schützen und töten zu wollen, ist ein Widerspruch in sich. Denn töten wir ein Tier, dann nehmen wir ihm das wichtigste und wertvollste, was es hat: sein Leben. Deshalb sollten wir auch unsere "Haustiere" nicht mit handelsüblichem fleischhaltigem Fertigfutter füttern, welches das Fleisch von geschlachteten Tieren enthält. Wir würden damit den Tierschutz für diese getöteten Tiere außer Kraft setzen.

Deshalb sollten wir unsere Tiere vegetarisch füttern und uns auch für eine vegetarische Ernährung beim Menschen einsetzen!

Praktische Erfahrungen – Vegetarische Ernährung für Hunde

Seit Herbst 2001 wurden die Hunde im Tierheim Siegen, in dem ich tätig war, zu 100 Prozent vegetarisch ernährt. Wir mussten uns zuerst einen Überblick über das vegetarische Futterangebot verschaffen und wunderten uns, wie viele Sorten von renommierten Herstellern bereits angeboten wurden. Mittlerweile ist eine Vielzahl von vegetarischen Trockenfuttersorten für Hunde bekannt, aber auch Nassfutter und "Leckerchen" in jeder erdenklichen Form sind erhältlich. Äußerlich und bezüglich der Fütterungsweise unterscheidet sich das vegetarische Futter nicht vom fleischhaltigen Futter. Geschmacklich ist es ebenso: Den Hunden schmeckt es hervorragend! Die Vielfalt an leckerem Hundefutter ohne Fleisch lässt jedem vierbeinigen Feinschmecker das Wasser im Mund zusammenlaufen. Eine Zusammenstellung der verschiedenen Fertigfuttersorten finden Sie auf den Web-Seiten von www.IG-Tierschutz-Siegen.de.

Was füttern wir?

Der überwiegende Teil des Hundefutters besteht meist aus Trockenfutter. Um es abwechslungsreich zu gestalten, sollte man nicht unbedingt immer nur die gleiche Sorte verfüttern. Da aber Trockenfutter allein für manchen Hund zu langweilig ist, reichern wir das Trockenfutter oftmals mit so genannten "Hundenudeln" und Gemüsebrühe an. Die "Hundenudeln" sind für den Hund abgestimmte und vorgekochte Nudeln, die man einfach in warmen Wasser einweicht. Aber auch verschiedene Flocken, Reismixer oder vegetarisches Feuchtfutter werden ab und zu dem Trockenfutter beigegeben. Manche Hunde mögen auch grundsätzlich kein Trockenfutter (ganz gleich ob vegetarisch oder nicht), so dass diese "Feinschmecker" ihr Trockenfutter in Kombination mit den genannten Ergänzungsfuttermitteln mit warmen Wasser bzw. Gemüsebrühe übergossen bekommen.

Die Umstellung

Anfangs war ich der Meinung, man müsste die Hunde langsam an die neue Kost gewöhnen. Aber schnell zeigte sich, dass es für die Hunde keinen Unterschied macht, ob nun 4 Prozent Rind und einiges an Fischmehl oder anderen Schlachtabfällen im Fertigfutter enthalten sind oder nicht. Die Hunde essen vegetarisches Futter gerne; es kommt zu keinerlei Problemen. Jeder Hund, der während meiner Tätigkeit von 2001 bis 2003 im Tierheim Siegen aufgenommen wurde (etwa 1.500 Hunde), bekam vom ersten Tag an die vegetarische Kost, und es gab keinerlei Probleme.

