Alles begann mit "Leika" ... Ich konnte es nie so recht fassen, dass diese anderen, kuscheligen und liebenswürdigen Wesen pauschal so etwas ganz anderes sein sollten und nur im Hinblick auf "uns" Menschen von Wert sein sollten. Das erste Mal von Tierversuchen habe ich mit 6 Jahren erfahren: die Sowjets schickten das erste Raumschiff mit einem kleinen Hund ("Leika") an Bord ins Weltall. Der Hund starb dort oben recht schnell, und ich malte mir aus, was er bei all dem wohl empfunden hatte. Zwar war dieses spektakuläre wissenschaftliche Ereignis schon für das kleine Kind ein Faszinosum, aber auch die "Opferstruktur" unserer gesamten Kultur wurde mir klar (nicht zum ersten Mal, aber sehr drastisch). Ich lernte, dass dies zwar traurig sei, aber unumgänglich, denn die Raumfahrt war ja fűr die Menschheit sooo wichtig. Ich sammelte Fotos von "Leika" (ich weiβ bis heute nicht, ob dies der Eigenname des Hundes war oder die Bezeichnung der Rasse ist - für mich hatte er jedenfalls diesen Namen) und hing sie über mein Bett. Jeden Abend schaute ich sie an und sprach in Gedanken mit Leika. Ich schämte mich vor Leika und vor mir selbst, weil ich die Raumfahrt damals trotz allem irgendwie spannend fand. Bei all dem hatte ich das Gefühl, in eine furchtbare Welt hineinzuwachsen. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich später versuchte, das gesamte Thema "Tierleid" eine Zeitlang zu verdrängen, und dies zunächst erfolgreich. Pubertät, Schule, Studium, Liebesleid und manchmal -lust, Geldsorgen, Beruf und all die Gratifikationen, die einen erwarten, wenn man in und mit unserer hehren Kultur ganz gut klar kommt, erwiesen sich als geeignete Ablenkungsmanöver von dem, was mir früher einmal als das aller-, allerwichtigste erschien und jetzt wieder geworden ist; gegen das Leiden der Tiere anzugehen. Es gab allerdings schon vorher Augenblicke, in denen meine "Verdrängungsschranke" gelockert wurde: Im Studium wollte ich mal mit einer Kollegin eine Initiative gegen Zoos gründen; daraus wurde natürlich nichts. Wir waren beide viel zu unerfahren und halbherzig bei der Sache. Vor über 20 Jahren lernte ich in der schönen Ägäis das erste Mal einen ethischen Vegetarier kennen, der außerdem beherzt gegen die dort übliche Eselsquälerei anging. Leider hat dieser damals junge Mann inzwischen sein damaliges Engagement vergessen. Er teilte mir vor einigen Jahren mit, er esse schon lange wieder Fleisch, es schade seiner Gesundheit nicht; stattdessen habe er aber das Rauchen aufgegeben, das sei schließlich viel wichtiger. Zudem hatte er seine Medizinerkarriere auf Versuchen über Ratten und Alkoholismus aufgebaut (obwohl er dabei nur altbekanntes bestätigt fand). 1984 sah ich den "Tierfilm". Es dauerte aber noch zehn Jahre, bis ich aus meiner damaligen Erkenntnis praktische Konsequenzen zog und ernsthaft Anschluss an die Tierrechtsbewegung suchte und fand. Ein wichtiger Beitrag dazu war für mich das Fernsehen. Die in diesen Jahren kritische Berichterstattung über Tiertransporte und alle möglichen Formen der Tierquälerei gerade auch im zivilisierten Europa lieβen es mir endgültig unverzeihlich feige erscheinen, nicht irgendwie aktiv zu werden. Deprimierend war und ist dabei das Ohnmachtgefühl, gegen das man ständig ankämpfen muss. Auch kann man wohl in Anlehnung an Schopenhauer sagen: Wenn man Tiere liebt, lernt man die Menschen erst richtig kennen, und zwar nicht von der angenehmsten Seite. F.U.G. |
||||||||