Zwiegespräche

Erfahrungen und Erlebnisse als Tierrechtler/in


Sabine Jedzig


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Gewissensbisse wegen "Sissi" ...

Trotz meiner vielen Tiere, die sich in meiner Obhut befinden und nunmehr seit einigen Jahren zu unserer kleinen Gemeinschaft gehören, liebäugelte ich mit einem weiteren treuen Gefährten, mit einem Hund aus einem Tierheim. Er sollte mein abwechslungsreiches Rudel zu Hause erweitern und bereichen.

Nach monatelangem Intensivstudium "Was braucht ein Hund, um glücklich zu sein?", Dauergesprächen mit verliebten Hundebesitzern, kontinuierlichem "gassigehen" mit großen und kleinen, dicken und dünnen, kurzhaarigen und langhaarigen, alten und jungen und treu blickenden Hunden aus dem Tierheim - und das bei Wind und Wetter - fiel meine Wahl endlich auf "Sissi", wenn auch etwas mit wehmütigem Herzen ... denn, ich hätte die dankbaren Schnüffler am liebsten alle mit nach Hause geschleppt. Also fiel mit schwerem Herzen die Entscheidung.

"Sissi" sollte es sein! Klein, kurzhaarig und ruhig, die wegen ihrer Charakterzüge mir sehr entgegen kam, die kleine Hundedame - zum zweiten mal abgeschoben - mit weiteren enttäuschten Seelen, wedelnd voller Hoffnung hinter verschlossenen Türen auf ein beständiges zu Hause wartend.

Wenn es da nicht ein Problem gab. Für mich ein riesiges "Ich komm nicht Drumherum-Problem". Hätte ich mein Problem publik gemacht, so wäre bestimmt bei anderen Leuten die geringschätzige Bemerkung gefallen: "die Frau hat doch einen Dachschaden".

"Sissi" braucht, wie unsereiner auch, ihr täglich Brot, ihr täglich Fleisch, und das fällt doch eigentlich mit ab, wenn Rinder, Schweine, Schafe, Hühner für menschliche Essgewohnheiten niedergemetzelt werden. Wir sind weg von dem Stück Lebenskraft, so wie es die Werbung einem suggeriert, und mit "Sissi" hol ich mir "dieses Elend" wieder ins Haus und werde dann auch noch quasi täglich damit konfrontiert, wenn sie ihre Dosennahrung bekommt. Na vielen Dank auch! Für mich hat sich hier immer wieder die Frage gestellt: Wer steht höher in der Wertigkeit als Lebewesen, "Sissi", meine Gefährtin oder die namenlosen "Nutztiere", die von Mensch und dem geliebten Schmusetier vertilgt werden?

"Sissi" wurde am 7. April 2003 in unsere Familie aufgenommen. Sie hat vorerst gesiegt und steht über den Schweinen und Rindern, die sich als kleine bis zur Unkenntlichkeit zermalmte Stücke in der Dose befinden. Die Dosen erleichtern enorm die Entscheidung, was die Wertigkeit eines Tieres betrifft. Nichts erinnert mehr an diese schönen geduldigen Tiere, deren Leben man kaum im Alltag wahrnimmt. In Fernseh-Sendungen schon mal, aber dann ist der Fernseher doch schnell ausgeschaltet! Verdrängungsmechanismus? Schlechtes Gewissen? Wahrscheinlich!

Und wir lieben nun mal "Sissi". Sie ist doch auch zum Greifen nahe. Also 1 zu 0 für "Sissi"!

Wenn da nicht ab und an mein Gewissen gewesen wäre, was mich an den Inhalt der Dose beim Füttern und um das Wissen der geschundenen Namenlosen erinnert hätte, und das fast täglich, wäre es vielleicht beim Dosenfutter geblieben. Aber irgendwann hörte das Verdrängen auf; jedenfalls bei mir.

Resultat: Heute, fast ein dreiviertel Jahr später hat sich "Sissi" nach anfänglichen Schwierigkeiten zum neunzigprozentigen Vegetarier gemausert. Die restlichen zehn Prozent bestehen zwar noch aus diesem Dosenfutter, täglich zwei Esslöffel als zusätzlichen Geschmacksverstärker, wenn auch mit schlechtem Gewissen und wahrscheinlich mit einer Portion Inkonsequenz von meiner Seite. Bis jetzt noch.

Aber wir arbeiten an uns!


S.J.




Abenteuer Zoo ...

Abenteuer Zoo - ist in fetten Buchstaben auf der farbig bedruckten  Informationsbroschüre zu lesen, den ich in den Händen halte. Das klingt ausgesprochen vielversprechend für den erwartungsvollen Besucher. Einer Entdeckungsreise im zoologischen Garten steht von nun an nichts mehr im Wege.

Hhmm ... so einfach lass ich mir nichts einreden, und meine Meinung werde ich mir durch genaustes Beobachten am Ende des Zoorundganges selbst bilden. Mit kritischen Blicken streife ich also durchs Gelände.