Das sagt die Wissenschaft

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass der Verdauungstrakt des Hundes und auch der Katze sehr wohl in der Lage ist, auch ohne Fleisch alle lebensnotwendigen Stoffe aufzunehmen. Lassen Sie sich nicht von denjenigen beirren, die fälschlicherweise das Gegenteil behaupten. Auch einige Tierärzte unterliegen immer noch dem Trugschluss, der Darm von Hund und Katze wäre zu kurz. Das stimmt aber nicht, und das Gegenteil ist bewiesen. Diese Veterinär-Mediziner der alten Schule haben oft noch die Vorstellung, eine vegetarische Fütterung bestünde aus rohem Gemüse und rohem Getreide; dies würde nämlich tatsächlich keine ausreichende Fütterung darstellen. Vielmehr ist es aber so, dass aus dem gekochten und / oder gebackenem Futter, wie beispielsweise dem vegetarischen Fertigfutter, sehr wohl alle notwendigen Nährstoffkomponenten herausgelöst werden können. Auch die Zuführung sämtlicher wichtiger Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente wird durch die vegetarische Kost garantiert. An der UNI München wurde 1999 eine Doktorarbeit zu diesem Thema verfasst, welche genau diesen Sachverhalt herausstellt. James A. Peden belegt in seinem Buch "Vegetarische Hunde- und Katzenernährung" ebenfalls eindrucksvoll die Vorteile der vegetarischen Hunde- und Katzenernährung. Die Tierschutzorganisation PeTA führte auch eine Studie zum Zustand vegetarisch ernährter Hunde durch und kommt zu dem Schluss: Je länger ein Hund vegetarisch ernährt wird, desto geringer ist sein Risiko, an Infektionen oder Krebs zu erkranken. Auch im Tierheim Siegen gab es "Langzeitinsassen", die seit 2001 vegetarisch ernährt wurden und sich nicht nur bester Gesundheit erfreuten, sondern sogar einen bessern Gesamteindruck machten als gleichaltrige Nichtvegetarier. Viele Beispiele von Tierhaltern, welche ihren Hund oder ihre Katze mitunter von Welpenalter an vegetarisch füttern und deren Tiere auch im hohen Alter kerngesund und topfit sind, untermauern eindrucksvoll die vorliegenden wissenschaftlichen Studien. Der älteste Hund Großbritanniens wurde übrigens 27 Jahre alt und war ebenfalls Vegetarier.

Die vegetarischen Katzen

Bei Katzen ist eine Futterumstellung ungleich schwieriger als bei Hunden. Dies liegt hauptsächlich an der starken Prägung der Katzen auf bestimmte Futtersorten. Viele Katzen essen im Gegensatz zum Hund nicht einfach von heute auf morgen eine andere Futtersorte. Eine langsame Umgewöhnung durch Untermischen vegetarischer Kost unters herkömmliche Futter führt hier aber mitunter auch zum Erfolg. Andere Katzen hingegen stützen sich vom ersten Tag an auf die vegetarische Kost. Dies sind meist diejenigen Tiere, die im Welpenalter nicht auf bestimmte Futtersorten geprägt wurden, meist Tiere aus ländlicher Herkunft.

Vegetarisches Futter für Katzen

Im Gegensatz zu den vielen vegetarischen Hundefuttersorten sind nur sehr wenige vegetarische Fertigfuttersorten für Katzen erhältlich. Einige Futtermittelhersteller haben aber bereits ihren Willen erklärt, weitere vegetarische Katzenfuttersorten herstellen zu wollen. Damit könnte eine Vielfalt erreicht werden, mit welcher man einen größeren Teil der "Katzengeschmäcker" abdecken könnte. Ein Selbstkochen des Katzenfutters ist für eine berufstätige Person im Alltag kaum möglich, aber wenn zeitliche Ressourcen vorhanden durchaus eine Alternative. In dem oben angesprochenem Buch von James A. Peden sind Rezepte zur vegetarischen Ernährung von Hund und Katze angegeben. Als Grundlage zum Selbstkochen des Katzenfutters muss aber unbedingt ein Nahrungsergänzungspulver verwendet werden, welches von James A. Peden entwickelt wurde. In diesem ist unter anderem die essentielle Aminosäure Taurin enthalten. Auch der Bedarf an Arachidonsäure und vielen Vitaminen und Spurenelementen wird durch diese Nahrungsergänzung abgedeckt. Ohne eine geeignete Nahrungsergänzung oder ohne Anleitung ist von einem Selbstkochen für Katzen allerdings abzuraten. Bevor Sie Ihre Katze regelmäßig mit selbstgekochtem Futter ernähren, von dem Sie nicht wissen, ob alles Notwendige für die Katze enthalten ist, sollten Sie sich z.B. an die Ernährungsberatungsstelle der Uni München wenden, (Fakultät für Tiermedizin) die Rezepte überprüfen und die Rationen genau berechnen lassen.

Es ist an der Zeit für Veränderungen

Über viele Jahre verfütterte auch ich gedankenlos herkömmliches fleischhaltiges Futter an die Tiere und war guten Glaubens alles für die Tiere zu tun und unserem Ziel in vollem Umfang gerecht zu werden. Erst ein Gedankenanstoß von außen brachte mich dazu, über dieses Thema nachzudenken. Mea culpa! Ich möchte hiermit versuchen, auch andere Tierhalter dazu zu bewegen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Denn ohne den ersten Anstoß von außen, wäre auch ich wahrscheinlich nicht zu einer Futterumstellung meiner eigenen "Haustiere" und der mir anvertrauten Tiere im Tierheim gekommen.

Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass der Weg des Tierschutzes zur fleischlosen Ernährungsweise unausweichlich ist. Ein Tier schützen zu wollen, und gleichzeitig die Tötung und Zerstückelung anderer Tiere in Auftrag zu geben, ist unvereinbar.


Weitere Informationen gibt es auf der Homepage: http://www.die-tierfreunde.de

Dort finden Sie Futtersorten und deren Bezugsquellen, Antworten auf häufig gestellte Fragen und Erfahrungsberichte von Hundehaltern, die ihre Hunde mitunter bereits 10 Jahre oder länger fleischlos ernähren.

Für die A.K.T.E. - Redaktion / Jürgen Foß


Igel in Not - Informative Hinweise von der Igel-Expertin bei A.K.T.E.

Albino-Igel

Alljährlich im Herbst ...

Es ist nicht zu übersehen, das Laub verfärbt sich, die Früchte der Eichen und Buchen, der Kastanien und Maronen fallen von den Bäumen und dann erinnern sich viele Leute daran: "Jetzt ist es ja Zeit, Igel zu rette!"

Obwohl sich durch die Aufklärungsarbeiten sowohl von Igelschutzvereinen als auch vielen engagierten Igelhelfern vieles zum Guten verändert hat, gilt es noch dicke Bretter zu bohren, um dieser erdgeschichtlich seit dem Tertiär nahezu unveränderten Tierart das Überleben zu ermöglichen.

Mancherorts werden sie von wohlmeinenden Helfern wie eben die genannten Herbstfrüchte eingesammelt und weil vermeintlich untergewichtig in kleinen Kästchen mit Laub im Keller verstaut. Man stellt ihnen evtl. noch Wasser und Katzenfutter hin und meint damit der große Tierschützer zu sein. So werden viele Igel in guter Absicht - ohne jegliche Sachkenntnis - zu Tode gepflegt, und es gibt eine erhebliche Dunkelziffer.

Andererseits werden im Sommer verletzte oder kranke Igel nicht beachtet bzw. einfach hilflos liegen gelassen und müssen geradezu erbärmlich verrecken. (Sorry, ich betreibe seit 25 Jahren eine Igelstation und Aufklärungsarbeit, und noch heute sträuben sich mir die Stacheln, wenn ich manche Leute reden höre.)

Viele meinen sogar, besonders nach der Lektüre vieler unrichtiger, verkürzter, veralteter oder falsch wiedergegebener Infos aus den Medien große "Igelschützer" zu sein.

Hier ein paar Hinweise, die unbedingt beachtet werden sollten:

Ein gesunder Igel ist ein gesetzlich geschütztes Wildtier, das nicht in Menschenhand gehört.

Ein paar allgemeine Worte über gesunde Igel:

1. Der Igel ist dämmerungs- und nachtaktiv.
2. Seine Form ist rundlich, tropfenförmig.
3. Er hat halbkugelförmige, schwarze Knopfaugen.
4. Seine Nase ist feucht.
5. Er rollt sich bei Annäherung zusammen, und erst wenn die vermeintliche Gefahr vorbei ist, wieder aus.
6. Seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf.
7. Wenn er meint, dass die Zeit reicht, spaziert er schnell in Sicherheit.
8. Der Kot gesunder Igel ist ein dunkles, geformtes Würstchen.

Welcher Igel ist krank bzw. hilfsbedürftig?

1. Kranke Igel sind tagaktiv, oft ohne jegliche Deckung liegend.
2. Die Form kranker Igel ist walzenförmig.
3. Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte.
4. Die Augen liegen tief in den Höhlen und sind oft schlitzförmig.
5. Die Nase ist oft trocken.
6. Die Tiere sind häufig unterkühlt.
7. Der Gang kranker Igel ist meist wackelig, oder sie liegen nur und stehen nicht auf.
8. Kranke Igel rollen sich kaum ein, sie wirken zahm.
9. Die Stacheln werden kaum aufgestellt.
10. Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig, auch blutig.

Achtung: Verletzte, hilflose und kranke Igel brauchen grundsätzlich Hilfe!

1. Wer ein krankes Tier anfasst, muss sorgfältig auf die Hygiene achten, denn manche Krankheiten, etwa Pilzinfektionen oder Salmonellen sind vom Igel auf Menschen übertragbar!
2. Hilfsbedürftig sind fast immer auch Igel, die nach Frosteinbruch noch draußen gefunden werden. (Dies kann krankheitsbedingt sein.
3. Einem kranken Igel kann man nicht allein mit Futterangebot und Unterkunft helfen!
4. Eine tierärztliche Behandlung oder die Versorgung in einer Igelstation ist immer erforderlich, wenn die Pflege gelingen soll

Besondere Kenntnisse sind erforderlich, wenn verwaiste Igelbabys gefunden werden.

Erste Hilfe für einen Igelpflegling:

1. Unterkühlte Tiere auf eine handwarme Wärmflasche legen.
2. Lauwarmen Fencheltee mit der Pipette vorsichtig tropfenweise eingeben.
3. Sachkundigen Rat einholen. Nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe muss richtig sein!

Umfassende Informationen und Merkblätter findet man im Internet unter: www.pro-igel.de

Noch ein Wort zum Schluss, weil es gerade jetzt wieder besonders wichtig erscheint:

Viele Igelfinder fragen: Wo kann ich den Igel abgeben? Manche treten sogar fordernd auf. Igelstationen sind Privatinitiativen engagierter Tierfreunde! Das heißt, wir sind Privatleute wie die Finder. Manche Igelfinder scheuen den Gang zum Tierarzt, weil er sich seine Arbeit bezahlen lässt. In der Regel machen Igelstationen ihre Arbeit unentgeltlich, und tragen die Kosten selbst. Gerade im Herbst werden wir ständig gefordert, Tag und Nacht ans Telefon gerufen. Die Igel brauchen Futter und oft auch Medikamente vom Tierarzt, der Abfall muss entsorgt werden, wir kaufen Info-Material für die Finder, das wir meist kostenlos weitergeben, die Telefonkosten steigen oft in astronomische Höhen. Ich könnte noch sehr viel nennen, vom Zeitaufwand für die Igelpflege ganz zu schweigen!

WER EIN TIER FINDET, UND SICH SEINER ERBARMT, ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG!

Richtig, wir bieten unsere Hilfe an. Helfen bedeutet aber nicht, die Probleme aller Igelfinder zu lösen und alle Tiere aufzunehmen. Wir haben alle nur eine begrenzte Raumkapazität zur Verfügung, und ein begrenztes Budget. Wenn wir nicht auch einmal "N E I N, so nicht!", sagen, können wir keine effektive Igelhilfe leisten!

Immer wieder erlebe ich, dass es Leuten völlig egal ist, was weiter aus dem Igel wird, nur abgegeben soll er werden, manchmal mit den tollsten Ausreden. Hinter fast allen von uns stehen keine großen Finanziers. Wir arbeiten ehrenamtlich und haben auch noch ein Privatleben! Wir müssen nicht Tag und Nacht erreichbar sein! Wir beraten und helfen gerne, aber wir können nicht alle Igel aufnehmen oder retten. Wir brauchen die Hilfe der Finder und ihre Bereitschaft, ihre Findlinge wieder zu übernehmen, wenn der Igel gesund ist und nur noch gefüttert und seine Unterkunft gesäubert werden muss. Nur dann können wir neue Kapazitäten für die schlimmen Fälle schaffen. Was wir in den Stationen machen, ist "Reparaturarbeit" - wir helfen dem einzelnen leidenden Tier.

Damit retten wir die Art natürlich nicht!

Tier- und Artenschutz beginnt bei jedem Einzelnen von uns:

1. Indem wir verantwortungsbewusst im Straßenverkehr sind,
2. Auf Gifteinsatz im Garten verzichten.
3. Gefahrenquellen in unserem Lebensraum, den der Igel zwangsläufig als Kulturfolger mit uns teilt, beseitigen, z. B. Teiche mit Ausstiegshilfen versehen, auf Gartenfeuer verzichten, Gruben und Schächte abdecken, auf Netze bis zum Boden verzichten, in denen sich die Tiere verheddern können.
4. Vorsichtig beim Einsatz von Gartengeräten umgehen, z.B. Rasentrimmern und Laubsaugern.
5. Keine Lebensmittel einfach draußen wegwerfen, sie könnten zu einer Infektionsquelle werden.
6. Indem wir Wildpflanzen in den Gärten zulassen; sie bieten der heimischen Insektenwelt Lebensraum und Kinderstube. (Igel als Insektenfresser finden dann ausreichend Nahrungstiere.)
7. Indem wir Unterschlüpfe bieten, und Laub und Strauchschnitt als Nistmaterial im Garten belassen.