Wir machen halt an der ersten Station - am Afrikahaus. Hier haben  vier Elefanten und lustig aussehende Mandrills ihr neues Domizil bezogen. Sofort toleriere ich  - ohne irgendwelche Bemerkungen  - ihre großzügig gestaltete Heimat in Gefangenschaft. Schließlich bin ich hier im Zoo und nicht in der endlos weiten Steppe von Afrika. Ich denke an meine Meerschweinchen und Kaninchen zu Hause. Auch ihnen steht nur ein begrenzter Lebensraum zur Verfügung; und Gefangenschaft ist das auch, muss ich mir doch ehrlicherweise eingestehen. Zurück zu den Elefanten - die Tiere strahlen Ruhe aus, und ich stelle keine stereotypischen Bewegungen fest. Mensch, mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich kenne das noch von anderen Zoos, wo Tiere dieses Verhalten an den Tag legten.  Seither auch meine verschärfte Kritik an der Einrichtung Zoo - unschuldig gefangen hinter Gittern - posaunte ich in die Welt hinaus. Wegen der Elefanten schlendern wir zufrieden und beruhigt weiter.

Ebenso schwingt Freude bei uns bis zur zweiten Station - dem Raubtierhaus - mit. Aber welch ein Anblick bietet sich uns? Unschuldig gefangen hinter Gittern. Genau davor hatte ich Angst. Die Stimmung fällt bei mir von einer Sekunde auf die andere bis zum Nullpunkt. Löwen im Käfig, Löwen auf Beton, Löwen "ausgestellt" auf ein paar Quadratmetern in dieser vom Menschen geschaffenen Raubkatzen-Heimat. "Begaffte Objekte" ... geht mir durch den Kopf! In den Savannen und Steppen Afrikas nimmt ein Löwenrudel  ein Revier von 400 Quadratkilometern ein - und hier im Zoo - bleiben den Tieren die einfachsten Grundbedürfnisse verwehrt. Bewegung, Beute machen, umherstreifen im hohen Gras, faulenzen im Schatten der Bäume, das lässt dieses  primitive und veraltete Gefängnis nicht zu. Und bloß, weil Tiere einer anderen Spezies angehören, wird die Haltung und Missachtung ihrer natürlichen Bedürfnisse bedingungslos hingenommen.

Und der Zoo wird als "Bildungsort" für Kinder und für Erwachsene gepriesen. Speziesismus als Lernansatz! Welches Bewusstsein bzgl. Tieren muss sich zwangsläufig ausbilden, wenn sie diese prächtigen Löwen nur hinter dicken schwarzen Gitterstäben beobachten können?  Der König der Tiere seiner Würde beraubt. Das Unrecht schreit zum Himmel und meine kritische Einschätzung bezüglich zoologischer Gärten bestätigt sich einmal wieder. Aber es gibt Hoffnung für die Löwen, da sich Privatpersonen, Vereine und Institutionen für die Zoo-Tiere engagieren. Dadurch sind schon viele "artgerechtere" Gehege in der Vergangenheit entstanden, wie z.B. das Afrikahaus und die Tundra-Voliere.

Ich habe den Eindruck, im Großen und Ganzen zeichnet sich eine positive  Entwicklung im Zoo ab, zumindest was die Unterbringung der Tiere betrifft. Dennoch bin ich der Meinung, dass keine Tiere in einen Zoo gehören, die in freier Natur einen großen Lebensraum beanspruchen. Ein Zoo wird diesem Anspruch niemals gerecht werden können, und es existieren genügend Dokumentationen über Wildtiere, die man im Fernsehen bestaunen kann, Internetseiten und wunderschöne illustrierte Bücher, die das wahre Leben der Tiere besser und realistischer zum Ausdruck bringen, als es ein Zoo je vermag.


S.J.  




Steter Tropfen höhlt den Stein ...

Kürzlich erzählte ich Harry Harper per Mail, dass ich gerade dabei bin, meinen Kameha-Katalog auf Vordermann zu bringen. Ich gestalte und vervollständige inhaltlich den Katalog für`s kommende Jahr, und mein technisch versierter Webmaster macht anschließend die Sache rund.

Ich schrieb Harry auch, dass die zwölf Jahrtausend-Mantras von Marc Bekoff und Jane Goodall  - Tierrechte, was jeder Einzelne tun kann - im neu überarbeiteten Produkt-Katalog nicht fehlen sollten. Die Regeln für den Umgang mit Tieren wurden warmherzig von den beiden Tierrechtlern Punkt für Punkt  ausgearbeitet und können für jeden neuen Kunden eine zusätzliche Hilfe sein, selbst kontinuierlich zur Tierleidminimierung beizutragen.

Daraufhin erhielt ich von Harry eine zustimmende Message, die mich in meinem Vorhaben bestärkte: "Gute Idee, in den Katalog auch Tierrechtsthematiken mit einzubinden; der Kampf findet an allen Fronten statt!"

Dieser Satz erinnerte ich mich an meinen antiquierten Schaukasten in meiner Heimatstadt. Zu meiner eigenen Schande musste ich gestehen, dass meine TR-Themen wieder einmal erneuert werden müssen und viel zu lange schon im Schaukasten deponiert - vor sich hingammelten. Auch die kraftvolle Sonne hilft leider  erbarmungslos mit, mein ausgestelltes Bild- und Schriftmaterial schnell alt aussehen zu lassen.