Die "Stachelritter" möchten leben, und wir möchten sie doch noch lange als heimliche nächtliche Kobolde in unserer Nähe beobachten können? Sie verdienen unseren besonderen Schutz und Beachtung!

Für die A.K.T.E. - Redaktion / Karin Oehl



Igelstation

Igelbaby-Pflege

Der Begriff Igelstation ist für die meisten Menschen mit dem Gedanken verbunden: Wenn ich einen Igel gefunden habe, dann bring ich ihn dahin!

Leider geht die Überlegung selten weiter, denn man vermutet mit Selbstverständlichkeit eine Institution dahinter, auf deren Leistung man einen Anspruch hat und einen Finanzier, z. B. einen Verein oder Verband dahinter.

Leider sieht die Wirklichkeit so anders aus. In der Regel sind Igelstationen in privater Initiative entstanden und je nach Engagement, Hintergrund und Belastbarkeit, sowie Raumangebot werden sie privat betrieben. Der Begriff ist nicht rechtlich geschützt und sagt nichts über die Qualifikation der Betreiber und die Qualität der Igelhilfe aus.

Igel sind Wildtiere ...sie gehören nicht dem Finder und nicht der Station. Prämisse der Hilfsarbeit ist, das gesund gepflegte Wildtier Igel wieder möglichst am Fundort auszuwildern, wenn Nahrungs- und Deckungsgrundlage wieder gewährleistet sind. Das kann Wochen und Monate dauern, je nach Jahreszeit und Gesundheitszustand des Tieres beim Fund.

Wird ein Fundigel - meist telefonisch - gemeldet, wird eine Zeit vereinbart, mit ihm in die Station zu kommen. (Meist und möglichst sofort, da Igel oft voller Parasiten sind, oder ihr Zustand kein Zuwarten zulässt). Der Igel wird zunächst einmal grob in Augenschein genommen. Er wird von der Fahrt her verstört sein und wenn er nicht schon sterbend ist, auch eingerollt kommen und es eine Weile bleiben. Der Igel wird gewogen, evtl. von seinen Parasiten befreit (eingesprüht). Manchmal muss eine Notversorgung vorgenommen werden, z. B. durch Elektrolytgabe.

Es wird eine Dokumentation angelegt, die enthält:

1. Eingangsnummer und -datum
2. Findername, Adresse, Telefon
3. Fundort, Zeit und Umstände des Fundes
4. Ist der Igel schon beim Tierarzt gewesen? (Maßnahmen, welcher Tierarzt, Telefonnummer des Tierarztes).
5. Hat er Futter bekommen, wenn ja: welches und hat er gegessen? Gewicht, Aussehen, Maßnahmen etc.

Alles wie beim Arzt ... oder im Krankenhaus für Menschen auch, damit der nachbehandelnde Tierarzt sich ein Bild verschaffen und darauf aufbauen kann. Diese Laufkarte bleibt ständig mit dem Tier zusammen und wird weitergeführt: Verhalten, Futteraufnahme, Gewicht, Medikation etc. werden täglich eingetragen.

Danach sollte das Tier zur Ruhe kommen, es bekommt ein Einzelgehege, mit Zeitungen ausgelegt, ein Schlafhaus, in das es sich zurückziehen kann, es bekommt Wasser und Futter angeboten. Der Igel wird beobachtet. Wie sieht er aus?

Mager, lang oder tropfenförmig?
Hat er Verletzungen?
Wie sehen seine Augen aus - halbkugelförmige Knöpfchen oder schlitzförmig?
Evtl. ganz geschlossen beim sehr kranken Tier?
Wie sieht die Nase, sehen die Ohren aus?
Feuchte Nase, reine Ohren oder trockene Nase, verletzte, evtl. eitrige oder von Parasiten befallene Ohren?
Wie verhält sich das Tier?
Rollt es schnell wieder aus, bleibt liegen, oder kriecht mühsam und langsam in Deckung oder bleibt es gar offen liegen?
Verschmäht es Futter und Wasser?
Oder wartet es ab, bis die Luft rein ist, rollt aus und verschwindet schnell in der Deckung, nimmt evtl. sofort Futter u. Wasser an?

Dann ist wichtig: Wie sieht die Hinterlassenschaft aus? Kot wird 3 Tage gesammelt und die Probe zur Untersuchung gebracht.

Oft kann mit der Behandlung keine 3 - 5 Tage zugewartet werden, weil der Igel bis dahin gestorben ist. Je nach Zustand des Tieres muss die Behandlung durch den Tierarzt schnellstens erfolgen oder Kontakt mit ihm aufgenommen und nach seiner Anweisung behandelt werden (erfahrene Igelpfleger, die das Vertrauen eines oder mehrerer Tierärzte haben, können Einiges selbst machen, um dem Tier einen weiteren Transport zu ersparen).

In der Regel leiden die Tiere an starker Verwurmung und davon ausgehend an Infektionen, oder sie haben Verletzungen, die behandelt werden müssen durch Bäder, Antibiotika, lokale Wundbehandlung etc. Da Igel erdnah leben, sind diese Verletzungen häufig infiziert - eitrig und evtl. auch von Maden besiedelt. So können die gebrachten Tiere sehr unterschiedlich pflegeintensiv sein.

Viel Arbeit ...

Isst der Igel nicht selbst, muss er zwangsernährt werden. Besonders wenn Igelbabys kommen, die noch sehr klein sind, ist am Tag und in der Nacht alle 2 Stunden Ernähren und Toiletting und Reinigung angesagt. (Igelpfleger müssen wissen, welche Nahrung wie häufig in welcher Menge verabreicht und vom Tier vertragen wird.) Das ist wirklich Sache für Spezialisten. Nur so haben die Winzlinge eine Chance, in den Kreislauf der Natur als ganz normale Igel eingegliedert werden zu können. Die Arbeit in einer Igelstation ist also arbeitsintensiv, kostenintensiv und wird in der Regel vom Betreiber ehrenamtlich geleistet und aus seiner Börse bezahlt, wenn nicht einsichtige Igelfinder einen freiwilligen Beitrag leisten.

Jede Igelstation hat nur eine beschränkte Aufnahmekapazität. Es rücken gerade in der Herbstzeit täglich mehrere kranke oder verletzte Tiere nach. So ist die wie ein Krankenhaus funktionierende Igelstation darauf angewiesen, dass die Igelfinder die gesund gepflegten Tiere nach Anweisung und Beratung selbst durch den Winter bringen. Natürlich wird das nicht immer möglich sein, dafür hat man auch Verständnis. So arbeiten die Igelstationen auch mit Pflegestellen. Leider stehen auch die nicht unbeschränkt zur Verfügung. Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung. Die kann man nicht immer mit Selbstverständlichkeit Anderen aufs Auge drücken. Leider baut sich auch viel Frust auf, wenn Tierfinder nur fordernd und uneinsichtig sind. Man ist Einiges von Menschen gewohnt, wenn man länger mit Tierschutz zu tun hat, nur irgendwann wird die Belastung für den Helfer und seine Angehörigen nicht mehr verkraftbar. So schließen Igelstationen wegen des permanenten Präsenzanspruches und ständiger Überforderung besonders in den Herbst- und Wintermonaten oft nach kurzer Zeit wieder.

Wünsche ...

Wenn wir noch sorgfältiger als bisher mit Gartengeräten, wie Rasentrimmern, umgehen lernen und besonders unter überhängenden Büschen und Zweigen nachsehen, ob dort nicht ein Igel einen Ruheplatz gefunden hat, wäre schon viel erreicht. Wenn jeder von uns sorgfältiger im Verkehr wäre, zurückhaltender mit der Giftspritze, wenn wir durchlässigere Gärten mit heimischen Pflanzen und damit eine große Bandbreite an heimischen Insekten hätten, wären nicht so viele Igel notleidend und krank und müssten in eine Station kommen. Wenn Finder sich besser informieren würden und ein wenig Bereitschaft mitbringen würden, das Engagement von Sachkundigen durch eigenes Engagement zu unterstützen, statt die wenigen engagierten Menschen kontinuierlich mit Selbstverständlichkeit so überzustrapazieren - wie gut ginge es uns und den Tieren.

Lesenswert: Pro Igel e.V.

Für die A.K.T.E. - Redaktion / Karin Oehl



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