Lange Rede - kurzer Sinn: Die neue CD "Fraßkultur" und auch deren Vorgänger "Leichenschmaus" will ich den Fußgängern im verschlafenen Städtchen nicht vorenthalten. Public Relation für die TR-Sache ... eben mein kleiner Kampf an allen Fronten. Harry und Stefan haben monatelang an der CD gearbeitet - oft bis zur Erschöpfung. Und das Resultat kann sich "hören" lassen! Also besetzten wir im Kampf für die Tier jeden sich bietenden "Frontabschnitt" - und sei er noch so unscheinbar! Selbst PR-Arbeit im kleinsten Stil kann niemals schaden.

Irgendetwas bleibt immer in den Köpfen hängen. Steter Tropfen höhlt den Stein!

Der lange vergessene Schaukasten erstrahlt wieder im aktuellem "Glanz". Und nach dem Prinzip Hoffnung - kann auch hier die CD auf Interesse stoßen - bei Menschen - mit offenen Augen und Ohren!

 

S.J.  




Von Achtsamkeit, Liebe und Mitgefühl ...

Ich bin etwas müde. Ich drehe mich um und schaue zum großen Fenster in unseren Garten hinaus, der vor nicht allzu langer Zeit aus dem Winterschlaf erwachte. Endlich! Dabei bleiben meine Augen traumversunken an dem alten, knorrigen Apfelbaum hängen. Mein Blick klettert vom festen, starken Stamm von unten nach oben und springt dann von Ast zu Ast, bis zu seinen feinsten Trieben, die sich in das Endlose des Himmels strecken. Sanft lässt der kühle Wind dabei seine feinsten Ärmchen schaukeln. Der Baum gibt mir in diesem Moment die nötige Ruhe.

Wie alt mag "Baum" sein, kommt es mir in den Sinn? Und wer mag "Baum" vor vielen Jahrzehnten gepflanzt haben? Alles Fragen, die mir heute nur noch "Baum6quot; beantworten könnte, wenn er dazu in der Lage wäre. Aber "Baum" hüllt sich beharrlich in Schweigen. Er ist ein so stiller, friedlicher Geselle, der uns Jahr für Jahr im Frühling mit seinem weiß-rosa Blütenmeer erfreut, der uns im Sommer mit seinem dichten, grünen Blätterdach kühlen Schatten spendet, und der uns im Herbst mit seinen aromatischen Früchten so reichlich beschenkt. Er gibt, ohne von uns zu nehmen, und ist so unendlich großzügig, denke ich. Zum wiederholten Male empfinde ich statt Selbstverständlichkeit für die Wunder der Natur tiefe Dankbarkeit. Ja, tiefe Dankbarkeit für sein Hiersein. Ich wiege mich bei seinem Anblick in wohliger Zufriedenheit.

In Gedanken bedanke ich mich bei dem Unbekannten, der "Baum" vor langer, langer Zeit genau an diese Stelle pflanzte, eine Stelle, die ich als meine geliebte Heimat bezeichne.

Ich frage mich, ob dieser Unbekannte die Früchte seiner Arbeit wohl genießen konnte, mit denen meine Familie und ich nunmehr seit vielen Jahren reichlich beschenkt werden? Oder, ob er wie jener vorausblickende Mann handelte, von dem hier in der folgenden Parabel die Rede ist.

Ein Wanderer ging einmal über Land und sah einen Mann, der einen Johannisbrotbaum pflanzte. Er blieb bei ihm stehen, sah ihm zu und fragte: "Wann wird das Bäumchen wohl Früchte tragen?" Der Mann erwiderte: "In siebzig Jahren." Da sprach der Wanderer: "Du Tor! Denkst du, in siebzig Jahren noch zu leben und die Früchte deiner Arbeit zu genießen? Pflanze lieber einen Baum, der eher Früchte trägt, dass du dich ihrer erfreuest in deinem Leben." Der weise Mann aber hatte sein Werk vollendet und sah freudig darauf und antwortete: "Herr, als ich zur Welt kam, da fand ich Johannisbrotbäume und aß von ihnen, ohne dass ich sie gepflanzt hatte, denn das hatten meine Väter getan. Habe ich nun genossen, wo ich nicht gearbeitet habe, so will ich einen Baum pflanzen für meine Kinder und Enkel, dass sie davon genießen. Wir Menschen können nur bestehen, wenn einer dem andern die Hand reicht."

Wie wahr, wie wahr!

Der 03. April 2005 war dann "unser historischer Tag". Wir pflanzten symbolisch für die Zukunft unseres Sohnes unser aller erstes Apfelbäumchen. Und einige weitere Bäume, die bald leckere, süße Früchte in den nächsten Jahren tragen werden, sollen sich in diesem Spätherbst zu unserem "Sprössling" dazugesellen.

Und wann pflanzt Du einen Baum, der uns, unseren Kindern und den Tieren Nahrung schenkt?


S.J.  



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